Ramadan – Lama – Ding – Dong!

Es ist wieder soweit: mit Kanonenschüssen wird – wenn die Prophezeiungen der Gelehrten stimmen – der Ramadan, der Fastenmonat der Muslime, am 20. Juli eingeläutet. Die Zeitungen sind voll mit Meldungen wer, was, wann und wo im Ramadan tun oder nicht tun darf. Angestellte können sich zum Beispiel darüber freuen, dass die Regierung der Emirate die Arbeitszeit für ALLE Arbeitnehmer auf sechs Stunden täglich reduziert hat. Ausnahmen nicht gestattet.

Das Sommerloch tut wohl ein Übriges, es wird kaum noch über etwas anderes berichtet als über den Ramadan. So habe ich meinen ausgesprochen ruhigen, kinderfreien Freitag Morgen mit intensiver Zeitungslektüre verbracht und dabei einige interessante Dinge über den Ramadan herausgefunden. Selbstverständlich will ich die nicht für mich allein behalten, sondern teile großzügig mit meinen Blog-Lesern.

Ganz im Sinne des Ramadan, übrigens. Denn, Zakat, eine der fünf Säulen des Islams sieht vor, dass jeder Muslim 2,5 Prozent seines jährlichen Einkommens an Bedürftige spendet – ok, ich spende Wissen, aber das zählt bestimmt auch. Die meisten Muslime nutzen den Ramadan, um ihrer Spendenpflicht nachzukommen, angeblich weil sie sich davon den größten spirituellen Nutzen für sich selber erhoffen. Nicht ganz uneigennützig also, aber immerhin. Das Ende des Ramadans wird übrigens mit einem drei-tägigen Fest „Eid Al Fitr“ begangen und es ist verpflichtend für jeden Muslim, einem Bedürftigen ein Festmahl zu dieser Gelegenheit zu ermöglichen.

Aber auch die nicht ganz so Bedürftigen können Geld mit dem Ramadan verdienen. Denn das sitzt während des Fastens offensichtlich ziemlich locker in den Taschen der Muslime. Der Ramadan ist der Monat mit den zweithöchsten privaten Ausgaben. Entsprechend stecken die großen Unternehmen ca. die Hälfte ihrer jährlichen Werbeausgaben in den Fastenmonat. Der Monat mit den höchsten Ausgaben ist allerdings der Weihnachtsmonat Dezember und das obwohl die Muslime gar kein Weihnachten feiern. Erklären lässt sich dieses Phänomen wohl nur durch die zahllosen westlichen Ausländer, die in der Region leben.

Eine Hausfrau, die das Iftar-Mahl (das Essen mit dem das Fasten nach Sonnenuntergang gebrochen wird) für die Familie kocht und versehentlich probiert, ob es denn auch schmeckt, hat übrigens keine Konsequenzen zu fürchten. Die Fastenzeit gilt nicht als unterbrochen. Aber nicht schummeln, wer alle paar Minuten die Geschmacksprobe macht, der muss den Fastentag wiederholen. Genau wie alle Kranken, Reisenden, Schwangeren oder Frauen, die ihre Periode haben, die vom Fasten befreit sind. Auch für die ist Nachholen Pflicht.

Wer sich vom Fasten eine bessere Figur erhofft, wird oft enttäuscht. Viele Muslime nehmen sogar zu während sie fasten. Grund hierfür ist das sogenannte „binge-eating“ – kaum geht die Sonne unter wird bis der Morgen graut gefuttert, was das Zeug hält, um eine Grundlage für den nächsten Fastentag zu schaffen. Wer während des Ramadans nach Sonnenuntergang in die großen Malls geht, findet in den heillos überfüllten Food-Courts kaum einen Platz und die Schlangen vor McDonald’s und anderen Fast Food-Restaurants sind unendlich lang. Soviel zum Thema Abnehmen.

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33 Gedanken zu „Ramadan – Lama – Ding – Dong!

  1. Da dürfte das Fasten ja nicht schwer fallen, wenn man sich Nachts den Bauch vollschlägt – ich wäre vermutlich auch bis zum nächsten Abend satt 😉

    Ich habe auch mal gelesen, dass viele Schwangere trotzdem fasten, obwohl die „freigestellt“ sind – finde ich allerdings ziemlich verantwortlungslos.

      • Ich glaube, das liegt daran, dass die Schwangeren nicht später alleine das Fasten nachholen wollen. Das ist nämlich ungleich schwerer, als in der Gruppe zu fasten.

        Liebe Grüße Karin

      • Das wäre natürlich eine Begründung, aber dafür das Kind gefährden…überlege gerade, wenn die alle zwei Jahre ein Kind kriegen und stillen, dann müssen die irgendwann 5 Monate am Stück fasten….;-)

  2. Diese Fastennummer ist so etwas von bescheuert!! Alle haben Hunger und Durst, alle sind aggressiv und am Abend wird gefressen wie ein Schwein. Wo ist da der Sinn?!

    • In der Tat! Am schlimmsten finde ich, dass es den Ausländern auch aufgezwungen wird…mir ist es egal, dass ich in der Mall nichts essen darf, aber die Bauarbeiter auf den Baustellen in der glühenden Hitze?? Das hat nichts mit Religion zu tun, das ist menschenverachtend….da hilft auch die Reduzierung der Arbeitszeiten auf 6 Stunden nix…

      • Ja, wenn die Einheimischen so davon überzeugt sind, daß sie im Namen Allahs das richtige tun, warum dürfen dann die anderen nicht weiter essen und trinken?! Dann müssten die „Gläubigen“ ja standhaft genug sein.

