Ich komm doch nicht mit…

Reisende soll man nicht aufhalten, lautet ein schönes Sprichwort. Doch was, wenn die Reisenden sich selber aufhalten? Wie im Fall eines 11-jährigen Schuljungen aus England, der seit einem Monat in Dubai festsitzt, weil er sich strikt weigert, in ein Flugzeug zu steigen.

Joe Thompson hat mit seinen Eltern einige Jahre in Al Ain, einem der sieben Emirate, gelebt. Ausgerechnet als er sich mit seiner Familie auf die endgültige Rückkehr in die Heimat England machte, überkam den Jungen eine derartige Flugangst, dass er es nicht an Bord des Flugzeuges schaffte.

Die Familie blieb erst mal in Dubai, da dem Jungen der Flug nicht zuzumuten war. Doch guter Rat war teuer. Irgendwie musste man zurück nach England kommen. Nur wie? Die Mutter von Joe und seine Schwester flogen schon mal vor, während er mit seinem Vater Tony in Dubai blieb. Da Joe – der seit er ein Baby war, regelmäßig geflogen ist – nicht zu bewegen war, auch nur in die Nähe eines Flugzeuges zu gehen, begann der Vater nach Alternativen zu suchen.

Der Landweg bot sich an, doch der führt leider durch Saudi-Arabien. Ein Land, für das ein Visum, das nicht geschäftlicher Natur ist, ungefähr so schwer zu bekommen ist, wie ein Sechser im Lotto. Hier war kein Durchkommen. Nachdem Joes’ Geschichte von den Medien aufgegriffen wurde, wendete sich das Blatt. Nicht nur zeigten die saudischen Behörden ein Einsehen und genehmigten die Visa für Vater und Sohn, nein auch Volkswagen witterte gute Werbung und will den beiden Auto samt Fahrer spendieren. Immerhin ist der Landweg von Dubai quer durch Saudi-Arabien zur Hafenstadt Jeddah (Dschidda) 5600 Kilometer lang.

„Joe freut sich auf die Reise seines Lebens,“ erklärte Mutter Pauline nun einer Zeitung in Dubai. Die Sache mit der plötzlichen Flugangst werde man nach seiner Ankunft in England aber dennoch psychologisch untersuchen lassen.

Eine nette Geschichte, allerdings habe ich jetzt ein bisschen Angst vor nächster Woche Freitag, wenn ich mit den Kindern wieder nach Dubai fliege. Am Ende kriegen die auch Flugangst und ich strande mit ihnen im Sauerland. Irgendwie ein etwas weniger glamourös als Dubai. Vielleicht geh ich besser schon mal beim Autohändler ein paar Orte weiter vorbei und bereite ihn aufs Schlimmste vor.

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35 Gedanken zu „Ich komm doch nicht mit…

  1. Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht, ne?
    Wieso lässt man ihn nicht VOR dem Flug psychologisch untersuchen bzw. behandeln?
    Ist Vater Tony Geschäftsmann und braucht Publicity?

      • Ach SO, er panikte direktemang auf‘ Rollfeld sozusagen. Hui. Da ist natürlich guter Rat teuer…
        Trotzdem würde ich einen guten Psychologen einer strapaziösen Autofahrt & Schiffsreise vorziehen.
        Aber ich bin ein Mädchen; die 2 Jungs haben da bestimmt Spaß dran.

      • Das könnte sein, vielleicht hat er das alles nur gespielt, damit er mit Papa ein paar Wochen Wüstentour machen kann….ich frage mich nur, muss Papa eigentlich nicht arbeiten, dass er 4 Wochen in Dubai rumlungern kann??

  2. Bei „The A-Team“ wurde das in jeder zweiten Folge ganz praktisch gelöst:

    Da bekam „B.A.“ immer ein Schlafmittel in seine Milch gemischt, und dann hatte sich das Thema Flugangst erledigt.

    Wäre btw auch meine bevorzugte Lösung des Problems gewesen.

  3. Die sollten sich das A-Team anschauen. Der Schwarze (mir fällt seine Name nicht mehr ein) hatte auch schreckliche Flugangst. Den haben sie immer vorher betäubt und er wachte erst wieder am Zielort auf. Der Kerl war zwar nicht begeistert, aber es hat gut funktioniert 😉

  4. Ich habe noch eine etwas komfortablere Lösung: ihr könnt von Hamburg aus auch mit einem schönen Kreuzfahrtschiff nach Dubai gelangen. Das wäre doch sowieso mal eine nette Alternative, oder?

  5. Ich bin kein A-Team-Fan, aber ich habe mich auch gefragt, wieso haut man dem Jungen nicht einfach auf den Kopf, dass er schläft…

    Na ja, es geht natürlich auch mit weniger Gewalt, aber 5600 km ist eine ganz schöne Strecke, das ist ja genau so brutal…

    Du hast es einfach. Du musst deinen Kindern einfach versprechen, dass sie nie wieder Olypiaschokolade essen müssen. Ich glaube dafür vergessen sie die schlimmste Phobie….

  6. Ich hätt ihm irgendwelche Schlafmittel verpaßt, statt da lang mit Psychologen rumzumachen. Gibst ihm ein Glas Wasser mit was drin, er schläft in Dubai ein, wacht in London wieder auf, fertig.

  7. Ich würde dem Knaben, wenn es mein Sohn wäre, irgendwelche Schei…-Egal-Pillen geben und fertig. Es gibt doch auch so ein Zeug, dass man Kindern vor Untersuchungen gibt. Die schlafen dann nicht, sind aber ein bißchen neben der Spur, reden ein bißchen, als ob sie ne Wolldecke im Mund hätten und grinsen glücklich.
    Und ich hätte da auch noch einen Kinderarzt an der Hand, der bei Angstzuständen mit Hypnose arbeitet. Der würde bestimmt auch gegen Kostenerstattung nach Dubai geflogen kommen. Das wäre sicher billiger und weniger zeitintensiv, als der Monstertrip durch die Wüste.

  8. Ihr könntet ja auch mit dem VW, der dann in London nicht mehr gebraucht wird zurück fahren…

    5600 Kilometer? Und man ist immer noch nicht in Europa? Wow. Und ich stelle mich schon bei 1000 Kilometern nach Italien an – Weichei ich!

  9. Also ehrlich: Ich bin … eigentlich absolut gegen Beruhigungs-und überhaupt (Schlaf)Tabletten – vor allem bei Kindern. Aber sorry, in diesem Fall sei eine Ausnahme gestattet, da muss ich den anderen KommentarInnen recht geben. Das ist Eltern-Terror pur. Fragt sich nur, warum diese mit spielen. Manchmal muss man Kindern einfach sagen: Ich verstehe dich, deine Wut, deine Angst usw. ABERRRR: Da spiele ich nicht mit. Von wegen 5600 km (Wüsten)Tortur, nur weil der Knabe nicht in einen Flieger steigt. Liebe Frau Schwiegermutter inklusive: Lassen Sie das um Himmels Willen nicht ihre Töchter wissen. Kopfschüttelnde Grüße aus Bayern;-)

  10. Zu Fuss gehn lassen, die renitente Göre oder noch besser an den nächstbesten Karawanenführer verhökern. Der will doch bloss nicht zurücks ins englische Scheisswetter.

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