Psst….was Verbotenes

In Dubai sind die einheimischen Frauen meistens verhüllt. Bevorzugt komplett. Also sogar die Augen. Gemeinerweise habe ich einen ziemlichen Spaß daran, die Damen in der Mall beim Essen zu betrachten, wenn sie für jeden Bissen den Schleier heben müssen. Aber darum geht es heute nicht, es geht eher um Damen, die gar nichts anhaben und sich dabei mit ebenfalls unbekleideten Herren filmen lassen. Manche verkaufen diese Filme hinterher sogar. Habe ich das jetzt deutlich genug ausgedrückt, ohne DAS Wort zu benutzen? Denn schon das Wort allein ist nicht erlaubt. Nur der Gedanke daran, dass man auf die Idee kommen könnte, dass Männer und Frauen sich auskleiden und Dinge tun, ist nicht erwünscht.

Gottseidank gibt es für all so etwas ja die gute, alte Zensur. Die wird in Dubai gern für diese ganzen lästerlichen Dinge genutzt und so bekommt man hier auch sehr harmlose Frauenzeitschriften wie die Brigitte nur mit dicken, handgemalten, schwarzen Balken über allem was die weibliche Brust auch nur andeuten könnte.

Selbstverständlich wird auch das Internet von den Brust-Kontrolleuren durchforscht. Die Kriterien nach denen geschwärzt wird, sind allerdings nicht ganz schlüssig. Die Bild-Zeitung zum Beispiel kann man ohne Problem aufrufen und sich die leichtbekleideten Damen anschauen. Als ich neulich ein Rezept bei Essen & Trinken nachsehen wollte, wurde mir der Zutritt zur Seite mit dem Hinweis auf nicht erwünschte Inhalte verwiesen. Leider werde ich nun erstens nie wissen, wie man einen Schweinekotelett nach Art der Provence macht. Zweitens bleibt für mich ungeklärt, ob Essen & Trinken vielleicht eine neue Strategie hat und die Rezepte von leichtbekleideten Damen präsentiert werden. Oder ob drittens am Ende schon der Anblick eines Stück unbekleideten Stücks Schweinefleisch für den Zensor zu viel war.

Eindeutig viel zu viel für den Zensor war auf jeden Fall der Film, den ich vergangene Woche mit zwei Freundinnen im Kino gesehen habe. Eigentlich wollten wir einen ganz anderen Film sehen, doch der wurde spontan von 20.30 Uhr auf 19.45 Uhr vorverlegt. So waren wir leider zu spät (kleine Anmerkung am Rande, unser Film wurde in der Woche darauf wegen mangelnden Interesses abgesetzt) und da wir nun mal da waren, beschlossen wir einen anderen Film auszusuchen. Unsere Wahl fiel auf Chloe, weil wir alle Liam Neeson mögen. Nach etwas mehr als einer Stunde standen wir bereits wieder vor dem Kino. Nicht weil wir vorher gegangen wären, der Film war vorbei. Und wir ratlos. Keiner von uns hatte eine Idee, wovon der Film handelte.

Eine Google-Suche brachte Erleuchtung. Der Film handelt von einer Ehefrau, die sich mit einer anderen Frau einlässt, um heraus zu finden, ob ihr Mann ein Verhältnis mit dieser Frau hat. Im Original dauert er 96 Minuten, wir durften 69 Minuten sehen, der Rest war der Schere zum Opfer gefallen. Nicht ganz klar ist mir, warum sie den Film hier überhaupt im Kino gezeigt haben. Immerhin leicht gemacht haben sie sich die Entscheidung nicht, den Film hier zu zeigen. Er ist von 2009. Oder haben die Zensoren sich etwa die nackten Hauptdarstellerinnen so oft ansehen müssen, um sicher zu gehen, dass wirklich nichts Verbotenes ins Kino kommt?

