Der Würstchen-Boogie

Als ich heute morgen in den Kühlschrank blickte, blickte nichts zurück. Will heißen, es herrscht – in Abwesenheit der Kinder – gähnende Leere im Kühlschrank. Ich genieße zwei Wochen ohne Kochen und vor allem ohne Sonderwünsche. Etwas weniger genossen habe ich die Tatsache, dass ich nichts zum Frühstück hatte.

Also rief ich schnell eine der wenigen Freundinnen an, die noch in Dubai ausharren und überredete sie, mit ihr zum Frühstück in eine der zahlreichen Malls zu fahren. Auf dem Weg dorthin standen wir an einem Kreisverkehr mit ausgesprochen langer, roter Ampelphase.

Plötzlich kreische meine Freundin auf: „Hör mal!“ und stellte das Radio auf eine Lautstärke, die sonst nur meine Kinder bei Katy Perry einfordern. Die Musik, die nun mein Trommelfell bis aufs Äußerste strapazierte, war leider nur wenig besser, rief dafür aber viele, schöne Erinnerungen hervor: „Words“ von FR David.

„Dazu habe ich in der Tanzschule was weiß ich für einen Tanz gelernt,“ seufzte meine Freundin und wippte mit dem ganzen Körper mit.

„Ich auch,“ stimmte ich begeistert ein und begann ebenfalls zu wippen.

„Ach, was war ich damals in den Jörg verliebt,“ meine Freundin seufzte, „den hab ich letztes Jahr im Sommerurlaub zufällig in der Stadt gesehen. Total fett und schmierig. Gut, dass manche Teenie-Träume nicht wahr werden.“

Während wir weiter in Erinnerungen schwelgten, blickte ich versonnen nach rechts und dachte mich trifft der Schlag. Im Auto neben uns saßen vier Frauen, die offensichtlich den gleichen Radiosender wie wir hörten, denn auch sie wippten begeistert mit – allerdings waren die vier vollverschleiert und sahen ein bisschen aus wie schwarze Würste, die im Takt der Musik schunkelten.

Ich musste ziemlich lachen, vor allem als die Damen zu uns rüber schauten und die eine im Takt der Musik ihren Gesichtsschleicher hoch- und runterwippen ließ. Wusste ich es doch! Unter den Schleiern geht es auch nicht anders zu als bei uns!

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15 Gedanken zu „Der Würstchen-Boogie

  1. Oh mein Gott! Words…

    Ich habe da auch Erinnerungen und ich bin auch froh keinen der damaligen Angebeteten heute an der Backe haben zu müssen.
    Ich musste leider feststellen, dass die coolen von früher heutzutage die schlimmsten Spießer sind.
    Nicht geschenkt, nicht einen!

    Was die Damen unterm Schleier wohl so machen, wenn sie zuhause sind;-)

  2. Ich mag das Lied ja auch gar nicht. Aber das mit den Verschleierten ist witzig 😉
    Und ja – was bin ich froh, keinen meiner jugendschwärme abbekommen zu haben. Heute weiß ich, wozu es gut war^^

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