Goldrausch!

In den Vereinigten Emiraten gibt es ein „großes“ Problem: die Menschen werden immer dicker. In der Rangliste der dicksten Nationen stehen die Emirate an fünfter Stelle. Besonders die Zahl der stark übergewichtigen Kinder gibt Anlass zur Sorge.

Laut Experten liegt der Grund für das steigende Gewicht vieler Emiratis allerdings nicht „am Wetter“, wie landläufig gerne behauptet wird. Zwar ist es in den Sommermonaten zu heiß, um die meisten Sportarten im Freien zu betreiben, doch für diese Zeit gibt es zahllose Fitnessstudios und Indoor-Sportplätze. Und mindestens acht Monate im Jahr sind die Temperaturen angenehm und man kann – ungestört von Regen – allen möglichen Sportarten im Freien nachgehen.

Schuld an der Dickleibigkeit seien vielmehr das in den Emiraten ebenso billige wie kalorienreiche Fast-Food-Essen in Kombination mit kostenlosen Lieferservice, so die Experten. Ein Menü mit Pommes Frites, Hamburger und Cola kostet höchstens drei Euro und man muss nicht mal dafür aus dem Haus gehen. Fast alle Fast-Food-Restaurant bieten einen kostenlosen Liefer-Service an.

Seit sechs Wochen läuft in den Emiraten nun eine Initiative, die den überschüssigen Pfunde zu Leibe rücken will: „Your weight in gold“ oder auch „Dein Gewicht in Gold“ heißt das Programm, welches den Teilnehmern Gold für die verlorenen Kilos verspricht. Über 10.000 Menschen haben sich für die Initiative, die noch bis zum 30. August läuft, angemeldet. Die drei Personen, die am meisten abnehmen, werden mit Gold im Wert von 20.000 AED (rund 4.000 Euro) belohnt, alle anderen bekommen je nach abgenommenem Kilo Körpergewicht eine bestimme Grammzahl Gold.

Im Safa Park, einem der beliebtesten Parks in Dubai, finden Fitness-Kurse für die Teilnehmer statt und bislang sind die Veranstalter mit den Resultaten ihrer Initiative sehr zufrieden. Vor allem da die meisten Teilnehmer weniger das Gold (ein Gramm ist zur Zeit ca. 27 US-Dollar wert) als Anreiz sehen, sondern ihre Gesundheit. Bleibt nur noch abzuwarten, ob die Telefone der Fast-Food-Ketten nach dem Goldrausch am 30. August wieder klingeln.

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18 Gedanken zu „Goldrausch!

  1. Ich staune immer wieder auf’s Neue:)
    Doch auch viele Expats stellen fest: Bei mehrjährigen Aufenthalten in den Emiraten nehmen auch sie meistens einige Kilos zu. Es gibt dort – mal abgesehen von den internationalen teueren Hotelrestaurants – überall die Möglichkeit, doch recht günstig essen zu gehen. Gerade auch die „Food courts“ in den Malls bieten eine vielfältige Pallette an „Schnellimbissen“ mit Gerichten aus der ganzen Welt. Sehr verlockend! In der Hitze ist der Stoffwechsel des menschlichen Körpers verlangsamt. Plus kalorienreiche Kost. Dazu wenig Bewegung: man bzw. frau fährt grundsätzlich mit dem Auto (das ist in Abu Dhabi so), zu Fuss geht eigentlich keiner weitere Strecken (also mehr als von der Mall bis zum Parkplatz) und Fahrradfahrer…..habe ich nie gesehen dort (ist auch leider vieel zu gefährlich). Richtig ist: es gibt viele Fitness-Studios. Doch eben keine Kultur der Sportvereine, wie dies überhaupt eigentlich nur in Deutschland der Fall ist (geht auf die „Turnvater Jahn-Bewegung“ zurück bei uns). Alles muss „privat“ und mit relativ hohen Gebühren bezahlt werden, was es einer Familie mit mehreren Kindern dann doch auch etwas schwerer macht. Alles in allem sehr gute Voraussetzungen für eine schnelle Gewichtszunahme.
    Das Gesundheitsministerium in Abu Dhabi bemüht sich mit Kampagnen aufzuklären, denn auch die Rate der an Diabetes Erkrankten ist in den Emiraten erschreckend hoch und steigt. Das führt dann dazu, dass an unserer deutschen Schule seitens der Health Authority sehr starke Vorschriften für das Essen in der Caféteria vorgeschrieben wurde: es durfte auf einmal keine Butter mehr auf die Sandwiches geschmiert werden, Mayonnaise war verboten, die bei den Schülern so beliebten kleinen Kuchen und Gebäcke wurden verbannt. Es durfte nur noch Wasser als Getränk angeboten werden. Kakao – nein und selbst Obstsäfte wurden abgeschafft……

