Sandy, Sandy…

Es fällt sehr schwer sich vorzustellen, welche Auswirkungen Supersturm Sandy auf die Emirate haben könnte – aber, dank der Zeitungslektüre am Morgen – bin ich mal wieder überrascht worden.

Kaum saß ich gemütlich mit einer Tasse Kaffee bei herrlichen 20 Grad und Vogelgezwitscher (nicht, dass ich hier jemand neidisch machen möchte) auf der Terrasse und klappte mein Laptop auf, schon sprang mir die Schlagzeile: „Botschaft der VAE bringt emiratische Sturmopfer in Hotels unter“ ins Auge.

„Mmh. Da hab ich wohl mal wieder was verpasst“, dachte ich bei mir und überlegte schwer, ob sich hier in den vergangenen Tagen auch nur ein Lüftchen geregt hatte. Hatte es nicht, wie mich der Zeitungsartikel sogleich belehrte, man sprach von New York und den Emiratis, die sich dort während des Monstersturms Sandy aufgehalten hatten.

Das gute Dutzend Emiratis in New York, vorwiegend Studenten, dürften Sandy am Ende aber gar nicht so monsterhaft finden, denn sie wurden von ihrer Botschaft sofort in Hotels untergebracht. Selbstverständlich – wir reden hier ja von den Vereinigten Arabischen Emiraten – nicht in irgendwelchen Hotels. Fünf Sterne mussten es schon sein und so nennen die emiratischen Sturmopfer nun das legendäre „Waldorf Astoria“ ihre „Notunterkunft“.

Es wundert daher nicht, dass die Opfer voll des Lobes für ihre Botschaft sind. „Kaum war es sicher aus dem Haus zu gehen, lief ich los, um eine Telefonzelle zu finden. Von dort rief ich die Botschaft meines Landes an. Innerhalb von 10 Minuten schickten sie mir einen Fahrer, der mich in ein Hotel brachte,“ schwärmt ein Emirati in dem Zeitungsartikel.

Nun bin ich hin- und hergerissen. Natürlich sagt der gute Mensch in mir, dass man das Geld fürs Waldorf Astoria doch lieber in die Notversorgung wirklich armer Menschen stecken sollte. Doch wenn ich mir dann vorstelle, wie ich als Sturmopfer in New York das deutsche Konsulat dort anrufe und angemeckert werde: „Na und, die paar Tage ohne Strom werden sie doch wohl schaffen“, dann ist mir die emiratische Lösung vielleicht doch gar nicht so unsympathisch.

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14 Gedanken zu „Sandy, Sandy…

  1. Nennt mich spießig, aber ich finde das irgendwie ziemlich befremdlich, denn meiner bescheidenen Meinung nach begehen auch die VEA riesige Umweltsünden, die den Klimawandel im Sauseschritt vorantreiben und dieser Klimawandel ist mit höchster Wahrscheinlichkeit einer der Gründe für solch verheerende Stürme.

    Umweltschutz ist doch in den VEA ein Fremd-, wenn nicht gar ein Schimpfwort!

    Die sollten VEA vielleicht doch lieber darüber nachdenken, ob man nicht besser den wirklichen Sturmopfern hilft und an den Ursachen arbeitet anstatt Luxusprobleme zu lösen.

    Ich persönlich würde mich aber auch nicht wohl fühlen, wenn ich im Luxushotel sitze und mein Champagnerchen schlürfe, während rings um mich herum Menschen um ihre Existenz kämpfen.

