Geld oder Leben?!

Es gibt ja Menschen, die sind nicht so nett. Manche sind sogar so gar nicht nett. Wie der Mann zum Beispiel, der einen anderen erst würgte, dann verbrannte und die Leiche schließlich auf eine verlassene Autobahn warf. Ein Gericht im Emirat Sharjah verurteilte ihn zur Todesstrafe.

Doch obwohl die Berufungsverhandlung das Todesurteil aufrechterhielt, wird der Mann nun doch nicht hingerichtet. Die Familie des Opfers entschied, von dem Mann „Blutgeld“ in Höhe von 300.000 Dirhams (60.000 Euro) anzunehmen. Die Todesstrafe wurde gemäß der muslimischen Rechtsprechung damit aufgehoben und in eine Gefängnisstrafe umgewandelt.

Interessant, wenn man zahlen kann, entgeht man der verhängten Strafe. Doch so einfach ist es nicht immer. Denn, wer das in der Sharia festgeschriebene Blutgeld für den verschuldeten Tod eines anderen nicht zahlen kann, der sieht ganz schön alt aus.

Gemäß Sharia muss jeder, der bewusst oder zufällig das Leben einen anderen Menschen beendet, Blutgeld in Höhe von 200.000 AED an die Angehörigen des Opfers zahlen. (An dieser Stelle ein kleiner Einschub in Sachen Gleichberechtigung: seit 2009 gilt in allen Emiraten der gleiche Satz für den Tod eines Mannes oder einer Frau, davor musste für den Tod einer Frau in manchen Emiraten nur die Hälfte der Summe aufgebracht werden).

Schlagzeilen machte vor einiger Zeit der Fall eines Busfahrers, der 2006 einen Unfall verursachte, bei dem 10 Menschen starben. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt und 2008, nach zwei Jahren hinter Gittern, begnadigt. Aus dem Gefängnis entlassen wurde er allerdings erst vor ein paar Wochen. Der Mann konnte die 2 Millionen Dirhams Blutgeld für die 10 Opfer des Unfalls nicht aufbringen – kein Wunder, denn dies entspricht ca. 90 Jahresgehältern, die der Mann als Busfahrer verdiente.

Vier Jahre musste der Mann im Gefängnis ausharren, bis eine Wohltätigkeitsorganisation sich seines Falles annahm und die 2 Millionen Dirhams aus Spendengeldern für ihn zahlte. Fazit der Geschichte: Sein Leben kann man sich, seine Freiheit muss man sich mit Geld erkaufen.

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4 Gedanken zu „Geld oder Leben?!

  1. Das liest sich schon sehr fremd für uns Westeuropäer… Allerdings – ein Gutes hätte dieses Blutgeld ja schon: Die Opfer gehen offenbar bei weitem nicht so leer und auch vernachlässigt aus, wie das bei unserer Rechtssprechung mittlerweile gar nicht mehr so selten der Fall ist…

  2. In Deutschland gibt es keine Angehörigenentschädigung. Wird z.B. ein Familienvater bei einem Autounfall getötet, muss der Unfallverursacher (sollte es der Familienvater nicht gewesen sein), eine Geldstrafe zahlen – aber an den Staat. Die Hinterbliebenen bekommen Waisenrente, Witwenrente und einen Ausgleich für den verlustig gegangenen Lohn des Familienvaters. Aber zusätzlich eine Entschädigung, für den Verlust eines geliebten Menschen – den gibt es in Deutschland nicht. Schmerzensgeld wäre zwar eine Sache, ist der Familienvater allerdings sofort tot, hatte er keine Schmerzen die das Gericht anerkennt und es gibt kein Schmerzensgeld. So einfach ist das.
    Da finde ich die Sache zwar mit dem Blutgeld dennoch sehr befremdlich, dass man sein Leben damit freikaufen kann und seine Freiheit freikaufen muss… Aber dass die Familie des getöteten eine Art Entschädigung bekommt – das finde ich gut. Natürlich wäre es für mein Rechtsempfinden besser, wenn die Todesstrafe überhaupt nicht verhängt wird und die Freiheit auch nicht von dem Blutgeld abhängt – aber dass es eine Entschädigung gibt, das finde ich wirklich gut.

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