Es ist wirklich dringend…

Dringend
Als meine große Tochter etwas jünger war, bereitete es ihr große Freude mit Telefonen zu spielen. Selbstverständlich bevorzugt mit „richtigen“ Telefonen und nicht den, für teuer Geld zu kaufenden, Spieltelefonen. Da ich kein generelles Glückskind bin, kam es, wie es kommen musste. Meine Tochter reichte mir irgendwann schlicht den Telefonhörer und sagte:

„Da ist wer dran“. Dann rannte sie aus dem Raum.

Dran war eine Dame vom Notruf, in Dubai unter 999 zu erreichen. Die Dame fragte mich freundlich, aber bestimmt, um was für einen Notfall genau es sich handele und ich sagte…nichts. Ich legte auf. Selbstverständlich überkam mich sofort das schlechte Gewissen und die Sorge, dass binnen weniger Minuten die Polizei vor meiner Tür stehen, mich verhaften, für einige Tage ins Gefängnis stecken und dann deportieren würde. Wenn meine Eltern mir eins beigebracht haben, dann erst den Notruf zu wählen, wenn man mindestens den eigenen Kopf oder zwei andere Extremitäten unter dem Arm hält, sofern man den noch hat.

Doch nichts geschah. Gute drei Jahre später befinde ich mich immer noch auf freiem Fuß und weiß endlich auch warum. Laut einem Zeitungsbericht wurde die Notrufnummer 999 im Jahr 2012 rund 2 Millionen mal gewählt. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass die Emirate nur rund 8 Millionen Einwohner haben. Da hat jeder vierte Mensch in den Emiraten im vergangenen Jahr einen Notfall gehabt. Wem das zu hoch erscheint, der muss vielleicht seine Definition von „Notfall“ ein wenig ändern.

In Dubai wird 999 auch gerne mal gewählt, um sich über einen Taxifahrer zu beschweren, die Adresse und Öffnungszeiten einer Mall zu erfahren oder nach einer auch Nachts geöffneten Apotheke für Kopfschmerztabletten zu fahnden.

Doch das soll nun der Vergangenheit angehören. Eine Kampagne – satte achte Tage lang – wurde gestartet, um den Einwohnern der Emirate klar zu machen, dass man für solche doch eher belanglosen Fragen auch die Nummer 901 anrufen könne, diese Nummer wurde im vergangenen Jahr immerhin 50.000 mal angerufen. So recht mag ich nicht an den Erfolg der Kampagne glauben, eine Google-Suche ergab, dass die weitgefasste Auslegung des Begriffes „Notfall“ schon seit Jahren ein Problem in den Emiraten ist.

Immerhin, meine Kinder dürfen jetzt mit dem Telefon soviel spielen, wie sie möchten.

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12 Gedanken zu „Es ist wirklich dringend…

  1. Na du bist ja locker….“ Die Kinder dürfen jetzt mit dem Telefon spielen soviel wie sie möchten.“ Und was, wenn die jetzt Pizza in Hongkong, Shake aus der Arktis oder ne Barbie aus Hollywood über sämtliche Notfallnummern dieser Welt bestellen? Ach…..da muss man sich locker machen. Sind halt Notfälle.

  2. Ich erinnere mich noch an den Freund, der im Schulbus die Telefonnummer der Zeitansage in Hongkong verteilte und dabei immer wieder versicherte, die Anrufe seien gratis, da die Leitung einen Defekt habe. Wochenlang habe ich mich mit meiner Freundin (Frau B.) mit dieser Nummer amuesiert. Leider hatten die ueberaus effiziente Telefongesellschaft Hongkong den Defekt inzwischen repariert und meine Mutter war ueber die Telefonrechnung gar nicht amuesiert. ..

  3. Na, da ist die Polizei aber grosszuegig in Dubai! Hier im amerikanischen New Jersey muss die Polizei jedem Notruf nachgehen. Der kleine Sohn hat auch einmal die 911 mit meinem Handy gewaehlt und aufgelegt. Prompt rief die Polizei nach ein paar Minuten zurueck. Wir versicherten hoch und heilig, dass es das Kind war- natuerlich ausversehen (wobei ich mir da nicht so sicher bin, es war kein Smartphone mit einem Emergency Call Button, man musste also schon die Zahlentasten druecken und der Sohn war auch kein Kleinkind mehr) – und bei uns alles in Ordnung ist. Sie kamen dann nach einer guten Weile vorbei, um sich eine Unterschrift abzuholen. Das passierte noch ein weiteres Mal zu Hause (und zusaetzlich auf des Gatten Arbeitstelle, aber das ist ein anderes Polizeirevier), da das neumodische Smartphone (Diensthandy des Gatten) in dessen Hosentasche oefters mal von alleine den Notruf waehlte, wenn ein Schluessel o.ae. in der gleichen Hosentasche an den entsprechenden Button kam. Zum Glueck hat er jetzt ein neues Handy – ich habe mich naemlich schon gefragt, wann die das in Rechnung stellen. Ausserdem macht es keinen guten Eindruck in der Nachbarschaft, wenn dauernd Streifenwagen vor der Haustuer parken und die Polizei an der Tuer klingelt….

    • Das ist aber nett, dass die keine Rechnung stellen…wir hatten mal die Polizei vor dem Haus stehen, weil jemand einen bestimmten für Kinder auf keinen Fall zu drückenden Knopf gedrückt hatte (NEIN, ich war es nicht) und das hat schlappe 300 Euro gekostet…:-(

  4. Mein Vater war stellvertretender Rektor an unserer Volksschule, und hatte als solcher einen Schlüsselbund für sämtliche Räume des benachbarten Schulhauses. Allerdings hatten wir lange Zeit kein Telefon. Aber im Büro des Direktors stand eines. So klaute ich des Öfteren abends, wenn ich meine gestrengen Eltern gebannt vor dem Fernseher sitzen wusste, den Schlüsselbund, um mit meiner ersten großen Liebe – einem heißen Ferienflirt! – oder meinen Großeltern zu telefonieren. Lange Zeit hat man sich in der Lehrerschaft sehr über die horrenden Telefonrechnungen gewundert, ist mir aber nie auf die Schliche gekommen. 😉

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