    • Hast ja in vielen Recht und wie ich auch geschrieben habe, stört es mich auch, dass so viel Geld für ein paar Leute ausgegeben wird. Aber, wenn du jemals etwas von einer deutschen Botschaft im Ausland wolltest, dann weißt du, dass die schon einen neuen Passantrag als Zumutung empfinden. MÖchte mir nicht vorstellen, was die gerade für Hilfe für die in New York lebenden Deutschen anbieten. Aber vielleicht irre ich mich da auch und sie sind in Krisensituationen super.
      Und was die Umwelt angeht: Ja, die VAE sind Umweltsünder, genau wie die meisten anderen Länder auch. Wenn du jemals durch Asien – insbesondere China und Indien – gereist bist, dann wird dir schlecht, was die Umwelt und die Menschenrechte angeht. Trotzdem kaufen alle die Sachen, weil sie billig sind….ich befürchte, die Schuld am Klimawandel tragen so viele Länder (auch die USA), dass es wenig bringt, da ein Land rauszupicken…

      • Du hast recht, jedes Land ist Klimasünder, nicht zuletzt die USA und es stößt mir auch sauer auf, dass Herr Bloomberg jetzt plötzlich für Herrn Obama wirbt, weil der sich auch den Umweltschutz auf die Fahne geschrieben hat und das nachdem die USA über Jahrzehnte hinweg keinerlei Klimaabkommen unterschreiben wollte, weil sie auf gut Deutsch darauf gesch… haben.

        Kaum trifft eine solche Naturgewalt die Achillesferse der Vereinigten Staaten erwacht das Umweltgewissen der Amerikaner. Hätte es eine andere Stadt als NY getroffen, wäre das Umweltthema kaum so in den Focus gerückt.

        Grundsätzlich ist es schwierig nichts aus Asien zu kaufen (und Umweltsünden sind nur ein Problem der asiatischen Produktion, es gibt dort auch gravierende auch Menschenrechtsverletzungen etc.) weil es fast nichts mehr gibt, was nicht in Asien hergestellt wird. Man kann als Verbraucher wenig machen, außer regelmäßig nach den Produktionsbedingungen zu fragen und um so mehr das tun, um so eher wird sich was ändern.

        Viele Asiatischen Staaten versuchen durch ihre Produktionsmethoden aus dem „Dritte-Welt-Status“ heraus zu kommen.

        ABER und jetzt komme ich zurück zum Thema: Nur weil andere es machen heißt es nicht, dass ein ach so fortschrittliches und reiches Land es auch machen darf.
        Bei den VEA ist es einzig blanker Größenwahn. Hier noch ein Luxushotel und da noch eine Eishalle in der Wüste.

        Das ist komplett überflüssiger Chichi und das ist es was mich so daran stört.

      • Auch hier gebe ich dir Recht – in den Emiraten gibt es viel Größenwahn. Aber ganz ehrlich, wenn ich mir so ein paar Projekte in Deutschland ansehe (Elbphilharmonie, der neue Berliner Großflughafen), frage ich mich, ob da nicht auch eine Menge Geld zum Fenster raugeschmissen wird, weil ein paar wichtige Leute sich profilieren wollen und ein tolles „Projekt“ gegen jeden Widerstand vorantreiben…
        Und, immerhin, die Emirates machen neben jeder Menge Müll (im wahrsten Sinne des Wortes) auch ein paar Sachen, die gar nicht so schlecht sind….http://www.sueddeutsche.de/auto/masdar-city-zukunftstraeume-im-wuestensand-1.1073344

      • Jepp, auch in Deutschland gibt es Größenwahn. Das unterschreibe ich dir blind, allerdings mit einer kleinen Einschränkung, die Dekadenz der Araber ist nicht gänzlich erreicht, rede ich mir mindestens ein… 😉

        Dann hoffen wir mal, dass dieses Projekt zu Ende gebracht wird und Schule macht…

  2. Ach, im Waldorf Astoria würde ich auch gerne unterkommen…
    Und was die deutschen Botschaften angeht, hast du wirklich Recht. Letztes Jahr war unser Sohn ohne Eltern in Finnland und ich habe sowohl die finnische Botschaft in Deutschland als auch die deutsche Botschaft in Finnland vorher angeschrieben und gefragt, was wir bei einem Minderjährigen dabei beachten müssen und welche Papiere er benötigt. Und die deutlich freundlichere und ausführlichere Antwort kam natürlich von den Finnen!

