Spurensuche – Der etwas andere Dubai-Krimi – Teil 5

Als ich wieder zu mir kam, sah ich einen Mann neben der Frau stehen. Die beiden diskutierten aufgeregt.

„Jetzt ist alles aus, gleich finden sie uns,“ sagte der Mann .

„Nein, nein, nein,“ fauchte die Frau ihn an. „Es kann nicht zu Ende sein, all die Mühe umsonst, das kann nicht sein.“

„Was willst du noch machen? Der Hund gehört jemand, wahrscheinlich auch den Nachbarn, denk an den anderen Köter, der hier dauernd rumgeschnüffelt hat. Du hörst doch, er wird gerufen, gleich wird jemand kommen und ihn hier suchen, dann finden sie uns.

„Ich habe gleich gesagt, dass wir dem Hund nicht K.O. schlagen sollen. Das hat nur Zeit gekostet. Wenn wir ihn zurück in den Garten gebracht hätten, hätte keiner was gemerkt.“ Die Frau schaute den Mann rechthaberisch an.

„Und woher willst du wissen, was das für ein Vieh ist? Am Ende ist der bissig und nicht so ein Trottel wie der andere Köter. Immerhin war er schlau genug, nicht die Wurst im Garten zu fressen.“

„Das sind doch alles verblödete Wohlstandtölen, den hätten wir ohne Probleme in den Garten gekriegt. Jetzt ist es zu spät. Jetzt können wir es nicht mehr riskieren, ihn in den Garten zu bringen ohne dass uns jemand bemerkt.“

„Und wenn wir es jetzt doch noch versuchen,“ überlegte der Mann und sah die Frau an. „Wir könnten ihn durch die Tür bei den Klimaanlagen nach draußen schieben, vielleicht sieht uns keiner.“

„Ein Versuch ist es wert. Zu verlieren haben wir nichts mehr,“ stimmte die Frau zu. „Also, du nimmst den Hund und ich mache die Tür auf.“

„Wieso soll ich die Töle nehmen? Du bist doch hier die Hunde-Expertin, die weiß, dass der Köter nicht beißt.“

„Gut, dann nehme ich den Hund und du machst die Tür auf. Herrschaftszeiten, das ist ein Labrador, weiß doch jeder, dass man bei denen nur ‚Buh‘ sagen muss und schon rennen die weg.“

Die Frau kam auf mich zu und gab mir einen Tritt mit dem Fuß. Einen leichten Tritt, aber trotzdem. Ich war durch ihre Worte allein schon gekränkt, obwohl sie nicht ganz unrecht hatte, aber dann noch treten? Ich tat etwas, was ich noch nie in meinem Leben gemacht hatte. Ich knurrte die Frau an, die sofort zurückschreckte.

„Habe ich doch gesagt, dass das Vieh bissig ist. Und nun?“

„Jetzt hauen wir ihm noch eins drüber, werfen ihn in den Garten und hoffen aufs Beste,“ sagte die Frau kalt.

So leicht war aber selbst ich nicht zu überwältigen. Ich sprang auf und rannte so schnell ich konnte nach unten. Dann begann ich zu bellen. Zu bellen, wie ich noch nie in meinem Leben gebellt hatte. Laut, schrill und ohne Pause. Im Nachbargarten hörte ich wie Prince in mein Konzert einstimmte. Jetzt musste mein Frauchen einfach merken, dass irgendetwas nicht stimmte und mir zur Hilfe kommen.

Die Frau und der Mann waren derweil ebenfalls nach unten gelaufen und ein paar Meter hinter mir zum Stehen gekommen. Leise stritten die beiden vor sich hin, wer sich nun nah genug an mich herantrauen sollte, um mich bewusstlos zu schlagen und in den Garten zu werfen. Gott sei dank kam es dazu nicht mehr, denn endlich sah ich wie mein Frauchen über die Mauer kletterte. Ich knurrte vorsichtshalber noch einmal in Richtung der beiden und sprang an der Terrassentür hoch.

„Der Fall der vermissten Australierin Alana H. hat eine unerwartete Wendung genommen. Alana H. wurde in einem leerstehenden Haus in einer Wohnanlage in Dubai unversehrt aufgefunden. Sie hatte sich dort, wie sie in einer ersten Aussage angab, seit ihrem Verschwinden versteckt.  Das Haus gehört Eric S. der sich ebenfalls dort aufhielt.

Eric S., der eng mit der Familie H. befreundet ist, gestand seit geraumer Zeit ein Verhältnis mit Alana H. zu haben. Gemeinsam hätten die beiden das Verschwinden der Frau vorgetäuscht und Beweismaterial gefälscht, um den Ehemann von Alana H. zu belasten.

Aufgespürt wurden die beiden von einem Hund aus der Nachbarschaft des Hauses, in dem sie sich aufhielten. Warum der Hund in das Haus lief ist nicht klar. Die Besitzerin des Hundes entdeckte die vermisste Frau und ihren Begleiter als sie nach ihm suchte. Sie alarmierte sofort die Polizei, da sie Alana H., von einem Zeitungsphoto wiedererkannte.

Nach ihrem Motiv befragt, gab Eric S. zu Protokoll man habe noch einige Tage nach der Festnahme des Ehemannes warten wollen, um dann das gemeinsame Bankkonto der australischen Eheleute zu leeren und mit dem beträchtlichen Vermögen der Familie H. ein neues Leben in Südamerika zu beginnen.

Ich liebe meinen Zeitungsartikel. Er hängt eingerahmt über meinem Korb über meinem Lieblingsplatz an der Terrassentür.

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11 Gedanken zu „Spurensuche – Der etwas andere Dubai-Krimi – Teil 5

  1. Danke für den Link, werde ihn mir mal genauer ansehen. Habe schon mal mit der Idee eines Ebooks geliebäugelt, da ich aber selber einen Kindle habe und wenn ich mir bei Amazon die Masse der Ebooks ansehe, habe ich etwas Sorge, wie da überhaupt jemand mein Buch finden sollte….und noch schlimmer, am Ende finden es die Leute, kaufen es und schreiben dann ganz miese Rezensionen…;-)

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