Kapitel Eins – Teil 1

Alles begann an einem nebeligen, grauen Freitagnachmittag in einem Zug. Ich saß in diesem Zug und war aufgeregt, da ich auf dem Weg nach Paderborn war, um meine Schwiegereltern kennen zu lernen.

Gut, das mit den Schwiegereltern war vielleicht etwas verfrüht, schließlich waren der Mann meiner Träume und ich noch nicht verheiratet. Genau genommen gab es nicht mal einen Heiratsantrag, geschweige denn eine gemeinsame Wohnung. Aber das alles tat nichts zur Sache – wir hatten uns gefunden und das war, was zählte.

Es gab – glaube ich – nur einen Menschen auf der ganzen Welt, der über das Ende der Märchenprinzsuche noch glücklicher war als ich. Nein, nicht der Märchenprinz. Meine Mutter. Sie hatte zwei Tage nonstop vor Erleichterung geweint, dass sie nun ihren Freundinnen nicht mitteilen musste, dass ihre Tochter eine von diesen neumodischen Lesben sei. Wobei sie das Wort „Lesbe“ immer nur ganz leise und wie eine schreckliche, ansteckende Krankheit aussprach. Natürlich nahm ich an, dass sich die Eltern des Märchenprinzen mindestens genauso darüber freuen würden wie meine Mutter, dass ihr Sohn nun glücklich bis an sein Lebensende sein würde – und nicht schwul war, falls sie jemals diese Sorge gehegt hatten.

„Allein schon deshalb müssen sie mich einfach mögen“, versuchte ich meine eigene Aufgeregtheit etwas zu mildern. Dazu kam, dass ich für gewöhnlich unglaublich gut bei Eltern ankam. Wenn meine Eltern mir Eines beigebracht hatten, dann das gute Ankommen bei anderen Eltern. Ich konnte so höflich, zuvorkommend, zurückhaltend, adrett und freundlich sein, wie es die Situation gerade verlangte. Dazu gehörte Lügen, dass sich die Balken bogen, wenn es nur der Höflichkeit diente. So hatte ich als kleines Mädchen mal bei einer Freundin, bei der ich zum Mittagessen eingeladen war, einen ganzen Teller Rahmspinat voller Enthusiasmus geradezu verschlungen. Nicht mal vor dem Nachschlag war ich zurückgeschreckt. Dabei hasste ich nichts mehr als Rahmspinat. Ich brachte es einfach nicht übers Herz, der glücklichen Mutter, die mich sofort ihrer eigenen Spinat-verweigernden Tochter als Musterbeispiel vorhielt, die Wahrheit zu sagen.

Es sollte genau diese Höflichkeit ohne Rücksicht auf das eigene Wohlbefinden sein, die mir im Umgang mit meiner Schwiegermutter zum Verhängnis werden sollte. Aber das wusste ich natürlich noch nicht, als ich aufgeregt im Zug nach Paderborn saß und versuchte mich selber zu beruhigen.

Meine bisherigen Beziehungen waren an vielen Dingen gescheitert, aber noch nie an den Müttern meiner Freunde. Mit einer hatte ich mich lange nach dem Ende der Beziehung zu ihrem Sohn noch zum Kaffeetrinken getroffen und mir angehört, wie furchtbar die neue Freundin sei. Eine andere hatte mich statt der neuen Flamme des Sohnemanns zu ihrem 50ten Geburtstagsfest eingeladen. Ich hatte einfach ein Ding mit Müttern. Oder besser gesagt, mit normalen Müttern, woher sollte ich auch wissen, dass ich in wenigen Stunden auf ein ganz besonderes Mutter-Exemplar treffen würde.

