Sommerlicher Schrecken

Im Sommerurlaub soll man sich entspannen. Tue ich auch – meistens. Getrübt wird meine Freude/Entspannung allerdings durch eine Erkenntnis, die mich während dieses Deutschland-Urlaubs immer wieder mit voller Wucht wie die dicke, hässliche Kugel einer Abrissbirne trifft: Ich werde nicht alt, ich BIN alt.

Falls noch jemand Hilfe bei der Findung seines wahren Alters braucht, hier die Top Fünf der Vorfälle, an denen man erkennt, dass es vorbei ist:

5.) Man besucht den hippen, trendigen und obercoolen Megastore einer amerikanischen Modemarke und hat Angst. Schon im Eingangsbereich riecht es aufdringlich nach Parfüm, dass einem die Nasenscheidenwände brennen und die Musik ist so laut, dass alles wehtut. Obwohl man zittert wie Espenlaub, wird man von zwei Mädchen freundlich begrüßt, die zusammen um die 20 sein dürften und so spärlich bekleidet sind, dass sie direkt vom Strand zum Dienst erschienen sein müssen. Und das mitten in München. Zwei Minuten später befindet man sich wieder auf Weg nach draußen, da es in dem Laden so dunkel ist, dass man keine Ahnung hat, ob man in der Herren- oder der Damenabteilung ist und der eine Blick, den man auf ein Preisschild erhaschen konnte, eine Reaktion in einem ausgelöst hat, die man zuletzt 1983 bei der eigenen Mutter erlebt hat: „Für so einen Schrott gebe ich nicht soviel Geld aus“.

4.) Die kleine Tochter fragt einen ganz unbedarft eines Tages im vom Großvater geliehenen PKW: „Mama, hat das Auto vom Opa keine Musik?“ und man stellt fest, dass man seit einer Woche ohne Musikberieselung durch die Gegend fährt und glücklich darüber ist.

3.) Man sitzt in dem Restaurant, in das man seit über 15 Jahren jedes Mal geht, wenn man im schönen Sauerland verweilt und zum ersten Mal sind die anderen Besucher nicht aus dem Seniorenheim im Nachbarort ausgebrochen, sondern in der eigenen Altersklasse.

2.) Der überwiegende Teil der Damen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft könnte ohne Probleme die eigene Tochter sein – und man war bei der Empfängnis kein Teenager mehr.

1.) Die Auswahl an Ritter Sport, Haribo und Katjes im Supermart ist so überwältigend, dass man aus Angst vor der Entscheidung zu Yogurette greift, weil die wenigstens noch genauso aussieht wie vor 35 Jahren.

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21 Gedanken zu „Sommerlicher Schrecken

  1. Welcher Laden mag DAS wohl sein? Hast Du Dich denn auch ganz brav hinten in der Schlange angestellt? Und Dir was Nettes gekauft? Ich darf mir ja dort nix kaufen .. wäre viel zu peinlich. Und überhaupt: Gut, dass es da drinnen so dunkel ist, dann merkt wenigstens keiner, dass ich auch dabei bin …Sylvie

    • Schlange gab es nicht – alt wie ich bin, war ich pünktlich um 10.00 Uhr da…;-). Leider nix nettes gekauft, obwohl ich die Sachen ja schon ganz schick finde, habe aber weder Farben noch sonstiges in dem Dunkel erkennen können….;-)

  2. Ich denke, ich weiß, welchen Münchner „Dämmerschuppen“ du meinst. 😉 Ich oute mich jetzt mal als ganz furchtbar alt, denn da würden mich keine zehn Pferde hinein kriegen – auch wenn ich die Gesichtskontrolle am Eingang ungehindert passieren dürfte. :mrgreen:

  3. ich mag die Sachen aus dem Dämmerschuppen, aber das Einkaufen bei der Lautstärke ist mir ein Graus…. und die Verkäufer/Innen sehen irgendwie aus wie Klone…. kann ich zumindest kaum unterscheiden, aber ich werde vielleicht auch einfach nur alt 😉

    Und wie alt bist Du denn nun?

  4. Jetzt moechte ich aber ganz dringend wissen, welcher Laden mit dem Daemmereschuppen gemeint ist. Und ausserdem: ob daemmerig oder nicht, das Preisschild koennte ich ohne Brille sowieso nicht lesen.
    Hinzufuegen koennte ich noch die Nummer 6), mein persoenliches Highlight – mein Sohn, der neulich sagte:
    „Mamma ist so duenn, weil sie als Kind nicht genug zu essen gekriegt hat. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es naemlich in Deutschland nichts zu essen!“
    Danke Leben!

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