  3. Jetzt muss ich aber auch mal eine (kleine) Lanze für die deutschen Botschaften und Konsulate brechen. Auf der einen Seite jammert der deutsche Steuerzahler, dass die Beamten so viel Geld kosten und eingespart werden müssen und alle Ministerien kürzen seit Jahren die (unteren) Stellen und damit Personalkosten, weil man an diesen Stellen einfach gut sparen kann (anstatt den Oberbau abzubauen oder die Minister und Staatssekretäre etwas weniger reisen zu lassen). Auf der anderen Seite möchte der deutsche Michel, wenn er dann im Ausland auftritt, (zu Recht) von seiner Botschaft/Konsulat aber auch zuvorkommend behandelt werden. Es sitzen aber an vielen Botschaften/Konsulaten immer weniger Leute (gerade im Servicebereich an den Schaltern), die teilweise mit immer mehr Arbeit klarkommen müssen. Während die Referenten im höheren Dienst an den Auslandsvertretungen sich gegenseitig wie Sardinen in einer Büchse drängen, müssen die kleinen Sachbearbeiter unten sehen, wie sie ihre Arbeit gemacht bekommen und viele Stellen werden einfach nicht nachbesetzt, wenn einmal jemand in den Ruhestand gegangen oder versetzt worden ist. Und dann gibt es sicherlich auch mal nicht so freundliche Worte. Na ja, und im vorliegenden Fall sollte man nicht vergessen, dass es – gerade in den USA – unverhältnismäßig mehr Deutsche als Emiratis gibt und das ist ja fast überall auf der Welt so, egal ob nun als Urlauber oder Auswanderer. Und ich kann mir gut den Artikel in der Bild-Zeitung vorstellen, wenn das Konsulat in NY gestrandeten Deutschen einen Aufenthalt im Waldorf Astoria bezahlen würde – das würde wahrscheinlich noch die seinerzeitige Berichterstattung über Florida-Rolf in den Schatten stellen.

    • Da gibt es andererseits aber auch die vielen Berichte der deutschen Überlebenden des „Costa-Concordia“-Unglücks, die von der deutschen Botschaft nach ihrer Rettung schmählichst in Stich gelassen worden sind. Da war nix mit sich kümmern, trockene, warme Kleidung und Lebensmittel, Notdokumente und Fahrgelegenheiten zurück in die Heimat besorgen! Da sind sehr viele Leutchen auf sich und die Hilfe von gutwilligen Einheimischen angewiesen gewesen.

      • Ich will ja auch nicht sagen, dass in den Botschaften Heilige sitzen. Und tragische Unglücksfälle wie in Italien oder damals das Erdbeben in Haiti oder der Tsunami in Thailand/Sri Lanka/Indonesien sind nun mal Ausnahmesituationen, mit denen Menschen erst mal klar kommen müssen. Offensichtlich saßen in Rom (oder Mailand oder Neapel) eben Mitarbeiter, die selbst überfordert waren, so traurig das ist. Was natürlich eigentlich nicht vorkommen sollte. Aber wahrscheinlich mussten dann eben auch Leute ran, die sonst nichts mit Konsularhilfe zu tun haben und wenn dann ein-zwei dabei sind, die vomTyp „Dienst nach Vorschrift“ sind, dann kommt natürlich eine Katastrophe hinten raus. Andererseits hört man auch fast nie positive Berichte, wenn Deutschen im Ausland schnell und gut geholfen wird (was ja auch vorkommen soll). Das sind eben keine sensationellen Nachrichten, darüber berichtet keiner. Die Kasse klingelt eben nur bei Negativschlagzeilen, der normale Kram interessiert keinen.

  4. Wenn ich mir das naechste Mal in Mailand beim Konsulat ( uebrigens mit sehr freundlichen Mitarbeitern) den Reisepass verlaengern lasse frage ich mal an, ob sie mir eine Uebernachtung in einem Vier-Sterne-Hotel zahlen ;-)))
    Generell kann ich nur sagen, dass eine einzige Erfahrung mit den italienischen Behoerden meist reicht, um die deutschen Qualitaeten aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen, Waldorf-Astoria hin oder her…

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