Zumal ich mich auf meinen Antrittsbesuch so intensiv vorbereitet hatte, wie es eine südkoreanische Delegation vor einer Reise zu Gesprächen über Atomwaffen nach Nord-Korea tun würde. Wenn ich nur geahnt hätte, dass mein Vergleich gar nicht so weit hergeholt und ich im Begriff war, mich auf sehr feindliches Territorium zu begeben – ich hätte noch bessere Vorbereitungen getroffen. So hatte ich „nur“ einen ganzen Stapel neuer, sehr schicker Klamotten in meinem Koffer, mit denen ich vor den Augen meines Prinzen und seiner Eltern ausgesprochen gut, modisch und elegant aussehen würde. Und wer wünschte sich nicht so eine schicke Frau für seinen Sohn? Den einzigen Sohn, in diesem Fall.

Außerdem hatte ich einen Arbeits-Erfolg in der Reisetasche. In meinem Job als Redakteurin bei einer TV-Produktionsgesellschaft hatte ich eine 30-Minuten-Spezial-Sendung über deutsche Banken abgeschlossen, die sofort von einem 24-Stunden-Nachrichten-Sender gekauft und nun in der Endlosschleife gezeigt wurde. Egal, wie langweilig ich meinen Job im Allgemeinen und das Thema Banken im Besonderen fand, machte das etwas her, dachte ich zufrieden und schaute aus dem Zugfenster. Draußen peitschten Hagelkörner gegen die Zugfenster und die Landschaft war in ein undurchsichtiges Grau-in-Grau getaucht. Vielleicht hätte ich dies als Vorzeichen erkennen sollen. Ich tat es nicht.

„Beim Fernsehen! Wirtschaft!“ – Vor meinem geistigen Auge sah ich stattdessen meine Schwiegereltern schon über den Gartenzaun mit den Nachbarn über die neue Frau an der Seite ihres Sohnes sprechen. Im Geheimen gestand ich mir zwar ein, dass ich lieber bei einem Klatsch-Magazin gearbeitet hätte, aber gerade vor dem ersten Besuch bei den Schwiegereltern war ich froh, dass ich mit einem seriösen Job aufwarten konnte. Bei Eltern und Nachbarn klang „Wirtschaftsredakteurin“ einfach besser.

Ich hatte in den vergangenen Wochen immer wieder versucht, mir meine möglichen Schwiegereltern vorzustellen: wie sie aussahen, was sie machten, worüber sie sprachen. Leider war der Sohn dieser Schwiegereltern dabei keine besonders große Hilfe. Wie Männer eben so sind, hatte er nur sehr oberflächliche Antworten auf meine ständigen Nachfragen.

„Warum willst du das alles wissen?“ hatte er mich eines Abends leicht genervt gefragt. „Du wirst meine Eltern doch bald kennenlernen und dann weißt du, wie sie aussehen, was ihre Hobbies sind und was sie den ganzen Tag machen. Ich habe ganz normale Eltern. Ich habe mich doch auch nicht so angestellt, als ich deine Eltern kennengelernt habe.“

Das stimmte. Ich war aber eben gerne gut vorbereitet. Siehe Nord-und-Süd-Korea.

Immerhin so viel hatte ich mir aus kleineren Bemerkungen oder Andeutungen meines Freundes zusammengereimt: Seine Mutter war Anfang sechzig und Geschäftsfrau. Oberste Priorität in ihrem Leben hatten Disziplin und Konsequenz. Sie war gebildet und weltgewandt. Auf Fernsehen wurde im Elternhaus meines Freundes weitestgehend verzichtet, da man lieber bei einem guten Glas Rotwein diskutierte. Mein potentieller Schwiegervater war seines Zeichens Weinkenner und hatte es als Ziel seines Lebensabends erkoren, die besten Weine der Welt zu studieren. Worüber man diskutierte und wie genau man Wein studierte, ohne dabei ständig sturzbetrunken zu sein, fand ich zwar nicht heraus, aber ich war beeindruckt. Und ein wenig neidisch, wenn ich an meine eigene Familie dachte.

