Peter muss weg – oder Recycling auf arabisch – Teil 2

Recycling 2

Problemfall Peter. Und die Spinde. Da stand ich nun mit meinem wunderbarem aufgeräumten, tiefengereinigten Haus und in der Garage stand immer noch Zeug rum. Mein Restmüll bestand neben Peter und den Spinden vor allem aus Anziehsachen, Büchern, Spielsachen und einem Schreibtisch, den meine jüngere Tochter über Jahre als Papierersatz benutzt hatte. Fragt nicht.

An Schlaf war in der Nacht nicht mehr zu denken. Die Spinde und Peter mussten weg. Irgendwohin, aber nicht in den Müll. Ich versuchte es mit Verschenken. Das klappte bei den Anziehsachen und Spielsachen ganz vorzüglich. Die Bücher dagegen erwiesen sich als ebensolche Problemfälle wie Peter. Trotz meiner Loswerd-Obsession konnte ich hierfür ein gewisses Verständnis aufbringen. Handelte es sich doch vorwiegend um deutsche Kochbücher und in die Jahre gekommene Reiseführer. Was will ein indischer Gärtner, der für wenig Geld in Dubai schuftet, schon mit einem Reiseführer „Australien“ von 2004 auf Deutsch. Oder dem ebenfalls auf Deutsch nachzulesenden Wissen, wie man saftige Rouladen brät.

Eine Freundin schließlich brachte Erlösung. Sie verwies mich an die Webseite von „Take my junk“. Eine kurze Email genügte und am nächsten Tag führ ein kleiner Lastwagen vor meinem Haus vor. Zwei Männer fragten kurz, was sie abholen sollten und ich deutete, mein Glück noch nicht ganz fassen könnend, großzügig auf die gesamte Garage. Gott sei Dank begnügten die beiden sich mit dem Inhalt.

Eine gute halbe Stunde später winkte ich Peter und den Spinden nach und wurde trotz aller Freude fast ein wenig wehmütig, wenn ich an die vielen Stunden dachte, in denen ich mit Freundinnen während des Studiums vor dem in Peter aufgebauten Fernseher gelegen hatte – äh, stopp, heißt natürlich, an die vielen Stunden dachte, in denen ich mit Freundinnen in denen in Peter stehenden Studienbüchern gelesen hatte.

Wie auch immer. „Take my junk“ ist übrigends eine prima Organisation. Die holen, egal was und seien es halbvolle Schampoo-Flaschen von Leuten ab, sichten alles, reparieren hier und da ein wenig und verkaufen die Sachen dann an Arbeiter weiter. Von den Einnahmen wird ein Teil an Projekte für Arbeiter in Ras Al Khaimah gespendet.

Bücher kommen übrigens in eine große Lagerhalle, wo Schulkinder von armen Eltern, sie für ein paar Pfennig kaufen können – wenn sich jemand beim nächsten Indien-Trip über deutsche Rouladen auf der Speisekarte wundert, jetzt wisst ihr wo der Koch das Rezept her hat.

Und wer weiß, wo Peter und die Spinde enden. Bislang haben sie in Münster, Berlin, Singapur, Wien und Dubai ihren Dienst getan. Ach ja, ein paar Jährchen im schönen Sauerland inklusive Wasserschaden im Keller waren sie auch schon eingelagert. Jetzt kommen sie am Ende über Ras Al Khaimah noch nach Indien oder Sri Lanka. Gar nicht schlecht für so ein Möbelstück.

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8 Gedanken zu „Peter muss weg – oder Recycling auf arabisch – Teil 2

  1. Ich beneide dich! Von einer leeren Garage und einem ausgemistetem Keller träume ich seit Jahren – genauer gesagt seit dem letzten Umzug.

  2. Habe gerade einen ganz schrecklich nervenden 10 jaehrigen, blonden Jungen mit Ohrenschmerzen auf dem Sofa sitzen, meinst Du, die von Take my Junk akzeptieren auch Lebendspenden?
    N.B. Studienbuecher? Wenn mich die Erinnerung nicht truegt, hattest Du in Peter -dem aus Stahl 😉 – deine schon damals sehr umfangreiche CDSammlung untergebracht. Studienbuecher, tss, tss, tss…

  3. Ich brauche ganz dringend genau diese Organisation!!! Wir haben hier so viel Blödsinn, das ist Wahnsinn! Ich habe tonnenweise Bücher, Kleidung usw schon im Internet angeboten und auch sehr viel schon verkauft, aber es wird einfach nicht weniger. Selbst mit dem Verschenken wirds nicht weniger. Vor allem geht das ja alles ziemlich schleppend voran. Und wegschmeißen will ich nix, denn es ist entweder zu schade dafür, oder es hängen Gefühle dran (an Gegenständen, verdammt ich brauch nen Therapeuten!) oder oder oder.

    Hach, ein Königreich für die Organisation!

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