    • Ja, die Food Courts sind sehr verlockend, es gibt nicht nur klassisches Fast Food sondern auch viele indische, thailändische usw. „Restaurants“, die aber meist auch nicht gesünder sind. Was die Bewegung angeht…ja, viel Autofahren, aber wir (vor allem die Kinder) gehen fast jeden Tag schwimmen und als ich im Februar/März mal für 6 Wochen kein Auto hatte, musste ich feststellen, dass man Einkaufen, Tennisstunde usw. alles auch wunderbar mit dem Fahrrad erledigen kann….und zu Fuß gehe ich auch jeden Tag mindestens eine Stunde – mit dem Hund, der wird sonst sauer…;-)

      • Ich kann mir vorstellen, dass das in Dubai besser klappt, je nach dem, wo man in dieser riesigen Stadt lebt. Auch gibt es ja dort eine sehr moderne Metro. In Abu Dhabi ist das schon anders. Aufgrund unseres Mietbudgets wohnten wir ausserhalb der Hauptinsel auf dem Wüstenfestland. Im ersten Jahr mussten wir 35 km bis zum nächsten Int. Supermarkt fahren!! Da lief von uns keiner zu Fuss hin;-) Das Gleiche galt für Ärzte u.ä. Die Infrastruktur in unserer Vorstadt war fast nicht vorhanden. Für mich, die bis dato in Deutschland in einer Kleinstadt gelebt hatte und vieles per Fahrrad erledigte, war das zunächst eine große Umstellung. Die Kinder pendelten täglich 35 km zur Schule – waren wir auch nicht gewöhnt. Im 2. Jahr verbesserte sich die Infrastruktur…..der nächste gut ausgestattete Supermarkt war dann immerhin schon deutlich näher, nämlich 5 km. Da in Abu Dhabi sehr viel und schnell gebaut wird, verbesserte sich innerhalb unserer 3 Jahre in unserer Wohngegend die Infrastruktur enorm. Aber zu Fuss erreichten wir trotzdem weder einen kleinen Supermarkt noch einen Bäcker. So viel, wie wir in den 3 Jahren in Abu Dhabi täglich mit dem Auto gependelt sind, sind wir in unserem deutschen Alltag nie zuvor gefahren. Aber….man gewöhnte sich schnell daran und der Sprit war ja sagenhaft günstig. Nur gesund ist die mangelnde Bewegung wirklich nicht. Fahrradfahren ist in Abu Dhabi nach wie vor lebensgefährlich. Es gibt nirgendwo Fahrradwege ausser an der Corniche (Strandpromenade). Der Verkehr ist aus deutscher Sicht rücksichtslos. Auf den normalen breiten Straßen würde ich mich niemals wagen, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein (und man trifft in der Tat im Stadtzentrum auch nur ganz selten mal auf einen einzelnen Fahrradfahrer). In unserem Wohngebiet auf kleineren Straßen sind wir dann schon mal um’s Eck geradelt bzw. mit den Hunden Gassi gegangen. Aber beim Gassi gehen waren wir einsam und allein mit den Hunden unterwegs. Die anderen Hundebesitzer hielten ihre Hunde nur im Garten bzw. ließen sie mal auf der Grünanlage vor dem Compound ein wenig ihr „Geschäft“ machen. Kein wirklich schönes Hundeleben. Einzig einen jungen Löwen und sein „Herrchen“ traf mein Mann mal beim Hundespaziergang in der Nachbarschaft. Das ist auch so eine der skurrilen Geschichten, die man in den Emiraten erleben kann.

