Spurensuche – Der etwas andere Dubai-Krimi – Teil 4

Frauchens nachbarschaftliche Sorge um Prince kam mir zur Hilfe. Als sie am Nachmittag an seiner Tür klingelte, um sich nach Prince zu erkundigen, überlegte ich nicht lange, sondern handelte. Ich drückte mich an den in der Eingangstür stehenden Frauchen vorbei und rannte in den Garten und quetschte mich durch seinen Tunnel. Im Nachbargarten stieg mir sofort der Geruch der vergifteten Wurst, die Prince zum Verhängnis geworden war, in die Nase.

Der Garten sah aus wie immer. Ich konnte – bis auf ein paar Pfotenabdrücke von Prince im Staub vor der Terrassentür – weder Fußspuren noch sonstiges entdecken. Was ich allerdings entdeckte waren nur halb geschlossene Vorhänge. Wer auch immer in dem Haus wohnte, hatte offensichtlich die Nase voll von elektrischem Licht und wollte ein wenig Tageslicht sehen. Ich lief auf die Terrasse. Schemenhaft konnte ich durch das Fenster Boxen und einen Tisch mit Tellern und Gläsern sehen. Die Klimaanlage brummte leise. Plötzlich hatte ich eine brillante Idee. Ich rannte zurück in Prince Garten und lief schwanzwedelnd zu meinem Frauchen. Ich hatte den perfekten Plan.

***

Ich gebe zu, ich bin ein Feigling. Ich hätte meinen perfekten Plan auch sofort an diesem Nachmittag ausführen können. Aber ich brauchte mehr Zeit. Ich musste meinen Plan auf Mängel überprüfen und vor allem musste ich Mut sammeln. Ich war nun mal ein Labrador und kein Schäferhund. Außerdem musste ich trainieren.

Jahrelang hatte ich mich dafür geschämt, dass Frauchen mir diese merkwürdigen Tricks beigebracht hatte, die kein Hund freiwillig machen würde. Ich konnte auf Befehl bellen, mich auf den Bauch rollen, auf die Hinterpfoten setzen, Hände lecken und – Türen öffnen. Letzteres allerdings würde mir nun helfen, dass Geheimnis von Nr. 13 zu lösen.

Die nächsten zwei Tage passierte nichts. Es war so heiß, dass an Spaziergänge nicht zu denken war. Aber ich brauchte auch keinen Spaziergang für meinen Plan, ich musste in Prince Garten. Am dritten Tag hatte ich Glück. Wir statteten Prince, der wieder daheim war, einen Krankenbesuch ab. Schnell erklärte ich ihm, was ich vorhatte und machte mich durch seinen Tunnel auf den Weg zum Nachbargrundstück. Unsere Frauchen waren in ein Gespräch über Hundegift vertieft und merkten nichts.

Ich lief zur Hinterseite des Hauses wo eine Tür in den Raum mit den Kompressoren der Klimaanlage führte. Das Summen der Klimaanlage hatte mich auf die Idee gebracht. Wenn ich Glück hatte, war die Tür genau wie bei uns nicht abgeschlossen. Ich sprang an der Wand hoch und brachte meine Pfoten in Position über der Türklinke. Dann lies ich mich nach hinten fallen. Die Tür sprang auf. Ich stand in dem Raum mit den Kompressoren der Klimaanlage. Einer der Kompressoren lief. Das bedeutete, dass eine Klimaanlage im Haus angeschaltet war. Wer auch immer es war, war im Haus. Ich sprang an einer zweiten Tür, die ins Haus führte hoch und versuchte meinen Trick. Geschafft. Ich war im Haus.

Das erste was mir auffiel war der überwältigende Geruch. Meiner Nase folgend rannte ich in eine Wäschekammer. Dort lag ein riesiger Stapel Schmutzwäsche, den ich ausgiebig beschnüffelte. Der Geruch war schon mehr ein Gestank, so intensiv war er. Mit etwas Mühe stieß ich den Korb um. Vor mir ergoss sich ein Berg dreckiger Kleidung. Ich schnüffelte an einem Männerhemd. Dann lenkte eine blutgetränkte Bluse meine Nase ab. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Schnüffelte ich an einem Kleidungsstück der vermissten Frau? Hatte Prince doch die ganze Zeit Recht gehabt? Immerhin wusste ich jetzt was der Geruch war: getrocknetes Menschenblut.

***

Zaghaft lief ich mit eingezogenem Schwanz in die Küche, wo ein alter Tisch stand, auf dem Essenreste und leere Coladosen lagen. Da es sonst nichts zu sehen gab, lief ich weiter. Bald war klar, das Erdgeschoss war leer. Genau wie die ersten drei Schlafzimmer im Obergeschoss. Alle drei Räume wirkten nicht, als wären sie benutzt worden. Blieb nur noch ein Schlafzimmer. Die Tür zu dem Schlafzimmer war nur angelehnt und es strömte kalte Luft unter dem Türspalt durch. Die Klimaanlage war an.

Draußen im Nachbargarten hörte ich wie Frauchen aufgeregt nach mir rief. Prince bellte. Mein Herz sank. Eigentlich hatte ich gehofft, dass Frauchen mir nachlaufen würde, wenn sie merkte, dass ich verschwunden war. Egal, was hinter der Tür auf mich wartete, ich musste allein damit fertig werden. Ich atmete tief durch, dachte daran, dass der Mensch hinter der Tür meinen Freund Prince hatte töten wollen und schob die Schlafzimmertür mit meiner Nase auf.

Ich sah eine Matratze und ein paar Kleider, die auf der Erde lagen. In einer Ecke standen mehrere Koffer. Am Fenster stand eine Frau, die mich ansah und sich nicht bewegte.

„Jetzt!“ schrie die Frau auf einmal. Dann wurde alles um mich herum schwarz.

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