Meine Mutter wurde jedes Jahr rundlicher, da ihr jegliche Disziplin fehlte. Mein Vater hatte in seinem Leben noch keine einzige Flasche Wein aufgemacht, da er sich von Chips und Bier ernährte. Die Weltgewandtheit meiner Eltern beschränkte sich darauf, dass sie sich nach langem Zögern im Jahr 2000 endlich eine EC-Karte angeschafft hatten und nicht mehr jedes Mal vor Schreck in Ohnmacht fielen, wenn sie im Supermarkt eine Münze in den Einkaufswagen stecken mussten.

Mit dem Diskutieren war es in meiner Familie auch nicht so weit her. Hundertprozentig sicher konnte ich nicht sein, aber ich war ziemlich überzeugt, dass meine Eltern das letzte Mal miteinander gesprochen hatten, als ich ausgezogen war. Wahrscheinlich hatten sie sich gegenseitig gratuliert, dass nun endlich auch das letzte dieser störenden Balgen, die man im jugendlichen Leichtsinn in die Welt gesetzt hatte, aus dem Haus war. Seit diesem Tag vor mehr als zehn Jahren saßen meine Eltern von morgens bis abends vor dem Fernseher, aßen Schokolade bzw. Chips, tranken dazu Likör und Bier und schwiegen sich zufrieden an.

Ich seufzte und blickte nochmal aus dem Fenster auf die stürmende Landschaft, die in Sekundenschnelle an mir vorüberzog. Hoffentlich würde ich auch in dieser ganz anderen Art von Familie zu Recht kommen. „Wenigstens komme ich gut bei Müttern an“, tröstete ich mich immer wieder und wurde trotzdem noch aufgeregter.

Ungefähr eine Stunde bevor ich in Paderborn ankommen sollte, hatte mich das Rattern des Zuges so eingelullt, dass ich eingeschlafen war. Der schrille Piep-Ton meines Handys, der eine SMS ankündigte, ließ mich hochschrecken.

Leider könne er mich doch nicht wie geplant vom Hauptbahnhof in Paderborn abholen, da ihm etwas dazwischen gekommen sei, lautete der Text der SMS meines Freundes. Er war bereits vor zwei Tagen mit dem Auto nach Paderborn gefahren, um dort an einem Klassentreffen teilzunehmen. Ich sollte am besten am Hauptbahnhof erfragen wie ich weiter nach Nieder-Oberstein käme, es sei ganz einfach, hieß es wenige Minuten später in einer zweiten SMS.

Ich wunderte mich zwar ein wenig, warum ich noch nach Nieder-Oberstein weiterfahren sollte, wo die Eltern meines Freundes doch in Paderborn wohnten, versicherte mir dann aber selber, dass Nieder-Oberstein wohl ein Vorort sein müsste und beschloss, mir von dieser kleinen Verzögerung nicht die Laune verderben zu lassen.

Knappe drei Stunden und vier Regional-Expresse später stand ich frierend auf dem mittlerweile dunklen Bahnsteig in Unter-Oberstein und wartete auf die Bahn nach Nieder-Oberstein. Meine Laune hatte mittlerweile doch ein wenig gelitten. Zumal der Regionalexpress nach Nieder-Oberstein eine halbe Stunde Verspätung hatte. Was absolut normal war, wie mir der nette Schaffner versicherte, den ich nach langem Suchen in seiner gut geheizten Schaffner-Stube bei Kaffee und Kuchen sitzend aufgestöbert hatte.

„Sagen Sie bloß, sie werden nicht abgeholt? Das weiß doch jeder, dass die Bahn hier nie pünktlich ist, ha, ha, ha“, lachte er kauend vor sich hin. „Darum lässt sich eigentlich jeder in Paderborn abholen, oder zumindest hier, ha, ha, ha. Es ist doch furchtbar mit den Bimmelbahnen allein durch die Pampa zu zuckeln.“

Mit dieser Feststellung hatte er zweifelsohne Recht, denn ich war in dem Zug, der aus Lok und genau einem Waggon bestand, ebenso allein wie während der guten 45 Minuten Wartezeit auf dem stockdunklen Bahnsteig.

