Dallas, Denver, Paris, Riad

Die Geschichte hat alles, was eine Seifen-Oper braucht: schöne Menschen, Drama und einen echten Prinzen. Leider hat sie auch ein tödliches Ende für einen der Hauptdarsteller.

Als ich die Meldung in einer Dubaier Zeitung las, dachte ich zunächst: „Das kann doch gar nicht wahr sein. Das ist ja wie damals bei Dallas und Denver“ – die etwas älteren Jahrgänge werden wissen, wovon ich spreche. Ein paar Klicks und eine Google-Suche bestätigten jedoch, die Geschichte ist wahr und keine Erfindung von cleveren Drehbuchautoren.

Die Pariser Polizei untersucht laut Zeitungsberichten den Tod von Candice Cohen-Ahnine, die aus dem vierten Stock ihres Pariser Appartments fiel, angeblich weil sie auf der Flucht vor etwas „gefährlichem“ war. Grund genug hätte sie gehabt,  schließlich war die 35-jährige in einen erbitterten Sorgerechtsstreit mit dem Vater ihrer 11-jährigen Tochter verwickelt. Sogar ein Buch hat sie darüber geschrieben. Denn der Vater ihres Kindes ist ein Prinz aus der saudischen Königsfamilie.

Seit 2008 hat die Frau ihr Kind nicht mehr gesehen. Damals war sie – angeblich arglos – mit der Tochter nach Riad gereist, um den Vater zu treffen, mit den sie über mehrere Jahre eine Affäre hatte. Heirat ausgeschlossen, schließlich war Candice Cohen-Ahnine Jüdin. Genau dies sollte ihr zum Verhängnis werden. Sie wurde in Riad in ein Zimmer des Palastes gesperrt, weil sei angeblich eine Muslima war, die zum Judentum konvertiert sei. Ein Vergehen, das in Saudi-Arabien mit der Todesstrafe geahndet wird. Ihre Tochter blieb beim Vater.

Als der Frau schließlich die Flucht in die französische Botschaft gelang, riet man ihr nach Frankreich zurückzukehren und vor dort aus, um ihr Kind zu kämpfen. Im Januar dieses Jahres hatte Cohen-Ahnine endlich Erfolg. Ein französisches Gericht sprach ihr das alleinige Sorgerecht und Unterhalt von satten 10.000 Euro pro Monat zu. In der Theorie. Praktisch ignorierte der Vater des Kindes das Urteil und die französische Justiz „vergaß“ einen internationalen Haftbefehl gegen den saudischen Prinzen auszustellen. Immerhin, für Mitte September war ein Treffen mit der Tochter geplant.

Ich spare mir jeden Kommentar über „Schön und Reich“ und freu mich einfach mal dass ich Urlaub im Sauerland mache und mit meinen Kindern Schnitzel essen kann.

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22 Gedanken zu „Dallas, Denver, Paris, Riad

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