Harry & Sally & Ich

Die Zeit bis zum EM-Halbfinale Spanien gegen Portugal habe ich mir mit dem Film „When Harry met Sally“ vertrieben – zuvor hatte ich im Internet gelesen, dass Nora Ephron, die Frau hinter diesem wunderbaren Film gestorben ist.

Nora Ehpron verdanken wir nicht nur den Orgasmus von Sally am Restaurant-Tisch, sondern auch noch Filme wie „You’ve got mail“ und natürlich „Sleepless in Seattle“. Ach, ich komme aus dem Seufzen gar nicht mehr raus, wenn ich an diese Filme denke – und ich bin überhaupt kein Meg Ryan oder Tom Hanks-Fan. Ich weiß aber noch genau wann, in welchem Kino und mit wem ich diese Filme zum ersten, zum zweiten und zum dritten Mal gesehen habe. Den Taschentuch-Verbrauch bei „Sleepless in Seattle“ kann ich nur schätzen. Auswendig mitsprechen konnte ich die meisten der Dialoge (wie war das noch mal mit dem toten Kapital?) und selbstverständlich habe ich über Monate nichts anderes zu Hause und im Auto gehört als die Filmmusik.

Gestern Abend also „When Harry met Sally“ – ich konnte die DVD von „Sleepless in Seattle“ nicht finden. Immer noch ein toller Film, aber irgendwie hat er mich nicht mehr so ganz vom Hocker gerissen wie früher. Vielleicht habe ich ihn nun doch schon zu oft gesehen. Oder – und mir lief es richtig kalt den Rücken runter, als mir dieser Gedanke zum ersten Mal kam, gestern Abend auf dem Sofa – werde ich langsam zu alt und vor allem zu abgebrüht für solche Filme?

Seit Jahren habe ich nun schon keine romantische Komödie mehr gesehen, die mich so mitgenommen hat, wie damals während der Studienzeit die Filme von Nora Ephron. Ich habe sehr viele, sehr gute Filme in den vergangenen Jahren im Kino gesehen, aber bei denen, die mir im Gedächtnis geblieben sind, ging es nie um Romantik und Liebe. Es bleibt der Schluss, dass es seit Jahren keine guten, romantischen Komödien mehr im Kino gegeben hat, oder, dass ich einfach mittlerweile zu viel erlebt habe, als dass diese Filme noch ihre volle Wirkung auf mich ausüben könnten.

Ich befürchte, der unbedingte Glaube an Geschichten über die einzige, große, alles überschattende Liebe wie Nora Ephron sie erzählt hat, ist mir irgendwo in den letzten 20 Jahren abhanden gekommen. Das Leben, diverse Beziehungen und zwei Kinder haben mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich bin keine Sally, kein Harry war jemals über Jahre hinweg für mich bestimmt und wusste es nur nicht. Noch weniger wartet jemand oben auf dem Empire State Building auf mich. Ich habe keinen Sohn (und erst recht keine Tochter), der für mich beim Radio anrufen würde. Ich würde mich niemals trauen, in einem Restaurant einen derartigen lautstarken Auftritt hinzulegen wie Sally und die Menschen, die beim ersten Kennenlernen blöd sind, wären es bestimmt auch noch, wenn ich sie später nochmal als Blinddate übers Internet treffen würde. Schade eigentlich. Obwohl ich gar nicht sagen kann, dass ich früher, als ich noch diese klitzekleine Hoffnung hatte, dass mir auch mal solche tollen, romantischen Dinge wie im Kino passieren könnten, glücklicher war.

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22 Gedanken zu „Harry & Sally & Ich

  1. Doch die Filme gibt es noch im Kino. Aber sie sind einfach nicht mehr für uns, fürchte ich. Aber es gibt schon noch das ein oder andere im Programm, was auch wir gucken können: Mamma Mia – Der ganz normale Wahnsinn/working mum – Briefe an Julia (den finde ich absolut Klasse! Und es spielt eine Frau mit, die viel älter ist als wir und den Mann sucht, der für sie bestimmt ist).

  2. Ein schöner Artikel!!! Ich liebe auch diese Filme…und bin nah am Wasser gebaut…..aber wenn ich jetzt überlege….lange gab es nichts mehr….und manche romantischen Filme nerven mich nur noch. Ich war früher noch romantischer veranlagt….ich glaube, daß die heutige Gesellschaft gar nicht dafür gemacht ist, noch an wahre Liebesgeschichten zu glauben. Ist das nicht traurig? Was wäre die Menschheit ohne die großen Liebesgeschichten?!

      • Anfang 20 war ich noch voll auf Horror- und Gruselfilme fixiert. Ende 20 dann mehr auf diese romantischen Komödien, weil der Druck, DEN Richtigen zu finden einfach immer größer wurde. Und dann kam diese Sehnsucht: „…ich will auch!“ Heul – schmacht – schluchz. Manchmal bin ich doch froh, dass ich das nicht mehr erleiden muss – andererseits ist halt auch die Spannung weg, die man bei den ersten Dates hat.

