Müll oder Wasser?

Recycling, Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein – nicht gerade Vokabeln, die man mit Dubai oder den Emiraten im Allgemeinen in Verbindung bringt. Doch es gibt sie, Versuche auch hier das Leben mit der Umwelt in Einklang zu bringen.

Da wäre zum einen Masdar City, das Vorzeigeprojekt 25 Kilometer von Abu Dhabi entfernt. Die Stadt, deren Grundstein 2008 gelegt wurde, soll ohne Kohlendioxid, ohne Abfall und – in den Emiraten fast unvorstellbar – ohne Autos auskommen. Ein ehrgeiziges Projekt, von dem noch nicht klar ist, wann es fertig und wie erfolgreich es sein wird.

Wesentlich realer sind da die Altglas-, Altpapier- und Plastikmüll-Container, die in den Emiraten immer öfter am Straßenrand zu sehen sind. In der Wohnanalage in der ich wohne, gibt es sogar eine grüne Tonne, die separat vom Restmüll abgeholt wird.

So weit, so gut. Doch Recherchen einer Zeitung haben ergeben, dass der mühevoll gesammelte, wiederverwertbare Müll tatsächlich auf der gleichen Müllhalde landet wie der Rest. Das ist nicht so weit, so gut. Die eigentlich für die Müllentsorgung bzw. Wiederaufarbeitung verantwortliche Firma weist die Schuld am Müllmansch weit von sich. Tatsache sei, dass die Einwohner – Expats wie Emiratis – ihren Müll einfach wie es ihnen passe, in die aufgestellten Container schmeißen würden – Recycling somit leider unmöglich.

Ich bin natürlich – die deutschen Wurzeln lassen sie nicht verleugnen – ein vorbildlicher Mülltrenner. Allerdings überlege ich bei jedem Joghurt-Becher und jeder Plastik-Milchflasche, die in die grüne Tonne wandern sollen, ob ich der Umwelt damit wirklich Gutes tue. Schließlich muss ich den Becher gründlich auswaschen. Mit Wasser. Dummerweise ist Wasser, wenn man mitten in der Wüste wohnt, ein sehr wertvoller Rohstoff, der mit viel Aufwand „künstlich“ bereitgestellt werden muss. Müll oder Wasser, das ist hier die Frage!

Zumal ich beim letzten Deutschland-Urlaub in Sachen Müll-Trennung fast vom Glauben abgefallen bin. Vier Wochen Deutschland und die winzige Müll-Tonne wird nur einmal geleert. Da nutzt man die Gelbe Tonne freiwillig. Aber auch die war nach 3 Wochen randvoll und ich wartete sehnsüchtig auf die Abholung, die sinnigerweise nicht gleichzeitig mit der normalen Mülltonne erfolgte.

Ich wartete und wartete, doch mein lupenrein mit Wasser ausgespülter Plastikmüll blieb vor der Haustür stehen. Die Plastik-Abfuhr kam nicht. Dafür zwei Tage später die normale Müllabfuhr. Einen Ferientag opfernd lauerte ich den Müllmännern auf, um mich zu beschweren.

Selbstverständlich ohne Erfolg.

„Da müssen se de Firma anrufen, die dafür zuständich is, nech, aber die kommen sicha nicht extra wegen eine Tonne“, wies mich der Müllmann an.

Mein trauriges Gesicht muss ihn gerührt haben.

„Wissen se was, ich nehm ihnen den Plunder schnell mit“, bot der Mann freundlich an und schwupps war mein gespülter Plastikmüll im Restmüllauto verschwunden.

Müllmanschen scheint ein globales Problem zu sein.

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10 Gedanken zu „Müll oder Wasser?

  1. Das mit der Mülltrennerei ist ja auch so eine Sache…. der „getrennte“ Müll wird hier auch zu fast zwei Dritteln direkt in die Müllverbrennung gekarrt, weil da der Müll fehlt.. der wichtig ist für die Energiegewinnung. Daher habe ich schon lange aufgehört, Joghurtbecher abzuwaschen. Fand ich eh schon immer blödsinnig. Wobei Wasser sparen hier in Deutschland auch nicht mehr so angesagt ist, seit die Wasserwerke jammern, dass ihre Leitungen verschmutzen, weil nicht genügend Durchfluss herrscht. Und in Deutschland sei Wasser reichlich vorhanden. Energie müsse man sparen – Wasser kalt verwenden ja, Warmwasser verwenden – so wenig wie möglich (Ist natürlich in Dubai anders..).
    Wir Deutschen meinen es aber auch immer gleich ZU gut 😉
    (genauso die Lüge über „regionale Produkte“… wer im Frühling unbedingt Äpfel kaufen möchte, sollte hier KEINE regionalen Produkte kaufen… die werden nämlich seit der Ernte (im Herbst!) aufwändig in Kühlhäusern gelagert – Äpfel aus Regionen, in denen JETZT geerntet wird, werden per Schiff zu einem Bruchteil der Energie hierher transportiert.)
    So, jetzt hab ich für den ersten Mai genug Gutes getan *grins* Ich wünsch dir einen schönen Tag!

  2. Wir spülen den Plastik-/Metallmüll im Restwasser vom Abwasch aus. Dann brauchen wir kein extra Wasser, aber der Müll stinkt nicht so sehr, wenn man die Säcke 2 Wochen zu Hause lagern muss, bis die Müllabfuhr kommt. Dass nur ca. 1/3 dieser gelben Säcke recycled wird, ist natürlich nicht so schön, aber man kann ja auch nicht das Zeug in die Restmülltonne schmeißen, weil die dann gleich voll ist und die schwarze Tonne ja auch Geld kostet.
    Ich habe auch schon gelesen, dass in Deutschland die Wasserwerke jedes Jahr zigtausend Liter Wasser durch die Abflussrohre spülen, weil durch die ganzen Wassersparmaßnahmen zu wenig gespült wird und sich dann ein unangenehmer Geruch entwickelt. Ich frage mich nur, warum dann die Wasserpreise so hoch sind und seit Jahren steigen?

