Tiefenreinigung – oder Recycling auf „arabisch“. Teil 1.

Tiefenreinigung

Ich hab es gerne ordentlich, übersichtlich und wenig Zeug. Nach 6 Jahre im gleichen Haus sah es bei mir auf den ersten Blick noch einigermaßen ordentlich aus, von übersichtlich und wenig Zeug konnte keine Rede mehr sein. Die Betonung liegt auf konnte.

In den vergangenen Wochen habe ich das Haus tiefengereinigt, was in diesem Fall heißen soll, ich habe alle Schränke ausgemistet, Kleidung aussortiert und sogar das ein oder andere Möbelstück einer Nutzungs- und Schönheitsprüfung unterzogen. Letzteres auch, da meine Kinder den verständlichen Wunsch äußerten, endlich jeder ein eigenes Zimmer zu bekommen.

Das zweite Kinderzimmer war im Laufe der Jahre irgendwie ein Besuchszimmer geworden und fristete ein trauriges Dasein mit dem „ollen“ Regal, das meine Kinder auf noch älter als ihre Mutter schätzten. Auch das schöne Bettsofa auf dem seit fast 15 Jahren in den unterschiedlichsten Ländern der besagte Besuch geschlafen hat, gefiel meiner älteren Tochter, deren Zimmer es eigentlich mal war, nicht so wirklich. Also kam alles raus.

Resultat war eine ganze Garage voll mit Zeug. Vieles davon noch gut zu gebrauchen, anderes wieder eher am Ende des Lebenszyklus angekommen. Leider war mir die Garage schon vor der Säuberungsaktion ein Dorn im Auge. Vollgestopft mit Zeug, das man im Haus nicht haben wollte, oder das einfach keinen Platz mehr gefunden hatte.

Wenn man alle paar Jahre mit einem 40-Fuß-Container von Kontinent zu Kontinent zieht und vorher nicht weiß, in was für einer Behausung man landet, dann nimmt man so einiges mit, was sich vor Ort als nicht mehr brauchbar erweist. Wie zum Beispiel meine – damals supercoolen, jetzt leider nur noch sperrigen – Metallspinde, die mir im Studium als Kleiderschränke dienten.

Als ich mir meine Garage voll mit Zeug von weitem ansah, packte es mich. Ich hatte eine Mission. Alles muss weg. Nur wohin? Auch nach 10 Jahren im Ausland, habe ich doch noch soviel „grünes“ Gewissen, dass ich es nicht über mich gebracht habe, den freundlichen Männern von der Müllabfuhr – wie hier üblich – ein paar Dirhams in die Hand zu drücken und sie den ganzen Mist mitnehmen zu lassen. Sperrmüll gibt es in Dubai nicht.

Tapfer ergab ich mich in mein Schicksal und stellte die „guten“ Sachen bei Dubizzle ein. Bei Dubizzle handelt es sich um eine Art Internet-Zeitung voll mit Kleinanzeigen. Hier kann man alles gebraucht kaufen oder verkaufen, einen Job oder auch eine neue Wohnung suchen. Nach gefühlten 4000 beantworteten Emails, war ich das alte Sofa, das Regal und noch ein paar Dinge los.

Leider sah die Garage nur unwesentlich leerer aus. Also der nächste Schritt – einen der in Dubai sehr beliebten Garagen-Verkäufen organisieren. Bei diesen Verkäufen, die sinnigerweise in der eigenen Garage stattfinden, stellt man an einem Freitagmorgen, wenn fast jeder in Dubai frei hat, sein Hab und Gut zum Verkauf auf und wartet, wer oder was da kommen möge.

In meinem Fall kamen zahllose Maids, die mir tatsächlich fast alles abkauften. Für sehr wenig Geld, aber immerhin, die Dinge werden weiter genutzt und enden nicht als Wohlstandsmüll.

Einziges Problem, ein paar Sachen wollten selbst die Maids nicht haben. Unter anderem meine Metallspinde und das schöne, ebenfalls noch aus meiner Studienzeit stammende Ikea-Regal „Peter“. Genau wie die Spinde aus Metall und nach 6 Jahren in der Garage leicht angeschlagen, aber noch nutzbar. Aus meiner Mission wurde eine Obsession. Ich musste die Spinde und Peter loswerden. Ob und wie ich es geschafft habe, berichte ich morgen.

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27 Gedanken zu „Tiefenreinigung – oder Recycling auf „arabisch“. Teil 1.