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37 Gedanken zu „Psst….was Verbotenes

  1. Du meine Güte, wenn ich sowas lese, da wundert mich ja gar nichts mehr. Wie bigott kann die Welt nur sein.
    Was das Verschleiern angeht, so wäre mir das heute Morgen ganz recht,
    Haare sitzen schlecht, dicke Augen von schlecht geschlafen …

    Liebe Grüße und einen guten Wochenstart nach Dubai
    SK

  2. Verschleierungen können hilfreich sein. Habe das mal in Dubai gemacht….unter dem Abaya trug ich meinen Pyjama….das war lustig 🙂
    Das Schweinefleisch-Rezept war bestimmt verboten wegen dem Schweinefleisch. Moslems sollen das ja nicht essen.
    Die schwarzen Balken in den Zeitschriften fand ich wirklich merkwürdig. Hatte immer schwarze Markerfarbe an den Fingern und da hatte ich mich schon gefragt, wer diese Balken produziert. Sitzen da x indische Gastarbeiter in Garagen und blättern jedes Heft durch? Was für eine Scheißarbeit….und wie aufwendig….wobei…die können ja alles verbotene sehen und finden es evtl. klasse 😉

    • Das gilt nur für Muslime und auch von denen halten sich nicht mehr alle dran. Viele der jungen Emirates tragen nur noch einen Kopfschleier und lassen die Abaya offen…es gibt allerdings in allen Malls Hinweise auf angemessene Kleidung. Kurze Ärmel und Kleider bis zum Knie sind erwünscht…wird aber auch nur bedingt kontrolliert und es gibt viele – vor allem Touristen – die rennen in Hotpants und Spagehtti-T-Shirt durch die Malls. Die meisten Expats halten sich aber dran und achten drauf, nicht allzu „nackt“ einkaufen zu gehen…

  3. Oh mein Gott;-)

    Ich habe ja bei Essen und Trinken nach dem Rezept gesucht, aber leider nicht gefunden, sonst hätte ich es Dir geschickt.
    Vermutlich war das Schweinefleisch die Schweinerei;-)

    Gut, dass Du Dich nicht verschleiern musst, aber unschön, dass Touristen sich nicht an die Gepflogenheiten dort halten. Ich finde das gehört sich einfach….

    Andererseits tun es die Emirates es ja auch nicht und marschieren in Horden als black moving objekts durch München;-)

  4. und wie gehen die Polizei (Sicherheitskräfte, Behörden, Kontrollorgane) mit solchen Touristen um, die sich nicht an die öffentliche Kleiderordnung halten? Gibts gelegentlich Festnahmen, Bußgelder, oder werden da eher die Augen zugedrückt (was ich weniger glaube). Ich meine, jeder Tourist kann lesen und schreiben, also kann er sich auch vorab über das Land und die Kultur, Leute, Gesetze und das allgemeine erwünschtes Benehmen informieren. Ich finde man sollte sich auch daran halten und die Kultur des Gastlandes respektieren, man darf halt nicht überall Händchenhalten, Küssen, Alkohol (öffentlich) trinken, Hunde frei laufen lassen oder FKK am Strand nachgehen. Während die einen erst nur verwarnen, klicken wo anders ruckzuck die Handschellen. „Habbisch nicht gewusst“ interessiert dann wirklich niemand, weils heutzutage echt unglaubwürdig ist. Zumindest meiner Meinung nach.

    • Festnahmen gibt es für Kleidung nicht, aber meine Großnichte ist letztes Jahr wegen eines zu kurzen Rockes aus der Mall geworfen worden…und ich hatte sie noch gewarnt…;-). Das passiert aber eher selten und wenn dann auch eher bei jungen Mädchen, bei reiferen Damen trauen sich die Sicherheitskräfte der Mals meistens nicht. Was richtig Ärger gibt ist, wenn manche Touristen sich – am besten betrunken – in der Öffentlichkeit küssen oder noch weiter gehen. Dafür geht es dann schon mal in den Knast. Betrunkene werden auch nicht gern gesehen, aber meistens geduldet, so lange sie sich nicht daneben benehmen. Ist eine Gradwanderung, wenn überall Alkohol ausgeschüttet wird, es unzählige Bars gibt und man Touristen anlocken will, dann muss man auch damit leben können, dass es Betrunkene gibt. Insgesamt gebe ich aber recht, ich verstehe nicht, dass die Leute sich nicht vorher erkundigen und sich dann einfach normal benehmen können.

  5. Finde den Einblick in deinen Alltag immer wieder faszinierend. Und der Gedanke von Sweetkoffie ging mir auch durch den Kopf. An manchen Tagen wäre ein Schleier sowas von vorteilhaft… 😛

    Dennoch heftig. Was für ein Kulturschock. Von der Stadt, in der es kaum noch eine Schamgrenze gibt [vielleicht war das vor vielen Monden anders?!] direkt ins andere Extrem. Das muss man verbloggen, um nicht vollends verrückt zu werden, oder? :mrgreen:

    • Ne, Schamgrenze gab es schon damals in Berlin nicht…;-). Um ehrlich zu sein, fällt das Extrem gar nicht so auf. Die meisten Expats wohnen in Bezirken, in denen fast nur Expats wohnen und da kann man manchmal fast vergessen, dass man in einem arabischen Land ist. Und am Ende des Tages gibt es hier dann doch so ziemlich alles, was es woanders auch gibt. Darüber schreibe ich dann morgen, wie man an die guten Sachen rankommt…;-)

    • dass die Leute sich nicht vorher erkundigen und sich dann einfach normal benehmen können.

