Der Visa-Run

Visa-Run

Für jeden Menschen, der sich länger als die 30 Tage, die jedem Touristen zugestanden werden, in den Vereinigten Emiraten aufhalten möchte, gibt es nur zwei Möglichkeiten dies zu tun. Entweder besorgt er sich ein Residence-Visa, wofür er normalerweise einen Arbeitgeber braucht, der ihn „sponsort“. Oder – allerdings ist dieser Weg nur für knapp 40 Nationalitäten aus der westlichen Welt offen – er reist jeden Monat aus den UAE aus und dann wieder ein. Diese Ausreise kann sich recht kurz gestalten – 5 Minuten reichen vollkommen aus – und wird daher auch gerne als „Visa-Run“ (Visa-Rennen) bezeichnet.

So einen Visa-Run musste ich gestern machen. Eigentlich habe ich ein Residence-Visa, doch da dieses abgelaufen ist und meine 30 Tage Touristen-Visa sich dem Ende näherten, machte ich mich mit den beiden Mädels – für Kinder gelten die gleichen Bestimmungen –auf in Richtung Oman.

Kurz vor der Grenze in Hatta wurde klar, wir waren nicht allein. Eine hübsche Schlange Autos mit UAE-Kennzeichen fuhr gemächlich hintereinander her zum ersten Grenzposten. Dort musste man aussteigen und sich von einem sehr freundlichen und sehr attraktiven– wie auch die Italienerin vor mir mit einem anerkennenden Blick feststellte – emiratischen Grenzposten einen Ausreisestempel in den Pass drücken lassen.

Meine Begeisterung für den Grenzposten wurde noch gesteigert, als selbiger beim Anblick meiner beiden Mädels (die Jüngere hatte mal wieder alles gegeben und wartete mit 6-farbigen geflochtenen Kunstzöpfen im Haar auf und die Ältere zwitscherte ihm ein fröhliches „Hello“ entgegen) aus seinem Häuschen kam und beiden ein Mars in die Hand drückte – die Stimmung war nach 1,5 Stunden Fahrt kurz vorm Kippen und so ein Zuckerschock kann da ja Wunder wirken.

Zehn Kilometer später standen die Italienerin, meine beiden glücklichen, schokoverschmierten Kinder und ich gemeinsam in der Visa-Schlange für den Oman. Den Kugelschreiber für das Ausfüllen des Visa-Zettels lieh uns ein erstaunlicherweise doch sehr freundlicher Franzose, der mir am Grenzposten in den Emiraten noch durch seine, sagen wir mal, unkonventionelle Art des Parkens aufgefallen war. Von dem amerikanischen Pärchen hinter uns kam der sinnvolle Tipp, den Ausreisestempel gleich mitzuverlangen, was der leider nicht ganz so attraktive omanische Grenzbeamte denn auch tat: Ausreisestempel direkt neben den Einreisestempel.

Und schon setzte sich unsere kleine Truppe wieder in Bewegung Richtung „Heimat“. Fünf Minuten später standen wir wieder vor dem emiratischen Grenzposten, leider diesmal auf der Ausreiseseite und weiblich besetzt. Ein letzter Stempel und ein kurzer Gruß an die Italienerin, die uns noch kurz wissen ließ, dass sie seit 3 Jahren jeden Monat einen Visa-Run macht, und schon waren wir wieder auf dem Heimweg.

Ich muss gestehen, dass ich mir den Visa-Run deutlich schlimmer vorgestellt hatte, aber 3 Jahre? Jeden Monat? Da hoffe ich doch, dass mein neues Residence-Visum bald ausgestellt wird – selbst wenn ich dann auf den netten Anblick und meine Kinder auf das Mars des emiratischen Grenzposten verzichten müssen.

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13 Gedanken zu „Der Visa-Run

  1. *g* 5 Min. ausreisen, um dann wieder einzureisen? Willkommen in Absurdistan. :mrgreen:

    Das mag ja mal ganz nett sein, aber diesen Visa-Run jeden Monat machen zu müssen? Das ist doch nervtötend… 😕

  2. Total normales Vorgehen aller Backpacker dieser Welt. Man reist mal eben von Thailand aus schnell nach Malaysia und holt sich ein neues 30 Tage Visum. Für den Trip kann man auch täglich richtige Bustouren buchen.

    • Ja, für Backpacker kenn ich das auch, allerdings drei Jahre in einem Land richtig leben und jeden Monat über die Grenze fahren ist schon hart…vor allem weil man natürlich offiziell nicht arbeiten darf, kein Auto kaufen, keine Versicherungen haben…wäre mir zu anstrengend und aufregend…;-)

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