    • Liebe Mascha, vielleicht solltest du erst mal an deiner Ausdrucksweise arbeiten bevor du überhaupt etwas fragst … Über all wird genug davon berichtet, anstatt einfach nur dumm Behauptungen zu stellen, Informationsquellen gibt es mehr als genug

  3. Macht immer wieder Spaß, hier Informationen deiner derzeit auserwählten (vorübergehenden ?) Heimat zu lesen, Interessantes, Wissenswertes, gut in Worte verpackt.

    Was ich vermisse: was hat das eigentlich auf sich mit der Schwiegermutter ❓

    Fragen über Fragen ! 🙄

    • Na, die Schwiegermutter kommt in dem Roman vor…findest du in der Seitenleiste…eigentlich wollte ich am Anfang nur über die Schwiegermutter schreiben, musste aber feststellen, dass Dubai doch mehr Geschichten hergibt…;-). Neue Schwiegermutter-Geschichten gibt’s aber auch bald, überarbeite den Roman gerade und werde ihn dann wohl als ebook veröffentlichen..

  4. Irgendwie finde ich den Ramadan auch schon immer recht seltsam und ich finde es verantwortungslos von vielen Schwangeren auch unverantwortlich mit zu fasten.
    Ich kenne da auch so Exemplare.

    Wie Aurora schon sagte: Das nicht trinken ist das fatale. Das würde ich gar nicht aushalten, schon gar nicht in Dubai bei 40 °C.
    Wie viele Menschen mit Kreislaufkollaps werden da täglich ins KKH eingeliefert?

    • Keine Ahnung, aber bestimmt einige…..ich bemühe mich, meinen Sommer-Urlaub so zu legen, dass ich während Ramadan nicht da bin…was mir die vergangenen Jahre auch geglückt ist…daher krieg ich nicht viel mit, was hier dann so passiert…;-)

  5. Das Fasten finde ich gar nicht so schlimm, schließlich haben auch wir Christen eine Fastenzeit, wenn sich der Verzicht auch nur auf bestimmte Nahrungsmittel bezieht. Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, sich mal darin zu üben, nicht jeder Versuchung nachzugeben. In letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, daß auch nichtgläubige bzw. strenggläubige Menschen während der Fastenzeit auf irgendetwas Liebgewordenes verzichten. Ich schließe mich den „Vorrednern“ an, mit der Meinung, daß sich die Enthaltsamkeit keinesfalls auf das Trinken beziehen darf.

    Als ich vor Jahren aus einer rein protestantischen Gegend in eine fast rein katholische zog, war ich entsetzt, als mit eine Frau berichtete, daß sie als Kind während der Fastenzeit nicht Süßes essen durfte. Da ihr Geburtstag in diese Zeit fiel, gab es noch nicht einmal einen Kuchen, geschenkte Schokolade u. ä. wurde weggesperrt und durfte erst ab Ostersonntag gegessen werden. Ich finde, daß ist schon fast eine Form der Kindesmißhandlung.

    • Ich glaub, meine Kinder wären ausgezogen, wenn ich das mit ihnen gemacht hätte…ich finde Fasten prinzipiell ganz gut, egal aus welchen Gründen und für gesunde Menschen ist das wahrscheinlich sogar in Ordnung nicht zu trinken – deshalb werden ja unter anderem die Arbeitszeiten verkürzt – aber z.B. die Schwangeren, die nicht essen…einfach nur dumm.

  6. Eigentlich ist es ja kein Fasten, man dreht einfach Tag und Nacht um, oder? Während es dunkel ist, wird geschlemmt und tagsüber gibt es dann halt nichts. So 12-stündige Essenspausen sind ja eigentlich normal, normalerweise sind sie halt vom Abendessen bis zum Frühstück. Wenn man tagsüber schlafen kann, ist das bestimmt kein Problem. Wenn man allerdings zur Arbeit muss, ist der Verzicht auf das Trinken natürlich fatal.

  7. Unsinn finde ich, grober Unsinn sogar, sorry, bei allem Respekt den (gläubigen) Muslimen gegenüber. Paradox, am Tag fasten und nach Sonnenuntergang essen bis zum Umfallen. Kopfschüttelnde Grüße! Ich wünsche ein schönes Wochenende.

  8. Mir ist einfach nicht klar, wie es gehen soll, bei dieser Hitze den ganzen Tag wirklich nichts zu trinken. Ich komme schon mit den deutschen Sommertemperaturen nicht so sonderlich gut klar, und das trotz Getränke. Aber Dubai-Temperaturen und nichts trinken…äh ja. Mission impossible.

  9. Also, ich bin Muslima. Und ja, wir fasten. Nein, wir schummeln (meistens) nicht. Und ja, es ist verdammt hart. Nein, Schwangere dürfen eigentlich gar nicht fasten – viele machen es aber doch aus verschiedenen Gründen (Druck von außen, Perfektionismus… was weiß ich), es gibt aber inzwischen zum Glück auch viele Geistliche, die sagen, daß das Sünde ist.
    Wir machen das, um daran zu denken, daß es Menschen gibt, die den ganzen Tag nichts essen und abends dann aber nichts zu essen bekommen – im Ramadan bzw. am Ende wird traditionell Geld für Arme gespendet. Und nein, man soll eigentlich nicht so viel essen.
    (Puh. Noch mehr Fragen??)

    • Jede Menge! Aber danke für die Aufklärung, ich kann ja immer nur aus der Sicht einer „Aussenstehenden“ berichten, daher ist es gut, wenn auch mal jemand der mittendrin ist, seine Meinung und sein Wissen mitteilt…;-)

      • Mist, der Rechner hat meine Antwort vorher abgeschossen.
        Also: Immer her mit den Fragen! :o) (gerne auch per mail)

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