      *Daneben benehmen* ist für viele das Normale. Immer lustig, wenn sie anecken und nicht verstehen, warum.

  6. Nun hab´ich mich mal zu dir gewurschtelt, allerdings erst 2 kleine Texte gelesen. Sehr interessant… an manchen Tagen würde ich mich auch gern verschleiern! Ich finde deine Schilder übrigens sehr hübsch. Bastelst du die immer oder ist das „virtuell“? LG von Rana

    • Juhu, endlich fragt mal einer nach den Schildchen. Die bastle ich immer schön selber, obwohl ich nicht so ein Bastelfuchs bin. Traue allerdings den ganzen Gratis-Bildern im Internet nicht so recht und daher mach ich sie lieber selber…Grüße aus der Wüste!

  7. Auch ich kann es durchaus verstehen, dass man sich ab und an einen Ganzkörperschleier wünscht. Haare sitzen nicht? Hose kneift? Burka drüber, fertig! Das hat bestimmt auch seine Vorteile 😉
    Ansonsten bin ich schon gespannt, wie Du an die „wirklich guten“ Sachen rankommst.

  8. Da wundert man sich dann schon immer wieder, wie gerade die Leute in diesen Ländern zu so vielen Kindern kommen. Machen die das am Ende auch verschleiert und nur nachts ohne Licht? Wie öde…
    Das mit dem Ganzkörperschleier wenn man mal keinen Bock auf Styling hat – oder sich eh besch… fühlt hat aber durchaus seinen Reiz :mrgreen:

    • Angeblich – ich war noch nie bei echten Emiratis eingeladen – sehen die Frauen zu Hause, wo sie ohne Verhüllung rumlaufen, immer super gestylt aus und super sexy. Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist das, was man bei manchen mal unter der Abaya vorblizten sieht immer sehr schick. Die meisten sind auch stark geschminkt. Ich glaube, es sind mehr wir praktischen Weslter, die sich unter der Abaya auch mal „gehenlassen“ würden…;-)

      • Stimmt schon, wenn in München das Schleiergeschwader aufläuft, dann kann man durchaus auch hin und wieder erahnen, dass da drunter exklusive Klamotten und gestylte Damen stecken. Dennoch. Irgendwie versteh ich’s trotzdem nicht. Für was style ich mich denn dann überhaupt?
        Egal… ich würde es wohl tatsächlich hin und wieder ausnutzen 😉

      • @ChiefJudy, du stylst dich natürlich für deinen Mann. Für wen denn sonst?

  9. pfui, pfui…genau richtig so. schließlich könnten die willenlosen männer durch eine haarsträhne oder ein blankes knie ja verführt werden – und müsten sich gezwungenermaßen auf die frauen stürzen. schreckliche welt. ich bin wirklich imemr wieder froh, dass ich hier lebe. die frauen tun mir nur so sehr leid: gefangen in der rolle, umhüllt in 50 Meter Stoffbahnen. furchtbar. dazu muss so mancher körper mit ekzemen übersät sein. man schwitzt ja auch unter dem schweren langen kram.

    • Die Rolle der Frau hier, darüber will ich mich mal gar nicht auslassen. Aber die Abayas sind extrem leicht und sind (ich habe es allerdings noch nicht ausprobiert) angeblich ziemlich gut bei dem heißen Wetter. Das Bedürfnis möglichst „nackt“ bei Hitze zu sein, haben nur die Westler. Alle Asiaten (Männer und Frauen) bemühen sich, möglichst den ganzen Körper vor der Sonne zu schützen und tragen meist lange T-Shirts und Hosen. Zu Recht, allein schon wenn man an Hautkrebs denkt…

  10. Hallo in die Runde: ich habe sehr interessiert alles durchgelesen, da ich Interesse hätte, meinen Flug nach Indien in Dubai für eine Nacht zu unterbrechen. Kann ich allein als Frau die Stadt besichtigen? In Jeans und T-Shirt? Die Frage mag für euch Expertinnen wohl eher albern sein 😉

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