„Beleuchten machen wir hier nicht, ist ja so was wie Endstation hier, da wartet sonst nie einer,“ hatte mir der Schaffner auf meine Beschwerde hin weiter erklärt.

Als ich endlich im Zug saß, musste ich feststellen, dass die Heizung nicht angestellt war. Die Erklärung des dick eingemummelten Zug-Schaffners, dass sich das nicht lohne, da niemand je mit dieser Bahn fahre, überraschte mich nicht weiter.

„Was wollen sie denn in Nieder-Oberstein?“, fragte der Schaffner interessiert, während er mein Zugticket abstempelte.

„Ich besuche die Eltern meines Freundes.“

Normalerweise gab ich fremden Menschen nicht so schnell so viele Informationen, aber die Aufregung und die stundenlange Warterei auf den Bahnsteigen hatten meine Zunge gelöst.

„Ach, sie sind das!“

Der Schaffner sah mich lange an und ich hätte schwören können, ich sah so etwas wie Mitleid in seinem Blick, was ich beschloss zu ignorieren. Ich war einfach nur froh, dass ich nicht gesagt hatte, dass ich meine künftigen Schwiegereltern besuchte, wie es mir auf der Zunge gelegen hatte. Offensichtlich kannte man sich in Nieder-Oberstein.

„Ich komme auch aus Nieder-Oberstein, da kennt jeder jeden“, bestätigte der Schaffner meine Gedanken. „Sie sind also der wichtige Besuch, von dem die Mutter ihres Freundes gestern in der Bäckerei gesprochen hat?“

Er sah mich wieder lange und prüfend an, was ich erneut ignorierte, denn mein Gehirn war damit beschäftigt, diese neue Information zu verarbeiten. Ich war wichtiger Besuch. Das war ein gutes Zeichen!

„Das sind sehr besondere Leute, die Eltern ihres Freundes“, sagte der Schaffner schließlich, tippte mit dem Finger an seine Schaffnermütze und verließ das Abteil.

Mir war nicht ganz klar, was ich mit dieser Bemerkung anfangen sollte. Gott sei Dank hielt der Zug in diesem Moment, ich war endlich in Nieder-Oberstein angekommen und hatte andere Dinge zu tun, als mir Gedanken über den Satz eines Zugschaffners zu machen.

Auch das letzte bisschen meiner schlechten Laune war wie weggeblasen, als ich endlich den Mann meiner Träume auf dem Bahnsteig in Nieder-Oberstein in die Arme schließen konnte. Tapfer lächelte ich die Strapazen der um vier Stunden verlängerten Reise und der Kälte auf Deutschlands nebeligen Bahnsteigen weg und begann, mich seelisch auf mein bestes Schwiegertochter-Benehmen einzustellen.

Sogar die Frage, ob Nieder-Oberstein überhaupt irgendetwas mit Paderborn zu tun habe, verkniff ich mir taktvoll, obwohl die Reise von Paderborn nach Nieder-Oberstein genauso lange gedauert hatte, wie die von Berlin nach Paderborn.

Weitere 10 Minuten Autofahrt später standen wir endlich vor dem Haus der Eltern des Mannes, den ich heiraten wollte. Erwartungsvoll stieg ich aus dem Auto. Es war dunkel und mittlerweile nieselte es, wie es nur an einem Winterabend in Deutschland nieseln kann. Innerhalb weniger Sekunden war alles klamm und was ich vor kurzem noch meine Frisur genannt hatte, waren jetzt ein paar unkoordinierte, schlappe, braune Haarsträhnen auf meinem Kopf. Ich strich mir durchs Haar, ohne große Hoffnung etwas zu verbessern, und wandte mich in Richtung Haus.

