Ein Telegramm, ein Telegramm!

Ein Telegramm!!! Was für eine Aufregung. Damals. Heute nicht mehr so wirklich. Ich kann mich noch gut erinnern, wie aufregend ich als Kind Telegramme fand. Eigentlich kannte ich sie nur aus dem Fernsehen, wo Gary Grant, Grace Kelly und wie sie alle hießen, freudige, traurige oder wichtige Nachrichten per Telegramm zugestellt bekamen.

Und dann bekam ich selber eins von diesen Telegrammen. Zu meinem 16ten Geburtstag schickte mein Vater mir seine Glückwünsch als Kurzbotschaft. Toll fand ich das. Es gab zwar schon Computer und Email zu dieser Zeit (wir sprechen hier von den 80er Jahren), aber bis die Einzug in unsere Familie halten sollten, dauerte es noch ein paar Jahre.

Warum ich mich so ausführlich über Telegramm auslasse in einer Zeit, wo man per Email, SMS, WhatsAPP und Skype jeden seiner Lieben sofort und überall auf der Welt erreichen kann? Ich schreibe über Telegramme weil in Indien, einem Land, in dem nicht jeder über die oben genannten technischen Errungenschaften verfügt, eine Ära zu Ende geht. Genau, die Ära des Telegramms.

Der letzte große Telegramm Dienst des Landes, das Central Telegraph Office in Neu-Dehli hat am Sonntag seine Türen für immer geschlossen. Allerdings nicht ohne vorher noch zahlreiche Telegramme zu verschicken. Lange Schlangen bildeten sich vor dem Gebäude, da tausende Inder ihren Lieben irgendwo im Land noch ein „Abschiedstelegramm“ als Souvenir schicken wollten.

162 Jahre gab es den Telegramm-Service in Indien. Zu Hochzeiten – in den 80ern – versandte der vom Staat geleitete Dienst rund 600.000 Telegramme täglich. Mit nur noch mageren 5.000 Eilbotschaften pro Tag lohnt sich der Dienst heutzutage nicht mehr, vor allem, da eine einfache Botschaft in Indien, die von einem Kurier per Fahrrad zugestellt wird, nur rund 40 Cent kostet.

Eins der letzten Telegramme, das quer durch Indien verschickt wurde, hatte die bezeichnende Botschaft: „Das Ende einer Ära“.

In Deutschland gibt es bei der Post übrigens noch einen Telegrammdienst. Die einfachste Version, die bis zu 10 Wörter enthalten darf kostet allerdings satte 15,20 Euro. Ob da wohl noch viele verschickt werden? Ich gehe mal davon aus, dass ich in meinem Leben kein Telegramm mehr bekommen werde.

Advertisements

3 Gedanken zu „Ein Telegramm, ein Telegramm!

  1. Ich habe nur ein einziges Mal ein Telegramm bekommen, vor ungefähr dreißig Jahren – genau an Heiligabend – der Inhalt war eine glühende und sehr leidenschaftliche Liebeserklärung eines damaligen Bekannten, ich hatte die Feiertage bei meinen Eltern verbracht, und Papa hatte gemeint, diese Botschaft sei für ihn und Mama bestimmt, und hat das Telegramm geöffnet und gelesen. Das ist hammermäßig peinlich für uns alle gewesen… :mrgreen:

  2. 15 Euro? Wow. Ich hab auch mal ein Telegramm bekommen, weiß aber gar nicht mehr von wem und wofür… In Indien nehme sie jetzt also lieber Fahrradkuriere und ansonsten wohl Handy, Email und Co, oder?

  3. Ich find Telegramme sehr romantisch…. Göga und ich waren erst ein paar Wochen zusammen, als ich in den lang vorher gebuchten Urlaub flog, allein, ohne ihn. Irgendwann hatte ich ein Telegramm im Postfach… war das toll!

    LG MamaBeate

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s