  2. Da sind wir eifach noch unglaubliche Neandertaler. Alles was uns vor die Nase kommt wird gefressen und wenn genug Nahrung da ist, muss ja nicht gejagt oder gesammelt werden. Wir sitzen gemütlich am Lagerfeuer und sparen unsere Kraft und setzen Fettpolster für Notzeiten an;-) Nur sind wir dann so dick, dass wir nicht mehr vom Sessel hochkommen.
    Das sind Luxusprobleme, welche sich für viele Menschen leider nicht stellen.
    Und die im Überangebot, sollten ihre Hirnzellen aktivieren um nicht wie die Neandertaler zu leben.

    • Ja, das stimmt, aber am Lagerfeuer ist es eben schon sehr gemütlich….obwohl man doch, egal wo auf der Welt, auch sehr viele Menschen sieht, die jede Menge Sport treiben, bewusst essen und sich einen Abend am Lagerfeuer verdienen….;-)

  3. Das Phänomen der Dickleibigkeit ist nicht das einzige in den Arabischen Emiraten. Die meisten dicken Leuten leben übrigens in Mexico.
    Viel gravierender ist, dass die meisten Diabetes Typ II Erkrankten in den Arabischen Emiraten und in Malaysia leben.
    Die Ursache ist der übermäßige Konsum von Softdrinks, sog. Sportlerdrinks und – bitte festhalten – Fruchtsäften.
    Die Fruktose in den Fruchtsäften (und anderswo) bewirkt nicht nur, dass keine Sättigung wahrgenommen wird (und daher auch mehr gegessen), sondern lagert sich auch in den Adern ab und verstopft sie. Wir reden hier nicht von Fruktose in Obst, wo sie in Verbindung mit den Faserstoffen einhergeht, sondern von der isolierten Fruktose, die allem als Süßungsmittel zugesetzt wird und auch in den Fruchtsäften steckt.
    Die Gesundheitsbehörden haben also die Getränke als Krankmacher identifiziert, weniger das zusätzlich aufgenommene Essen, so ungesund das auch noch daher kommt.
    Es ist längstens erwiesen, dass nicht das Fett fett macht, sondern die Kohlehydrate, die als Fett im Körper abgelagert werden, daher ist das Butter sparen absoluter Blödsinn, solange die Kinder süße Getränke zu sich nehmen.

  4. Es wäre toll wenn es wirklich einige schaffen um zu denken, aber wir haben hier in D ähnliche Probleme. Ungesundes Essen ist billiger als das gesunde, wenn ich, warum auch immer, ein nur sehr kleine Budget für den Monat habe, greife ich also eher zu den ungesunden Sachen, weil sie billiger sind. Ich sehe das grad an mir, ich kann nur in den Billigdiscountern einkaufen und kaufe auch eher ungesunde Sachen bzw. lasse die gesunden Sachen liegen. Meine Jungs werden von einer Packung ungesunder. viel zu süßer Frühstücksflocken eine Woche satt, von 3 Paprika zum selben Preis bekomme ich ein Mittagessen zusammen, na ja zum Teil, weil man ja nicht nur Paprika ißt und dann schmeckt es vielleicht nicht mal (also den Kindern, mir schon) und wird dann am Ende vielleicht entsorgt. Ist ne Geldverschwendung. Du kannst auch ne Fertigpizza statt Frühstücksflocken nehmen, ist ganz ähnlich gelagert. 😦 Mich macht das sehr traurig und ich bin froh das sie wenigstens unter der Woche nach der Schule betreut sind und dort das Essen besser ist.
    Lg Steffi

    • Ich habe unser Budget für Essen auch seit längerem total runtergeschraubt, kaufe aber immer noch sehr viel Obst, Gemüse und koche fast immer „frisch“….was aber auch der Diabetes meiner jüngeren Tochter liegt, auch wenn das Budget dann woanders knapper ausfällt, möchte ich gerade ihr auf keinen Fall die ganzen Fertigsachen geben, die sind nämlich meist so vollgestopft mit ungesunden Kohlenhydraten, dass ich ihr das nicht antun will und ich kann an ihren Blutzuckerwerten meistens ganz gut sehen, ob wir einen gesunden oder einen ungesunden Tag hatten….;-)