Der erste Blick auf das Haus meiner erhofften Schwiegereltern war beeindruckend. Man hätte fast sagen können: Es sah aus wie ein Märchenschloss. Ich stand vor einem riesigen Haus mit zahllosen Fenstern und einer Eingangstür, die ungefähr so groß war wie das ganze Haus, in dem ich aufgewachsen war. Meine Hochachtung vor der Frau, die Mutter meines Freundes und dazu noch eine offenbar sehr erfolgreiche Geschäftsfrau war, wuchs.

Wir standen noch nicht ganz vor der Haustür, als sich diese wie von Geisterhand öffnete. Nach der Größe des Hauses zu urteilen, hatte ich schon mit einen Butler oder zumindest eine Hausdame dahinter gerechnet. Doch aus der Tür kam eine Frau, die aussah, wie…wie meine Mutter auf Drogen.

Ich weiß nicht genau warum, aber ich hatte mir die Mutter meines Freundes so vorgestellt wie Meryl Streep in der „Teufel trägt Prada“: Eine große, schlanke Frau mit perfekt sitzender Frisur, gekleidet in einfache, edle Sachen, die ihre natürliche Autorität unterstrichen. Eine disziplinierte, gestandene Geschäftsfrau – auf meine Nachfrage hatte mein Freund knapp erklärt, seine Mutter sei in der Pharmaindustrie tätig – eben.

Die Frau, die mir enthusiastisch ihre Arme entgegenstreckte während ich ins Haus trat, war das Gegenteil. Sie war klein und dick. Sehr dick. Sie hatte eine Unmenge ungekämmter langer, krauser, drahtiger grauer Haare auf dem Kopf, die aussahen, als wäre ein Fön in ihnen explodiert. Oder wie einer dieser grauen Stahlschwämme, mit denen man dreckige Töpfe sauberkratzen konnte. An den Armen der Frau baumelten unzählige Reifen und Kettchen, auf ihrem gewaltigen Busen ruhte eine hölzerne Kette, die mindestens so viel wog wie sie selber und mit der wahrscheinlich in einem vorherigen Leben Sklaven auf Galeeren festgekettet worden waren. Unter der Kette trug sie ein weinrotes Kleid, das in merkwürdigen Falten um ihren Körper bis zum Boden hing. Außerdem war sie barfuß. Was ich gut verstehen konnte, denn kaum trat ich ins Haus, kam mir eine derartige Hitze entgegen, dass ich bereits nach wenigen Sekunden das Kondenswasser an meinem Schalenkoffer herunterlaufen sah. „Wenigstens kann das Desaster auf meinem Kopf nicht schlimmer werden“, dachte ich leicht beunruhigt. Nichts war so, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Nun war ich nicht umsonst Mutters Liebling und so schaffte ich es, mir mein Erstaunen über das Auftreten meiner künftigen Schwiegermutter nicht anmerken zu lassen und streckte ihr nicht minder enthusiastisch meine Arme entgegen.

„Sie müssen Miranda sein“, stellte die Frau unnötigerweise – oder hatte ihr Sohn etwa für das gleiche Wochenende noch eine Freundin angekündigt? – mit einer derartigen warmen, freundlichen Stimme fest, dass ich mich sofort von ihrem unerwarteten Aussehen erholte und wieder begann, mich auf das Kennenlernen meiner Hoffentlich-Schwiegereltern zu freuen.

„Was haben sich Ihre Eltern nur bei diesem Namen gedacht? Das ist doch so eine furchtbare, zuckrige Limonade? Und was ist denn mit ihren Haaren passiert?“, fuhr die Frau ebenso freundlich fort, während sie mich so fest an ihren Atombusen drückte, als wäre ich ihre kurz nach der Geburt verschwundene Tochter, die im Dschungel von Affen großgezogen worden war.

Trotz der gefühlten 45 Grad Raumtemperatur gefror mir mein schönstes Schwiegermutter-Lächeln auf den Lippen. Ich mochte meinen Namen nicht. Wirklich nicht! Und ich hatte mir oft die gleiche Frage gestellt: Was hatten sich meine Eltern nur bei „Miranda“ und dann auch noch in Zusammenhang mit dem Nachnamen „Meyer“ gedacht? Über den Kommentar mit den Haaren wollte ich lieber gar nicht erst anfangen nachzudenken.

