Bin mal kurz unter der Dusche…

Die Milch macht’s – doch wer macht die Milch? Besser gefragt, wer macht die Milch in den Vereinigten Arabischen Emiraten? Kühe, soviel ist klar. Aber wie werden die gehalten? Mitten in der Wüste sind saftige Weiden eher Mangelware und so bin ich mal davon ausgegangen, dass die Kühe hier weder wahnsinnig „glücklich“ oder gar „Bio“ leben.

Ich gebe mit gesenktem Haupte zu, dass meine Hauptsorge bezüglich der Milch, die ich jeden Tag trinke, bislang eher den unglaublich blöden 2-Liter Plastikmilchflaschen, die es hier gibt, galt. Es ist schier unmöglich, die ersten 5 Male etwas aus diesen Dingern zu gießen, ohne zu kleckern.

Milch, Labneh (eine Art Quark) und Laban (eine Art Buttermilch) spielen in der arabischen Küche eine große Rolle und so gibt es zahlreiche Milchproduzenten in den VAE. Im Supermarkt kann man zwischen Milch aus den verschiedenen Emiraten wählen und selbstverständlich findet sich auch Kamelmilch in den Kühlregalen.

Die schmeckt mir persönlich gar nicht, die Kuhmilch dagegen schmeckt genau wie in Deutschland. Das verwundert nicht weiter, denn wie ich gelernt habe, stammen die Kühe meines bevorzugten Milchlieferanten aus, genau Deutschland bzw. Holland. Von nun an werde ich also jedes Mal, wenn ich im Kühlregal nach der Milchflasche greife, eine schwarz-weiße Kuh vor Augen haben. Genauer gesagt, eine schwarz-weiße Kuh unter der Dusche.

Der Milchproduzent Al Rawabi aus Dubai hat seine Kuhställe nämlich mit Duschen ausgestattet. Über den Kühen, die sich frei bewegen können, sind Sprinkler mit Sensoren angebracht. Sobald eine Kuh unter dem Sprinkler steht, bekommt sie eine automatische Dusche. So soll die, trotz Klimaanlagen, herrschende Hitze in den Ställen im Sommer, wenn die Außentemperaturen 50 Grad erreichen, für die Kühe gelindert werden.

Den Kühen scheint das Duschen zu gefallen. Nach Aussage des Farmmanagers liegen die Kühe seit der „Badezimmerinstallation“ quasi nur noch rum. Und eine Kuh, die sich hinlege, sei eine glückliche Kuh, so der Manager.

Es ist nicht schwer zu erraten, aber der Glücklichkeitsfaktor der Kühe hat nicht wirklich oberste Priorität für die Farmbetreiber. Hauptgrund für die Installation der Kuhduschen sei der Rückgang der Milchproduktion um 40 Prozent im Sommer gewesen, so der Manager weiter. Aus dem gleichen Grund werden die Kühe in Kürze mit besonderen Halsbändern aus Italien ausgestattet, über die Daten zur Milchproduktion, Futtermenge usw. schnurlos an einen Zentralrechner übertragen und zur Optimierung der Milchmenge verarbeitet werden können.

Damit mit wäre geklärt, die Kühe in Dubai stehen nicht auf der Weide, sondern werden in Hightech-Ställen gehalten – genau wie viele ihrer Kollegen in Europa und sie sind wohl genau so glücklich oder unglücklich.

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9 Gedanken zu „Bin mal kurz unter der Dusche…

  1. Die Frage, die mir so durch den Kopf ging: Machen die Kühe in den VAE auch einfach Muh? Oder haben die einen Dialekt? Würden die Kühe, sollten sie sich einmal treffen, voneinander merken, dass sie aus völlig verschiedenen Teilen der Welt kommen? Und müssen die Kühe nur im Stall bleiben, weil es für Weide draußen zu heiß und zu trocken ist, oder weil man sie sonst verschleiern müsste, weil sie ja Damen sind?
    Ich gehe jetzt besser Duschen, bevor mein Hirn durchbrutzelt, stimmt`s?

    • Ich habe tatsächlich mal von einem Forscher gehört, der sich mit dieser Dialektfrage außeinander setzte. Er untersuchte dabei das Mäh von Schafen unterschiedlicher Länder und hat festgestellt, dass es tatsächlich Unterschiede sowohl zwischen den Ländern als auch in verschiedenen Regionen gibt. Ein Schaf aus Deutschland klingt ganz anders als ein englisches und das aus Nordengland klingt wiederrum anders als das aus Südengland.

      Ich denke, das wird bei Kühen genauso sein. Die lernen ja schließlich auch von ihren Mitkühen nicht nur das Verhalten, sondern auch die Laute.

  2. Ein Bericht über diese Ställe ist vor zwei oder drei Jahren schon mal im deutschen Fernsehen gelaufen, war richtig faszinierend. Ich war damals ganz überrascht, wie die Milch in den VAE „angebaut“ wird. Aber der Aufwand….

  3. DIe Tage habe ich noch an dich gedacht. Man zeigte einen Bericht aus Dubai und da ging es um Kamelmilch. Das sei der Renner und man erwäge Export. Schon mal getrunken? Soll sehr vitaminreich sein.

  4. Interessant. Ich habe allerdings auch sofort an den Strom- und Wasserverbrauch gedacht. Den Strom könnte ja noch mit Solartechnik erzeugt werden, aber Wasser?
    LG
    ~M

  5. Ob die Kühe unter der Badezimmerinstallation wirklich *glücklich* rumliegen oder ob das ewige Wasserberieseln vielleicht besser im liegen zu ertragen ist,ist auch erst mal die Frage.
    @:Lavendelkinder, diese Frage habe ich mir auch gestellt.
    Vielleicht behelfen sie sich ja und muhen teilweise englisch,teilweise deutsch und vielleicht auch holländisch…..
    LG, Thea

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