      • ja sicher, da ist auch ein wenig müssen dabei, aber meine sind gesund und extrem wählerisch beim essen, lassen vieles liegen oder verweigern es, ich würde auch lieber eher was gesundes kochen, aber bei nem Budget von knapp 200 Euro im Monat überlegste dir halt was du kaufst. 🙂

  5. Die Idee finde ich gut, da so offenbar dem Thema eine andere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Vielleicht passiert ja in diesem und jenem Kopf etwas.
    Langfristig gesehen aber ahne ich, dass nur dauerhafte Aufklärung über Schulen und Medien, Krankenkassen etc. zum Umdenken beitragen kann. Sonst siegt der schnelle Kick beim Futterfassen 😉

    • Das lustige ist, dass in vielen Schulen – wie Trixi oben schon geschrieben hat – sehr auf gesundes Essen geachtet wird. In vielen Schulen sind Süßigkeiten komplett verboten (was ich auch wieder übertrieben finde), dazu kommt dann teilweise noch totales Verbot von Nüssen (wegen Allergien) und wenn man es ganz hart getroffen hat von Schweinefleisch (wegen der Religion), da wird es dann irgendwann schwer, dem Kind abwechslungsreiches Essen mitzugeben….;-)

  6. Es müsste jeder bei sich selbst beginnen mit dem Umdenken. Früher kochte man selbst und da waren keine Geschmacksverstärker und künstliche Zusätze auffindbar in den Mahlzeiten, die letztendlich auch die Übeltäter der Misere sind. All die Limonaden waren auch nicht erhältlich und man trank Wasser. Das Wissen darum, was gesund ist und was nicht, ist in Wahrheit in jedem von uns verankert, aber es umzusetzen eine Spur zu unbequem. Daran ändern auch Aufklärungskampagnen nichts und die Entscheidung, was wir in unsere Futterluke hineinschieben, treffen wir nach wie vor selbst 😉

    • Das stimmt wahrscheinlich, siehe das Beispiel mit den Schulen, da kriegen die Kinder hier schon beigebracht, was „gutes“ und was „schlechtes“ Essen ist, aber es scheint keinen großen Einfluss zu haben…

  7. Dem Argument, dass ungesundes Essen billiger ist, möchte ich widersprechen. Unser Minibudget reicht auch nur für den Discounter. Ich backe seit einiger Zeit beispielsweise das Brot selbst. Auf dem Markt bekommt man das Gemüse und das Obst am Ende der Marktzeit wesentlich billiger, weil die Händler das Zeug nicht wieder mitnehmen wollen.
    Frühstücksflocken lassen wir uns 5-Kiloweise von einer Mühle schicken, ebenso wie Mehl, und das macht sich preislich bemerkbar.
    Gesunde Sachen nähren besser und halten länger satt, so dass man auch keine (teuren) Zwischendurchmahlzeiten oder Süßkram braucht.
    Seit der Umstellung auf ursprüngliche Kost und dem Weglassen von Fertigwaren, Süßwaren und vor Frucht- und Sodagetränken haben sich die Lebensmittelkosten um 20% verringert und die Qualität entscheidend verbessert.
    Gesunde Kost und das Weglassen von Billigmampf und Zucker ist gerade für Kinder einer der wichtigsten Bausteine überhaupt. Für mich war das ein Grund, mich zum einen mehr mit gesunder Ernährung zu befassen und zum anderen zu schauen, welche Sachen verzichtbar sind. Und da findet sich erstaunlicherweise viel, wenn man genau alles durchkalkuliert.

  8. Ich war während des Deutschland-Urlaubes jetzt auch viel beim Discounter einkaufen und war eigentlich positiv überrascht, wie günstig recht gutes Obst und Gemüse dort waren (natürlich kein Bio), wobei wenn man dann die ganzen Gewürze und Zutaten für eine komplette Mahlzeit dazurechnet, ist es wahrscheinlich schon fast günstiger ein Fertigprodukt zu kaufen – deren niedrige Preise mich übrigens auch umgehauen haben…aber es stimmt auf jeden Fall, dass Süßigkeiten ziemlich ins Budget gehen…

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