Ich war es gewöhnt, dass Menschen nach meinem „merkwürdigen“ Namen fragten, normalerweise allerdings erst, wenn man sich etwas näher kannte. Und irgendwie auch etwas behutsamer, mehr so, wie: „Interessanten Namen haben deine Eltern da ausgesucht, den kenn ich eigentlich nur von der Limonade.“ Über die Jahre hatte ich mir als Erklärung zurechtgelegt, dass der Name typisch englisch sei und von meiner englischen Urgroßmutter stammte. Das war eine infame Lüge, aber meist waren die Leute dann ruhig.

Es war aber nicht nur die, sagen wir mal, sehr offene Frage meiner Schwiegermutter in spe, die mich störte. Es war die Tatsache, dass ihr Sohn einen wesentlich schlimmeren Namen hatte als ich. Es hatte schließlich einen Grund, warum ich meinen Märchenprinz am liebsten gar nicht beim Namen nannte, und wenn ich es doch tun musste, dann nannte ich ihn „Hase“ – konsequent und ausschließlich, obwohl mir Kosenamen ein Graus waren. Aber ich brachte seinen echten Namen bei aller Liebe einfach nicht über die Lippen.

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12 Gedanken zu „Kapitel Eins – Teil 1

  1. Wahnsinn! Die ersten Absätze könnten original von mir sein… Bei mir war es auch ein Freitag, ich bin bisher auch immer bei allen Müttern bestens (!) angekommen und auch ich musste feststellen, dass der Mann meiner Träume eine etwas geschönte Sicht seiner Mutter hat! Großartig!

    Ich finde, dass du die Geschichte sehr witzig und interessant geschrieben hast. An manchen Stellen habe ich nur gedacht „Oh mein Gott, bitte lass das erfunden sein“. Manches ist so haarsträubend, dass vielleicht doch wieder ein Stückchen Wahrheit drinstecken könnte. Denn auch wenn meine Schwiegermutter ganz anders ist… an manchen Stellen hatte ich fast das Gefühl sie wiederzuerkennen.

    Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Kapitel!

    Weiter so und viele Grüße aus dem kalten Deutschland,
    Lena

    P.S.: Mein Mann hat zwar einen durchaus „normalen“ Namen, aber meine Schwiegermutter hat mir bewiesen, dass man auch den „zerstören“ kann!

    • Freut mich, dass es dir gefallen hat. Natürlich bin ich irgendwie auf die Geschichte gekommen, weil ich auch so meine Probleme mit meiner Schwiegermutter hatte, aber beim Schreiben ist die Phantasie dann doch mit mir durchgegangen und deine Gebeten wurden erhört: alles erfunden. Aber kein Wunder, dass du deine Schwiegermutter irgendwie wieder ekennst, ich denke, viele Schwiegermutter sind sich in Grundzügen ähnlich und das kommt auch bei der total überzeichneten Ingrid durch…;-). Bleibt dabei, es kommen noch eine Menge Knaller!

  2. Ich freue mich schon auf die weiteren Kapitel 🙂

    Ein kleiner Fehler ist mir aufgefallen: die Sklaven waren wenn dann auf Galeeren und nicht auf Gallonen angekettet 😉

  3. Jetzt sitze ich hier und halte mir den Bauch. Es ist so lustig. Toll geschrieben!!!
    Ich habe bisher nur deinen Blog gelesen und dachte mir, ich warte auf das Buch. Aber während der Coverabstimmung bin ich zu neugierig geworden. (Ich habe für 2 gevotet).

    Es tut mir jetzt schon unglaublich leid, solltest du irgendetwas davon tatsächlich durchgemacht habe/durchmachen….

  4. Pingback: Urlaubsvertretung: Anne von Die Wüste & ich | Fabulatoria.de

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