Meine Puppen & Ich

Gestern Nachmittag war ich mit den Kindern mal wieder in der Mall. Während die Beiden um irgendetwas stritten – wenn sich gar nichts anderes findet, streiten sie sich auch gerne mal um die Luft, die die eine der anderen bösartig weg atmet – betrachtete ich die kleinen Stände, die im Gang zwischen den Geschäften aufgebaut sind. Bloß nicht zuhören ist meine Devise in solchen Situation.

Da fiel mein Blick auf etwas Unglaubliches. Puppen, die nach der Vorlage eines echten Menschen gefertigt werden, aber sonst aussehen wie Barbie-Puppen. TIM oder „This Is Me“ heißen die Dinger und werden von einer Firma in Dubai hergestellt.

Was für ein Mist, dachte ich und ausnahmsweise waren meine Kinder – die beim Anblick der Puppen natürlich sofort angerannt kamen und sich jede gierig eine Puppe grabschten – sich mal einig:

„Das ist ja gar keine echte Barbie,“ krähte die Eine und zog verächtlich an den braunen, kurzen Haaren einer Puppe.

„Die hat ja keinen Busen,“ schrie die Andere, die gerade eine männliche Puppe in der Hand hielt. „Und die ist blöd angezogen.“

Ich blickte verschämt neben mich, um sicher zu gehen, dass das Vorbild der Puppe nicht in der Nähe stand. Der Verkäufer nutzte die Gelegenheit, mich über die Puppen aufzuklären. Dank einer revolutionären Technik sei es nun möglich Fotos als drei-dimensionale Daten zu speichern und diese in eine Puppe zu verarbeiten, die genau so aussieht wie man selbst. Aha. Hatte ich erstens nicht verstanden und fand die Puppen zweitens immer noch blöd.

Wir gingen weiter und die Kinder stritten weiter, als mir plötzlich auffiel, dass so eine Puppe vielleicht doch gar nicht so schlecht ist. Je länger ich darüber nach dachte, desto mehr Nutzungsmöglichkeiten fielen mir ein. Zum Beispiel mit Puppen, die aussehen wie meine Kinder:

–       Tochter Eins kommt zwei Stunden vor Tochter Zwei aus der Schule. Die Zeit könnte sie nutzen, auf die Puppe ihrer Schwester wie auf eine Vodoo-Puppe mit Nadeln einzustechen und so Aggressionen abzubauen. Bestimmt würde es dann später weniger Streit geben

–       Ich könnte beide Töchter-Puppen statt der Echten an den Tisch setzen und ihnen in Ruhe einen Vortrag über gutes Benehmen halten. Da hätte ich wenigstens ansatzweise das Gefühl, dass mir mal jemand zugehört hat.

–       Die Töchter-Puppen könnten dann auch mit mir zusammen Abendessen und ich könnte mir einbilden, mit zivilisierten Menschen am Tisch zu sitzen, während die echten Töchter endlich ihren Willen kriegen und vor Fernseher essen können wie die wilden Tiere.

–       Auf Urlaubsfahrten würde ich auch nur noch die Puppen mitnehmen und wunderbare, ruhige, streitfreie Familienferien verbringen. Die echten Töchter können ja mal drei Wochen meine Schwiegermutter zur Verzweiflung treiben.

Und die Krönung des Ganzen: Ich könnte die Puppen den Kindern zum Geburtstag schenken. Ein Geschenk für mich auf ihre Kosten!

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10 Gedanken zu „Meine Puppen & Ich

  1. Von diesen tollen Puppen werde ich heute meinen Enkeltöchtern berichten 😉 Wobei: Enkeltochter Nr. 2 hat heute ihren 9. Geburtstag und ich/wir habe(n) schon die Geschenke und den Lieblingskuchen habe ich auch gebacken. Womöglich werde ich gefragt, warum ich nicht so eine Puppe für sie habe??? Nein, das will ich gar nicht denken, denn das Geburtstagskind und die knapp 2 Jahre ältere Schwester haben soviele Puppen, psst: Stellen Sie sich vor: Die beiden haben ein ganzes Zimmer in dem nur die Puppen wohnen, zwar ein kleineres Zimmer unterm Dach, aber immerhin. Das ist manches Mal ein Drama, wenn die kleinen Brüder mit spielen wollen 😉 ….
    Die Idee jedoch, dass die Mädels ihre Oma, also die „Schwiegermutter inklusive“ ein bisschen auf Trab halten könnten, gefällt mir. Denn ich nehme an, dass mit Weihnachten geht nicht so wirklich Reibungslos über die Bühne oder?

  2. Meine Kinder haben auch schon mehr als genug Puppen, ich glaube, die Menschen-Barbies kaufe ich mir eher für mich…;-). Und nein, Weihnachten hat bei der Schwiegermutter inklusive noch ein ganz schönes Nachspiel…mehr wird nicht verraten….;-)

  3. Welch geniale Idee! Ich setze eine Puppe von mir ins Büro, damit ich endlich in Ruhe zu Hause arbeiten kann, ohne dass es böses Blut von den neiderfüllten Huldigern des Anwesenheitskults gibt 🙂 Vielleicht kann man sie ja mit beweglicher Hand für den Mausklick und eingebautem Mikrofon ausstatten

  4. Welch geniale Idee! Ich hätte dann gerne eine Puppe von meinem optimierten Selbst. Wobei es gut möglich ist, dass ich die hinterher selbst nicht erkenne. :mrgreen:

  5. Ok ich lag grad lachend unter dem Tisch. Vielen Dank. Ich hab das grad bildlich vor Augen und ich hätte dann gern auch 2 die aus sehen wie meine Jung. Gründe siehe dein Post.
    Liebe Grüße
    Mama06 (die ganz viel zum nachlesen hat.)

    • Willkommen zurück! Und was die Kur angeht…ich habe mittlerweile gelernt, wenn ICH glaube, dass irgendetwas doch ganz super werden müsste und den beiden toll gefallen wird, endet es IMMER in einer Enttäuschung – meinerseits. Sind halt Kinder, man weiß einfach vorher nicht, was ihnen gefällt und dann hat man auf einmal einen super Tag mit ihnen und hat eigentlich gar nichts Tolles gemacht….

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