Reine Auslegungssache

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Kaum habe ich den Schreck mit dem Stillen von Pflegekindern zum Zwecke der Familienzugehörigkeit verdaut, stoße ich schon auf den nächsten Knüller.

Eigentlich wollte ich nur recherchieren, ob das Stillen durch die Pflegemutter auch für Mädchen die Zugehörigkeit zur Blutsfamilie bringt. Das weiß ich immer noch nicht, aber dafür weiß ich nun, dass vor zwei Jahren einige gewitzte Frauen in Saudi-Arabien die Still-Regel zu ihrem Vorteil ausnutzen wollten.

Die Damen, die in ihrem Land per Gesetz nicht Autofahren dürfen und daher von – männlichen, natürlich – Fahrern durch die Gegend chauffiert werden müssen, drohten damit, sich ihre Fahrer im wahrsten Sinne des Wortes zur Brust zu nehmen und sie zu stillen. Dies habe den großen Vorteil, so die Damen, dass der Fahrer dann Mitglied der Familie sei und sie sich nicht jedes Mal komplett verschleiern müssten, wenn sie den Fahrer sehen.

Offensichtlich gilt die Still-Regel also auch für erwachsene Männer und daraus wurde die Kampagne der Saudi-Frauen: „Entweder wird dürfen selber fahren oder wir stillen unsere Fahrer“.

Wie gesagt gebracht hat es den Damen bislang nichts, Autofahren dürfen sie immer noch nicht, aber die Idee ist schon grandios und ich musste ziemlich lachen, auch wenn es im Grunde traurig ist, dass die Frauen zu solchen Mitteln greifen müssen, um so etwas für uns Normales wie Autofahren zu dürfen.

Über die folgenden Aussagen von Saudi-Frauen zu dem Thema musste ich auch ziemlich schmunzeln:

„Der Islam erlaubt mir tatsächlich einen fremden Mann zu stillen, aber ich darf mein eigenes Auto nicht fahren?“

„Ich denke, dann sollten die weiblichen Hausangestellten auch die Männer des Hauses stillen, dann können wir alle Brüder und Schwestern sein.“

„Dürfen die Frauen ihre Fahrer alleine stillen oder muss ihr Mann anwesend sein?“

Mit dieser Frage verabschiede ich mich schon mal ins Wochenende, das fängt hier schon am Freitag an und ich fahre mit den Kindern an den Strand – die Betonung liegt auf „ich fahre“…;-)

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25 Gedanken zu „Reine Auslegungssache

  1. Das ist wirklich kurios.
    Ich frage mich immer mehr wie du es dort aushältst…
    Gut du hast dort offensichtlich andere Rechte als die Einheimischen.
    Einerseits bin ich ja der Meinung, dass man sich im Ausland den Sitten des Gastlandes anpassen sollte, aber bei einer solchen Diskriminierung der Frauen würde ich meine Grundsätze auch über Bord werfen.
    Ich verstehe immer weniger, je mehr ich lese, wieso sich die Frauen nicht dagegen wehren.
    Was passiert denn eigentlich, wenn eine Muslima unverschleiert aus dem Haus geht?
    Wird sie verhaftet? bestraft?

    • Man muss natürlich unterscheiden…ich bin ja in den Vereinigten Emiraten und das Fahrverbot gilt nur in Saudi-Arabien…wo wir alle übrigens niemals einfach so hinkommen würden…dort gibt es nämlich keine Visa für Touristen sondern nur für Geschäftsleute bzw. Muslime, die nach Mekka pilgern…für Normalsterbliche ist Saudi-Arabien nicht zu erreichen…ich war allerdings dann doch schon mal da, weil es eine Zeitlang so aussah als würden wir dort hinziehen (ist mittlerweile 8 Jahre her) und dann darf man sich doch vorher mal ansehen, worauf man sich da einlässt. Ich muss sagen, dass es sooo schlimm vor Ort nicht war….man muss eine Abaya tragen, aber kein Kopftuch (ich war allerdings in Jeddah, kann sein, dass es im konservativeren Riad anders ist) und kann sich auf den Straße oder in der Mall ganz normal allein bewegen…ist ja nicht so, als würden sie von jedem Ausländer auch sofort verlangen, alles exakt so zu machen wie ein Muslime….und in Dubai gelten sowieso ganz andere Regeln, hier kann man eigentlich im Großen und Ganzen machen was man will…außer vielleicht betrunken Sex am Strand zu haben, aber ich denke mal, dass auch an deutschen Stränden die Polizei unter Umständen gerufen würde, wenn zwei Leute es da sturzbetrunken mitten am Strand für alle sichtbar treiben….;-)

  2. In Saudi-Arabien dürfen die Frauen auch nicht Fahrrad fahren. Darüber gibt es sogar einen Kinofilm. Weiß aber nicht mehr, wie der heißt.

  3. Das erinnert mich daran, dass ich vor Jahren mal gelesen habe, dass die erste Frau in Saudi Auto fahren darf – nach eine Geschlechtsumwandlung (den Führerschein hatte sie vorher schon gemacht). Das interessante daran fand ich, dass Geschlechtsumwandlungen erlaubt sind, da ja Homosexualität verboten ist. Die Auflösung steht im Artikel: http://www.welt.de/vermischtes/article1122987/Frau-darf-Auto-fahren-nach-Geschlechtsumwandlung.html Aber nicht, dass sich nun die armen Fahrer nun alle umoperieren lassen müssen…

  4. Eine Frage am Rande, die hier wohl keine Antwort finden wird: Was würde passieren, wenn eine Frau körperlich nicht stillen kann? Das kommt ja vor. Gehören ihre Kinder dann zu ihrer eigenen Familie, zu der der Amme oder zu der des Milchpulverherstellers? 😉

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