      • In der Tat…wenn ich mir meine Kinder ansehe, wäre es auch schön mal wieder Kind zu sein…andererseits…bin wahrscheinlich am Ende des Tages froh, dass ich genau in der Lebensphase bin, in der ich bin…

  3. was für mich immer wieder, wenn ich an meine Jugend in den 80ern denke erschreckt ist, das man nicht mehr in Jahren rechnet sondern schon in Jahrzehnten ahhhhhh…. ich bin noch nicht so alt. – Scheiße… der Blick in den Spiegel sagt etwas anderes. Gruß von kunstecht

  4. Solche Filme haben mich nie so sehr gereizt. Irgendwie war ich nie der Typ der an Liebe geglaubt hat und an große Romantik. Das kam erst etwas mit meinem jetzigen Freund…. nicht dass es nach über 5 Jahren noch super romantisch wäre oder dergleichen (im Moment hockt er vor dem PC und weigert sich, Frühstück zu holen) aber es ist doch „mehr als ich erwartet hätte“ (wie unromantisch sich das anhört :D) – vielleicht sollte ich jetzt mal solche Filme anschauen und sehen ob sie mir nun besser gefallen ^^

      • Ich finde diese Dramen ehrlich gesagt gar nicht so toll. Diese „großen Gefühle“ sowohl im plus als auch im minus lassen doch gar keinen Raum mehr für anderes. Da steht das Leben an sich irgendwie zu sehr zurück und man ist nur noch mit der Beziehung beschäftigt.

  5. Erstens glaube ich, dass wir langsam zu alt für solche Filme sind und auch zu verwöhnt. Den alten Kram kann man sich ja kaum noch antun. Alleine die Frisuren und die Klamotten. ;O))

    LG

  6. Also: Im Vergleich zu Ihnen liebe Frau Schwiegermutterinklusive, bin ich Steinalt. Aber nicht zu alt, um diese Art von Filmen immer noch gerne zu sehen. Als ich heute früh im Radio gehört habe, dass Nora Ephron gestorben ist, habe ich mir gedacht, es wäre nett, einmal wieder Schlaflos in Seattle zu sehen, ich habe ihn erst 5 mal gesehen ;-). Es gibt noch eine ganze Reihe wundervoller Filme, die ich ab & zu (nicht zu oft) einfach anschauen muss, z.B.: Der Klang des Herzens, bestimmt kennen Sie diesen Film (http://www.youtube.com/watch?v=-5ab6RtA-KE) Ich liebe diesen Film, obwohl ich schon so alt bin 😉

    • Ja, den Klang des Herzens kenn ich auch…ein schöner Film, aber auch da fehlt bei mir die ganz große Mitgenommenheit, wie gesagt, ich glaube es liegt an dem Boden der Tatsachen, dass das Leben eben nicht ist und auch nie sein wird, wie ein Film…;-)

  7. Mag sein, dass das Leben nicht „so“ (romantisch) ist, aber ich kann Ihnen versichern: Manchmal dachte ich, ich bin im FALSCHEN Film 🙂 Und Streckenweise war mein bisheriges bestimmt Leben Filmreif. 😉

  8. Mist, umgekehrt, mein … bisheriges Leben war … bestimmt ….

    Schönes Wochenende, immerhin hat es jetzt bei uns zu so früher Stunde fast 20° und es soll hoch gehen für unsere deutschen Verhältnisse auf sehr heisse 32°

  9. *seufz* Mit ihr war der Schnee irgendwie weisser.

    Hab gerade letzte Woche überlegt, ob ich nicht Schlaflos in Seattle mal mit meinen Mädels gucke. Ich find den Film so toll, aber wahrscheinlich die Mädels örgs. Obwohl Zurück in die Zukunft 1 fanden sie auch gut.

  10. Jetzt habt ihr mich soweit gebracht:
    ich habe mir „Briefe an Julia“ online angeschaut.
    Ein herrlicher Film!!!

    Danke für den Tipp une allen ein schönes Wochenende 🙂

  11. hmmm… Hast du schon mal einen Bollywood/Hindi-Film gesehen? Mit Sharuk Khan? z.b. „Lebe und denke nicht an morgen“ oder „Ganz plötzlich ist es Liebe“ oder „Ich bin immer für dich da“? Was mir besonders gefällt sind die Lieder in Hindi (ein bisschen wie Musicals die gaaanz viel der Gefühle und Träume mittragen) und die Filme sind sehr emotional, aber nicht übertrieben kitschig, es gibt keine amerikanische Prüderie, aber es gibt auch keine Szenen wie „erster Abend, Abschied an der Haustür, erst vorsichtiger erster Kuss, dann gleich heftig intensiver Kuss und in der nächste Szene liegen sie schon nackt im Bett und reißen sich die Klamotten vom Leib (solche Szenen hasste ich total bei amerikanischen Filmen und ich vermisse sie bei Hindi-Filmen überhaupt nicht). Ich mag die tollen bunten Saris der hübschen Frauen die traditionellen Kleider der sexy Männer. Es wird Kultur und Tradition genauso rüber gebracht (Besuche im Tempel, Segnung der Kinder und Gäste von der Mutter) wie Moderne (Kids besuchen ausländischen Universitäten, oder man arbeitet im Ausland und besucht dann Verwante/Eltern in Indien… je nach Geschichte). so, genug gelobt… wenn ich weiter schreibe, erzählt ich gleich auch noch Pointen und witzige Szenen aus den Filmen… muss ja nciht sein, einfach selber anschauen und verzaubern lasen und mitfreuen (oder leiden, wenns ein Drama ist) „Swades-Heimat“ war auch toll über einen Sohn, der nah 12 Jahren Arbeit in Amerika, Indien und seine Ziehmutter besucht und sich dem Kasten-System konfrontiert sieht für das er nach so langer Zeit in Amerika kein Verständnis mehr hat. So, jetzt probier ich zum 4. und letzten mal einen Punkt zu machen Punkt -> .

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