  1. Der letzte Satz könnte auch der Einleitungssatz zu einem echt spektakulären Beziehungsroman werden
    :-): “ Ich musste die Regale und Peter los werden !“ Ich hatte vor 10 Jahren nur nen echten Peter. Den bin ich inzwischen zum Glück auch los, :-)! LG Anne

  2. Sollte es in unserem Hause – der Kelch möge an mir vorüberziehen – jemals zu einer Trennung kommen, habe ich dem Gatten schon jetzt gesagt ich zieh nicht aus. Je mehr Platz man hat um so mehr Zeugs sammelt sich, egal ob im Keller oder Dachboden. Das ist echt schrecklich. Und mit dem Wegschmeißen habe ich auch meine Probleme. Nicht dass ich unbedingt an dem Zeug hänge, aber unsere Wegwerfgesellschaft ist mir auch ein Dorn im Auge. Gruß kunstecht

    • Ich bin nach der Aufräumt-Orgie sogar so weit geheilt, dass ich gar kein Bedürfnis mehr verspüre, Neues zu kaufen…wenn man sich anschaut, was man so alles irgendwann mal gekauft hat und was einfach null Nutzen hat und hatte…

  3. Seufz, wie schaffst du das nur?! Ich versuche mich seit Monaten am Ausmisten und komme einfach kaum weiter… Leider bleibt mir nur so wenig Zeit am Tag, dass das ganze Projekt in einer schleppenden Langsamkeit vonstatten geht – so langsam, dass ich das Gefühl habe, sollte ich je damit fertig werden, kann ich am anderen Ende bereists wieder beginnen… 😦

    • Da hilft nur eins: Rohe Gewalt. So habe ich es auch gemacht, ich habe mir genau zwei Wochen Zeit gegeben und jetzt bin ich ja sowas von glücklich….seufz…ist fast wie Urlaub, wenn ich durch mein schönes, aufgeräumtes Haus gehe….

  4. Die Metallspinde hören sich interessant an.. hätte ich ja in der Garage als Werkzeugschränke belassen…. 😉
    Ich hab gestern auch ausgemistet und drölfzig Artikel bei Ibäh eingestellt…. uff…… heute nachmittag gehts weiter! Ich bin stolz auf dich und auch auf mich! 🙂

    • Die Metallspinde waren bislang auch Werkzeugschränke und bis oben hin vollgestopft…fast die Hälfte der Sachen drin war total verrostet, weil niemand das Zeug je gebraucht hat…ist jetzt alles weg. Leider waren die Schränke an ein paar wenigen Stellen auch schon angerostet, glaube nicht, dass du die gewollt hättest, obwohl man da mit ein bisschen Farbe noch was hätte machen können…

  5. Hätte, hätte…..

    Hätte ich ein eigenes Fotostudio und du kämst aus der Nähe- die Metallspinde wären mein. 🙂
    Aber Dubai ist leider bissl weit weg und ein Studio noch nicht in Sicht- ich hoffe, sie haben einen anderen netten Besitzer gefunden. 🙂

  6. Hach…das geht mir ganz genauso., Eigentlich bin ich sehr ordnungsliebend und kann mich auch relativ gut trennen. Aber wegschmeißen geht dann doch nicht. Also bin ich wieder mal mit nem Keller voller Flohmarktdinge umgezogen. Die Metallspinde würde ich sofort nehmen. Hab hier lange nach welchen für die Jungs gesucht. Beamen wär jetzt nicht schlecht. Grüssel in die Emirate!

  7. NEIN! Du hast unsere Vergangenheit verkauft!!!! Nicht etwa auch das Sofa mit dem besonderen Stoffbezug, der im Katalog noch so cool aussah, dann auf dem Sofa aber irgendwie gar nicht mehr…Insgeheim muss ich diesen radikalen Schritt aber doch bewundern..toll hast Du das gemacht…!!!! jetzt hast Du auch endlich Platz fuer die Pferdelampe!

    • Sir!! DAS Sofa war so scheußlich, das habe ich damals meinem Nachmieter in Münster für wenig Geld verkauft…aber Peter, ja das tat weh, als er aus der Garage getragen wurde. Jetzt weiß ich endlich, wie D. sich damals gefühlt hat…;-)))))

  8. WAS? Du hast „Peter“ weggegeben?? Schade, dass es hier keine Maids gibt – auch deshalb, weil hier die Garagen-Verkäufe meiner Erfahrung nach immer völlig ohne nennenswerte Resonanz bleiben und Du dann alles wieder „reintragen“ musst. Ich mach deshalb einfach nur „Spermüll“ (Oh, Gott, ich darf gar nicht dran denken)

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