Der Winnetou…

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, aber die Schlümpfe haben mein Haus verlassen. Dafür sind Winnetou und Old Shatterhand eingezogen. Zumindest teilweise ist es eine Verbesserung. Statt mit dem Schlumpflied grüßen meine Kinder mich nun Morgens stumm mit dem Winnetou-Gruß, indem sie mit huldvoller Miene die rechte Hand aufs Herz legen und sie dann würdevoll nach rechts ausfahren.

Jetzt sollte man meinen, dass im Hause – ganz in Winnetous Geiste – nun ewiger Frieden herrscht, aber weit gefehlt. Von Morgens bis Abends streiten die beiden Neu-Indianer, wer von ihnen die Nscho-tschi (Winnetous Schwester) ist und wer der dumme Schmetterlingsfänger. Ich bin nur froh, dass sie noch etwas zu jung sind, um die Sache mit dem Marterpfahl zu verstehen, sonst hätte ich wohl keine ruhige Minute mehr.

Ich komme allerdings nicht umhin, zuzugeben, dass ich früher auch ein großer Winnetou-Fan war. Die Betonung liegt auf war. Wenn in der Funk Uhr (gibt es die noch?) fürs Wochenende ein Winnetou-Film angekündigt wurde, war meine ganze Woche gerettet. Egal, ob der „Schatz im Silbersee“, „Unter Geiern“ oder die „Winnetou“-Reihe, ich saß wie angeleimt vor dem Fernseher und war begeistert. Nachdem meine ältere Tochter sich neulich nichts mehr gewünscht hat, als das ich einen ganzen (!!!!) Winnetou-Film mit ihr gemeinsam sehe, frage ich mich allerdings wovon? Mit guten 30 Jahren Abstand zum ersten Fernsehabend mit Winnetou kann ich sagen: die Filme sind so was von grottenschlecht, dass man fast schon wieder fasziniert hinschauen muss.

Allein die Szene in der Ribanna (Winnetous Objekt der Begierde) von einem Bären angegriffen wird und Winnetou ihr zur Hilfe eilt. Ganz ehrlich, das hätte ich mit dem großen Steiff-Bären meiner Tochter überzeugender hinbekommen. Herrlich auch die Szene, in der Winnetou vermeintlich spektakulär und elegant von einem Felsen hechtet und dabei gleich drei Halunken zur Strecke bringt. Meine Tochter kommentierte verzückt: „Guck mal, Mama, der Winnetou hat einen Roly-Poly gemacht“. Roly-Poly hat ihre Gymnastik-Lehrerin früher in der Baby-Gruppe die Versuche der 2-jährigen genannt, einen Purzelbaum zu machen.

Von den Kulissen will ich gar nicht erst anfangen. Mein Liebling ist das Dorf der ganzen Apachen-Schar, das aus 15 winzigen Wigwams besteht, die im Kreis um ein Lagerfeuer stehen. Dabei sind die Wigwams ungefähr so originalgetreu wie das Spielzeugzelt, dass ich zum 8ten Geburtstag bekommen habe. Warum ist mir das damals nicht aufgefallen? In der nächsten Szene geht es dann in ein Zelt zu Friedenspfeife-Beratungen und da sitzen doch glatt 20 Personen in dem Mini-Wigwam. Naja, man soll ja nicht zu kritisch sein. Und wenn es die Kinder glücklich macht.

Ich bin allerdings noch nicht ganz sicher, ob ich das Versprechen nicht bereuen werde, mit den beiden Squaws im Sommer zu den Karl-May-Festspielen in Elspe zu gehen. Am Ende wird das ein sehr langer Tag. Hoffentlich regnet es nicht. Und noch hoffentlicher ist die Winnetou-Phase bis dahin nicht schon wieder vorbei.

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23 Gedanken zu „Der Winnetou…

  1. Ha! Das ging mit kürzlich ähnlich. Allerdings hat die Süße nicht mitgeschaut und ich könnte abschalten. Was ich daran früher toll fand? Kein schimmer! Noch weniger was meine Eltern daran gut fanden.
    Die Festspiele sind aber bestimmt gut.

    • Wie ist das möglich, keinen einzigen Winnetou-Film gesehen zu haben??? Wobei Winnetou ein sehr deutsches Ereignis ist. Meine Tochter hat für die Schule etwas über Winnetou geschrieben und ihre Lehrerin (aus England) hatte keinen blassen Schimmer wer das sein sollte….

  2. Da wünsche ich Ihnen & Ihren Töchtern heute schon WETTERGLÜCK!!! Das ist in Deutschland leider immer so ein (nicht)Sache mit dem Sommer! Z.Zt. denke ich über auswandern nach, jetzt im Mai so kalt!!! Da hilft es auch nicht, wenn es heisst: Die Eisheiligen sind schuld. Im Juni dann die sogenannte Schafskälte und im Juli/August ist der Sommer gelaufen?
    Übrigens: Die Schildchen gefallen mir sehr gut, heute das rote mit Winnetou ganz besonders!

  3. Wenn bei uns irgendeine Feier ist, kommt immer auch das Thema was man als Kind gern gesehen hat auf den Tisch. Finde ich jedes Mal wieder Spannend weil auch immer eine Sendung dazu kommt bei der man sagt „stimmt, die gab`s ja auch“. Wie Catwisl, Barbapapa, Kli-Kla-Klawitterbus, Plumpaquatsch, Pantau…. Gruß zu den Indianern von kunstecht

  4. Ich kann sie verstehen…deine Töchter. Ich war eine glühende Verehrerin Karl Mays (und wenn ich jetzt in eines der Bücher schaue…oh mein Gott…was für ein Mi…) .
    Das ist Pathos…Leidenschaft und Edelmut…wer kann da schon widerstehen! Howgh..ich habe gesprochen!

  5. Ich war auch ein Winnetou-Fan und kann deine Kinder gut verstehen, als wir vor ein paar Jahren zu den Karl.may-Festspielen in Bad Segeberg waren, da hat es mich wieder gepackt, das Winnetou-Fieber und ich hab mir die alten Karl-May-Bücher aus der Kiste gesucht.
    Howgh!

    • Am Ende packt es mich in Elspe auch! Wobei das, glaube ich, nur die Nachmacher-Festspiele sind, aber die sind nur ein paar Minuten von der „Sommerresidenz“ entfernt….habe den Kindern vorsorglich schon mal versprochen, dass ich ihnen in Deutschland sofort Indianer-Kostüme bei Amazon bestelle….

  6. Glücklicherweise hatten wir bislang weder Karl May noch die Schlümpfe in grosser Mission in unserem Haus. Allerdings dafür Cars, Lillifee und Konsorten… ich weiss nicht was wirklich „besser“ ist. ABER: es ist alles nur ein Phase!

    In diesem Sinne: HOWGH!

    Und liebe Grüsse von
    Frau Süd

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