Wie lang kann ein Tag sein?

In der muslimischen Welt ist heute ein besonderer Tag – der Ramadan beginnt. Ab sofort dürfen Muslime in der Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang keine Nahrung zu sich nehmen. Doch für manche Muslime sind die Tage bedeutend länger als für andere!

Die Gläubigen in den Vereinigten Arabischen Emiraten trifft es dieses Jahr schon mal hart. Der Ramadan fällt in die heißeste Zeit des Jahres und die Temperaturen erreichen fast jeden Tag die 50-Grad-Marke. Unangenehm vor allem, da Muslime während der Fastenzeit auch nicht trinken dürfen. Und dann sind die Tage im Sommer auch noch besonders lang – rund 15 Stunden ist die Sonne im Juli über Dubai und den anderen Emiraten zu sehen.

Da dürfte so mancher Muslime neidisch nach Argentinien schauen, wo der Tag zur Zeit nur rund 9 Stunden lang ist. Auch in Australien, das sich ebenfalls in der „Winterzeit“ befindet, zeigt die Sonne nur gute 10 Stunden ihr strahlendes Gesicht.

Wer das Geld für einen 4-wöchigen Trip um die halbe Welt nicht aufbringen kann, dem spendet ein Blick nach Schweden, Finnland und Dänemark Trost – dort wird es im Sommer in manchen Gebieten überhaupt nicht dunkel. In Finnland betrug die durchschnittliche Fastenzeit für Muslime während des Ramadans im Jahr 2012 satte 21 Stunden.

Wie die Muslime mit den „überlangen“ Fastentagen in der nördlichen Hemisphäre umgehen sollen, ist umstritten. In Ägypten empfehlen die Imame den Gläubigen zum Beispiel sich bei zu langen Fastenzeiten an der Fastenzeit in Mekka zu orientieren, in Saudi-Arabien dagegen gilt die Zeit des Aufenthaltsortes des Gläubigen als Grundlage – egal wie lang der Fastentag damit wird.

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12 Gedanken zu „Wie lang kann ein Tag sein?

  1. Wie ist das eigentlich mit Kindern? Wir haben letztes Jahr, als wir natürlich im Ramadan da waren auch drauf geachtet, dass die Kinder nur im Hotel trinken, weil uns das ein oder andere Mal ein kritischer Blick traf, als die Jungs nur ne Flasche in der Hand hielten. Manchmal haben wir uns auch einfach in ein Eckchen verkrümelt oder sind aufs Klo gegangen um was zu trinken…….die sind in den Malls ja supersauber. Sag mal wie machst du das selbst und wie machst du das mt deinen Kindern??? LG Anne

    • Kinder, alte Menschen, Kranke, Schwangere und Reisende müssen nicht fasten. Ab welchem Alter die Kinder beginnen müssen zu fasten, ist wohl von Land zu Land unterschiedlich.
      Als meine beiden noch klein waren, habe ich sie in der Mall auch mal was trinken lassen (das ist auch nicht verpönt, besonders Babys darf man die Flasche geben, wobei man fast keine Kinder während des Ramadans in den Malls sieht tagsüber), mittlerweile würde ich mit ihnen auch in ein stilles Eckchen gehen oder sie davon überzeugen, dass sie noch bis zu Hause warten können. Ich selber muss zugeben, dass ich dieses Jahr das erste Mal seit 4 Jahren während des Ramadans in Dubai bin (zumindest die erste Woche) und ich gehe nur Lebensmittel einkaufen, sonst meide ich die Malls einfach….die Kinder sind glücklicherweise schon in Deutschland. Sommerferien und Ramadan, die Kombination wäre mit Kinder wahrscheinlich ziemlich anstrengend…;-)

      • Ach eigentlich ging das. Wir sind nicht so die Fresssäcke und haltens ohne Essen auch schon mal ne Weile aus…..ach und mit dem Trinken das passte schon, ich hab mich jedenfalls nicht besonders eingeschränkt gefühlt. Es war eher eine echte Erfahrung mal mitzubekommen, wie so ein Ramadan abläuft. Allein abends im Restaurant ( als wir dann doch mal Hunger bekamen), als wir zwar schon was zu essen und trinken auf dem Tisch stehen hatten, aber noch nicht essen durften, weil der Muezin noch nicht gesungen hatte………draussen vor der Tür ein Aufseher, der sich wirklich die essenden Touris rausfischte und ermahnte und mit Geldstrafe drohte. War schon spannend und schreckt mich alles nicht wirklich ab zu euch zu fahren. Ich hab nicht das Gefühl, dass ich da was verpasse. Dubai ist schon sehr spannend, die ganze Family liebt es seit letztem Jahr.

  2. Besonders hart ist diese Fastensituation dann für die vielen vielen (muslimischen) Arbeiter, die draußen auf den Baustellen in der brüllenden Hitze Hochglanzfassaden und neue Konsumtempel in die Höhe ziehen. Selbst verlängerte Mittagsruhezeiten helfen da nur wenig. Ich habe während unserer Jahre in Abu Dhabi festgestellt, dass die Rate der Verkehrsunfälle in den Wochen des Ramadan rapide ansteigt – roundabouts (Kreisverkehre) sind besonders gefährlich. Allerdings haben wir den Ramadan auch nie in den Wintermonaten erlebt, wo es angenehmere Temperaturen hat. Trotzdem vermisse ich jetzt hier nach Rückkehr in Deutschland auch die Iftar-Stimmung am Abend. Auch wenn wir selbst als Christen nicht gefastet haben, so waren wir durch unsere emiratischen Freunde nahe dran am Geschehen und das prägt.

    • Für die Muslime am Arabischen Golf (und eigentlich für alle Muslime weltweit) gilt, dass wenn die Mondsichel in der Wüste in Saudi-Arabien zum entsprechenden Zeitpunkt gesichtet wird, wird der Beginn des Fastenmonats ausgerufen bzw. das Ende des Ramadan mit dem darauffolgenden Fest Eid. Da Saudi-Arabien das „Heilige Land“ ist, weil dort die heiligsten Stätten Mekka und Medina liegen und der Prophet Mohamed aus Mekka stammte, soll die Mondsichel dort gesichtet werden. Wer will, kann das detailliert nachlesen auf http://de.wikipedia.org/wiki/Ramadan#Die_allgemeine_Regel
      Und da sich nach dem Mondkalender gerichtet wird, findet der Ramadan auch nicht immer zur selben Jahreszeit statt sondern verschiebt sich.

  3. Wir haben ja hier im Moment auch wieder eine Hitzewelle und ich denke immer an die Maurer und die Arbeiter auf dem Dach. Krass finde ich auch die Ramadan-Treuen, die in der Gastronomie arbeiten und mit leerem Magen den Touris die Pizzen und Getraenke bringen.
    Aber, wie meine Freundin Hadjira sagt, „das ist die wahre Gottespruefung“.

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