    • Das mit dem Durchspülen der Abflußrohre habe ich schon mal gesehen: da stand ein Wasserwagen der Stadtwerke vor unserem Haus, ein dicker Schlauch wurde in den Gulli gehängt und dann mit Schmackes Wasser durchgepustet. m(
      Und die Wasserpreise steigen, weil durch das Sparen die Stadtwerke zu wenig verkaufen und dadurch ein Minus machen. Um das auszugleichen…

  3. Ach mein Herz: Es gibt definierte Abfurhtermine auch für den Palstikmüll. Man bekommt Anfangs des Jahres einen Müllkalender mit allen Terminen von der Stadt zugeschcikct.
    Mindestens ist das in Provinzkaff so.

    In München gibt es Container (was mir persönlich ja besser gefällt, weil man das Zeug schnell los hat).

    Ist doch schön, wenn die VAE langsam auch ein wenig auf die Umwelt schauen und Meister sind noch keine vom Himmel gefallen.
    Aber der Anfang ist wohl gemacht.
    Ich finde das gut und ausspülen tu ich das Zeug eigentlich eher selten. Das wird ordentlich leer gekratzt und kommt dann in die Garage;-)

    • Genau auf den Müllkalender habe ich ja geschaut – und die Unholde sind einfach nicht gekommen. Gelbe Tonne stand draußen, gut sichtbar, prall gefüllt – am Abend vorher rausgestellt…ich bin immer noch entsetzt, dass so etwas in Deutschland passieren kann…;-)

      • DAS ist natürlich ein Skandal!!!

        Woher wussten die Jungs eigentlich, dass nur deine Tonne draußen steht?
        SInd das Hellseher?

        Hat sich die Nachbarschaft gegen die „Fremde aus Dubai“ verschworen und mit der Stadt einen anderen Abfuhrtermin vereinbart;-)

  4. Ach mit wieviel Sehnsucht erinnere ich mich an den grossen Muellcontainer, in den wirklich Alles reinkam – vielleicht das Glas nicht- und der jeden Morgen ausgeleert wurde…Und dann kam der Tag, an dem die Muelltrennung auch in unserer Gemeinde eingefuehrt wurde und zwar nicht mit Sammelcontainern, sondern mit von-Haus-zu-Haus-Abholung! Da hoerte der Spass dann auf…es gibt inzwischen fast keine von diesen kleinen Muelleimern, mehr, die Leute haben da drin naemlich ihren Hausmuell entsorgt. Wer also Sonntags abends nicht den Muell rausstellt, muss eine Woche warten, im Sommer bei 40 Grad nicht gerade eine Freude, ich denk da nur an die Thunfischdosen…

  5. Plastikabfälle entsorge ich seit langem schon in die großen Container, die ein paar Hundert Meter entfernt stehen. Dabei kann ich das Nützliche auch stets gleich mit dem Angenehmen verbinden, denn nur einen Steinwurf entfernt befindet sich ein schöner, großer „T.engelm.ann“, in dem ich dann nach Herzenslust (in ordentlich Plastik verpackte) Schmankerln einkaufen kann. 😉

  6. Also, normalerweise hält die deutsche Müllabfuhr sich akribisch an die angegebenen Termine – wahrscheinlich war Feiertag? Dann verschiebt sich nämlich alles auf der Liste – völlig überraschend natürlich! So zum Beispiel auch diese Woche anlässlich des 1. Mai-Feiertags – der dieses Jahr aber auch wirklich wieder früh lag. So früh, dass die Abfallkalender halt alle schon gedruckt waren
    😉

  7. Muelltrennung – ich liebe es. Noch in Muenchen lebend, kam fast alles in den Restmuell, da man jeden Joghurtbecher einzeln (!) durch das Loch im Plastikrecyclingmuellcontainer schmeissen musste und der dann auch noch einen Kilometer vom haeuslichen Herd entfernt stand (Sammelcontainer). Sorry, aber das habe ich nur mit den Glasflaschen und Papier gemacht. Hier in Amerika dann tatsaechlich gelbe (!) Tonnen fuers Plastikmuell-Recyclen und blaue (!) fuers Papier vorgefunden, welche woechentlich geleert werden. Wieder ein Vorurteil abgebaut. Die deutsche Muelltrennungsseele in mir fuehrt dazu, dass selbst den Kindern aufgefallen ist (nachdem sie gelegentlich die Muelltonnen rausstellen mussten – irgendwann werden Kinder nuetzlich 😉 ), dass wir in unserer Strasse mit Abstand den meissten Recycling-Muell haben, waehrend unsere Restmuelltonne halb leer ist. Neuerdings konkurrieren wir mengenmaessig hart mit der franzoesischen Familie, die vor kurzem ins gegenueberliegende Haus eingezogen ist. Jetzt sollen hier bald Biomuelltonnen eingefuehrt werden. Da weigere ich mich. Mir wird schon uebel, wenn ich nur daran denke, wie das Innenleben dieser Tonne im Sommer (Mai bis September) nach 2 Tagen bei 40 Grad im Schatten und 70% Luftfeuchtigkeit aussieht…

    Vergessen wurden unsere Tonnen auch schon. Bei woechentlicher Leerung und unbegrenzter Muellmenge aber kein Problem.

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