Der Wille war stark, doch der Lolli war stärker

Ich bin ein schlechter Mensch. Seit gestern Abend ist es offiziell. Ich habe den ultimativen Verrat begangen – an meinem eigenen Kind. Nie wird sie mir verzeihen, was ich getan habe. Es gibt auch keine wirkliche Entschuldigung dafür, außer vielleicht: Der Wille war stark, doch das Fleisch war schwach.

Seit genau einem Monat lag er bei uns im Kühlschrank. Ganz in Gold und verführerisch. Ein riesiger Schokoladen-Lolli in Herzform, den meine Tochter zu ihrer Geburtstagsparty geschenkt bekommen hat. Der Hersteller-Name auf dem Lolli ließ feinste Schokolade vermuten und jedes Mal, wenn ich den Kühlschrank aufgemacht habe, lief mir das Wasser im Munde zusammen und mein eigenes Herz klopfte vor Begierde.

Genau wie das meiner Tochter übrigens. Mehr als einmal fragte sie mich: „Kann ich jetzt endlich meinen Schokoladen-Lolli essen?“ und mehr als einmal sagte ich, ob der schieren Größe des Herz-Lollis: „Nein, das ist viel zu viel Schokolade, ein anderes Mal.“

Warum nur habe ich sie ihren Lolli nicht essen lassen? Dann wäre nicht passiert, was gestern Abend passiert ist. Ich nehme an, ich wollte mich selber ein wenig quälen, man hat ja sonst nicht Probleme genug im Leben. Vielleicht wollte ich auch auf den Nervenkitzel beim Öffnen des Kühlschranks nicht mehr verzichten. Unzählige Male nämlich hatte ich den Lolli schon in der Hand, habe kurz über seine goldene Hülle gestrichen, überlegt ob das Verbotene wagen und ihn essen sollte und ihn dann doch mit Rücksicht auf mein Kind und mein Vorbildhaltung zurückgelegt.

Und dann der gestrige Abend. Ich war kurz auf ein Glas Wein bei einer Freundin und ging sofort zum Kühlschrank, als ich zurückkam, um ein Glas Wasser zu trinken. Da lag er. Es war als würde seine goldene Hülle mich anlächeln und ich hätte schwören können, der Lolli bewegte sich in seiner ganzen Pracht ein winziges Stückchen auf mich zu. Ganz so als wolle er sagen: „Iss mich. Du willst es doch auch. Sei einmal in deinem Leben frei und tue das Verbotene. Nimm mich!“

Was soll ich sagen. Ich nahm ihn, riss ihm die goldenen Kleider vom Leibe und aß ihn auf. Komplett und ganz bis nur noch sein Lolli-Stengel-Gerippe von ihm übrig war. Mein Gott, war der gut.

Vielleicht hole ich meine Tochter heute einfach nicht von der Schule ab….

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41 Gedanken zu „Der Wille war stark, doch der Lolli war stärker

  1. Ich sag bei solchen Gelegenheiten immer, der Hund hätte ihn/sie gefressen. Dem Hund wird nämlich immer alles verziehen, bei
    der eigenen Mutter steht es noch auf dem Grabstein.:)

    • Aber wie erkläre ich, dass der Hund den Kühlschrank aufgemacht, sich den Lolli rausgenommen, das Papier abgemacht und dann den Lolli gefressen hat. Befürchte, aus der Sache komme ich so leicht nicht raus…
      Willkommen in Dubai übrigens – wollte schon die ganze Zeit auf den anderen Kommentar antworten, bin aber so mit Schwitzen beschäftigt….;-). Juli ist nicht die beste Zeit in Dubai anzukommen, andererseits weiß man dann, dass man das Schlimmste schon erlebt hat. Hoffe der Umzug verläuft nach Plan – wisst ihr schon, wo ihr wohnen werdet?

      • Deine Töchter haben doch selbst so viel Fantasie. Die eine war doch lt. ihrer eigenen Aussage erst letztens nachts im Vergnügungspark. *zwinker*
        Die Story mit dem Hund kriegst Du schon durch. Keine Sorge. *g*

        Gruß
        SarahO

      • Danke für das Willkommen! Wir werden in Umm Suqeim wohnen, bzw. mein Mann wohnt da schon und der Umzug bleibt mir überlassen, aber wird schon alles schiefgehen.:) Sag, du hast die Tür vom Kühlschrank offen gelassen – natürlich nur für eine Sekunde – und die traurigen Überreste des Lollis schon im Müll versenkt.

  2. Schlechte Mutter du:-)! Ein ähnliches Problem hatte ich vor Monaten auch: Zwei Minichipstüten vom Karnevalszug trotz dreier Kinder im Schrank. Wir hätten den Inhalt gerecht aufteilen können. Hätten. Der einfachere Weg war sie einfach selber aufzuessen! Dafür war die Keile danach groß. Aber ich war ehrlich und hab’s zugegeben. Die Geschichte wird jetzt gern bei den Freunden zum Besten gegeben mit dem Obertitel “ Als unsere Mutter sich nicht mehr im Griff hatte und total ausgerastet ist…..“. Tja, jetzt ist der Stempel drauf. LG Anne

  3. Wenn mir sowas passiert hab ich Glück. Normalerweise ists bei uns umgekehrt und alle meine Bunkerverstecke werden aufgespürt und geplündert. Da kann ich ganz prima kontern. Vielleicht kaufst schnell einen neuen und holst dann das Kind von der Schule ab? Ansonsten werd ich ̶m̶̶a̶̶l̶̶ ̶̶e̶̶i̶̶n̶̶ ̶̶k̶̶e̶̶r̶̶z̶̶c̶̶h̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶f̶̶ü̶̶r̶̶ ̶̶d̶̶i̶̶c̶̶h̶̶ ̶̶s̶̶t̶̶e̶̶l̶̶l̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶u̶̶n̶̶d̶̶ ̶̶b̶̶e̶̶t̶̶e̶̶n̶ dir die Daumen drücken, dass sie’s dir nicht übel nimmt. 😉

    Viele, liebe Grüße,
    N.

    • Das wird bei uns irgendwann auch kommen, dass die Brut mir die Schokolade wegfuttert, aber noch bin ich für die Verteilung der Süßigkeiten zuständig und heimlich wird nichts genommen – öhm, also ausser von mir wird heimlich nichts genommen….;-)

  4. Oweh, ich erinnere mich mit Schamesröte an den geplünderten Adventskalender. Meine Kinder wissen inzwischen, dass Schokoladenvorräte vor mir nicht sicher sind. Ich plädiere für Ehrlichkeit und empfehle zwei Lollis nachzukaufen. Wenn es die überhaupt gibt in Dubai. Vielleicht in der Drachenhöhle?
    Alles Gute!
    Mara.

  5. Ich kann dich so gut verstehen! Meistens merken es meine Jungs nicht, wenn ich von ihren Vorräten nasche, weil dauernd Nachschub kommt und sie sowieso nicht alles essen können. Aber kürzlich fragte mich der Große doch tatsächlich: „Wo sind eigentlich die Giottos, die ich von Omas Nachbarn bekommen habe?“ Ich hätte schwören können, dass ich mir nur mal 2 oder 3 zum Kaffee aus der Packung genommen hatte und dabei noch gedacht habe: „Sind ja eigentlich keine Kindernaschis!“ und so sagte ich, dass die Giottos schon alle wäre. Ein schlechtes Gewissen bekam ich dann doch, als mein 11-jähriger empört ausrief:“Aber ich habe doch keinen einzigen davon probiert!“ Ähm, ja….

  6. Ich kann dich sooo gut verstehen. Das passiert mir ständig. Ich kaufe regelmäßig die Süßigkeiten nach, die ich meiner Tochter gemopst habe. Inzwischen trägt sie sie in ihr Zimmer hoch. Ein Glück, denn das schadet der Figur und dem Geldbeutel.
    Ich drücke dir die Daumen, dass deine Tochter eine Ersatzsüßigkeit akzepiert. Ansonsten hast du schlechte Karten 🙂
    LG Susann

  7. Oh weh. Das ist wirklich ein bisschen böse. Aber Eltern sind auch nur Menschen. Spätestens mit Mitte 20 sieht das dein Kind ein. Da kannst du es ihr ja dann auch erzählen. Die einfachste Variante wäre natürlich einfach ein identisches Exemplar nachzukaufen. Das funktioniert zumindest in den WGs dieser Welt meistens. 😀

    • Identisches Exemplar ist schwierig weil der Laden gut 45 Minuten Fahrzeit entfernt liegt…1,5 Stunden für einen Lolli und um die eigene Schwäche zu vertuschen..vielleicht versuche ich tatsächlich Vertuschung bis sie MItte 20 ist…;-)

  8. Einfach überrascht und völlig entsetzt tun, wenn die Tochter es merkt:

    „WAS? Der Lolli ist weg? Haltet den Dieb!“

    Muss ja niemand erfahren. Von wem denn auch, weiß doch niemand außer dir… ähm und wir halt hier, aber wir sind bestechlich;-)

  9. Es war doch der besondere Geburtstagslolli. Also gib Dir einen Ruck, kauf einen neuen und lass ihn gleich von Deiner Tochter vernaschen, dann kommst Du nicht nochmal in Versuchung! Und wenn Du bis zum Abholen keinen neuen bekommst, dann beichte und versprich ihr einen Ersatz. Eltern sind doch auch nur Menschen und nicht fehlerfrei. Aber wenn wir wollen, dass unsere Kinder zu ihren Fehlern stehen, sollten wir bei uns anfangen.
    Liebe Grüße
    Frau Frosch

    • Problem ist, der Lolli war erste Sahne/Schokolade und das Geschäft ist so ziemlich das am weitesten entfernte von unserem Wohnhaus…nur für einen Lolli dahinfahren?? Nein, ich werde zu meinen Sünden stehen müssen…oder doch den Hund vorschieben…;-)

  10. Kein Problem:
    Du machst den Kühlschrank auf und schreist empört:
    „Wo ist denn der Lolli?! Frolleinchen, hatte ich Dir nicht verboten, ihn zu essen?“
    Daraufhin wird Frolleinchen jammern und beteuern, dass sie den Lolli nicht gegessen hat und dann wirfst Du einen kurzen, aber strengen Seitenblick auf ihre Schwester – und kannst Dich ganz entspannt zurücklehnen und das „Hast Du den Lolli gefressen? Nee, habbich nich! Haste wohl! Nee! Wooohl! Nee! usw“-Spektakel genießen.

  11. Mich wundert, dass Du ueberhaupt einen Monat wiederstehen konntest, Respekt. Im Grunde trifft Dich natuerlich gar keine Schuld, du standest ja unter Alkooholeinfluss. Leider wird dieses Argument Deine Tochter wohl nicht ueberzeugen..

  12. ..Und..? Heute noch kein Beitrag…? Bist du unterwegs zum Lolliladen..? 😉
    Nee, erzähl doch mal.. wie bist du aus der Geschichte wieder rausgekommen?

  13. Möchtetst du deine Tochter gegen meinen Sohn tauschen? Ich hab hier L…t Hasen und Weihnachtsmänner, jede Menge M…a Schogi usw. liegen…. er isst es einfach nicht und ich bin eh schon recht üppig, seufz. Er ist 19, raucht nicht, trinkt keinen Alkohol und duscht täglich….

    LG MamaBeate

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