Der Hund, das Shampoo & Ich

Die moderne Welt ist anstrengend. Ständig gibt es Neues, Hunderte von Möglichkeiten bieten sich einem, man kriegt die Handtasche kaum noch zu, so viele Smartphones, Tablets und andere Gadgets hat man darin und ständig muss man irgendeine Entscheidung treffen.

Bislang war mein Hund mein Ruhepol in dieser hektischen Welt. So ein Hund ist ausgesprochen verlässlich: Er freut sich immer, wenn er einen sieht, selbst man nur mal kurz im anderen Zimmer war. Der Hund frisst, was ihm vorgesetzt wird und das ohne Maulen. Er gibt keine Widerworte, muss keine Hausaufgaben machen, kennt sich mit dem Computer nicht besser aus als man selber und will vor allem nicht ständig irgendein neues Spielzeug, weil die anderen das auch alle haben. Kurz und gut, so ein Hund ist der bessere Mensch und verlangt einem keine großen Entscheidungen oder Veränderungen ab.

Bis gestern. Plötzlich ist der vierbeinige Freund ist nicht mehr mein Ruhepol. Vorbei. Warum? Der Hund brauchte ein Bad. Was die moderne Welt, mein zerstörter Ruhepol, der Hund und sein Bad miteinander zu tun haben? Alles.

Es begann damit, dass der Hund ein wenig streng roch. Überall, nicht nur aus dem Mund. Außerdem kratzte er sich ständig. Alle Zeichen deuteten auf eins hin – das Viech war dreckig. Ich, gute Hundebesitzerin, die ich bin, ging also in die Tierhandlung und damit war mein Schicksal und das des Ruhepols besiegelt.

Seit Jahren ignoriere ich konsequent das stetig wachsende Angebot an Hundefutter und kaufe stur die Bröckchen, die alle meine Hunde schon immer gekriegt haben. Futter für den aktiven, den sensiblen, den allergischen, den großen, den kleinen, den mittleren, den übergewichtigen, den braunen, den schwarzen, den gestreiften Hund beachte ich nicht. Wahrscheinlich wäre mein Hund doppelt so groß, schön und hätte Punkte, wenn ich ihm nur endlich mal das „passende“ Futter kaufen würde.

Vom Leinen-Angebot in der Tierhandlung, das mich ungemein an die Auslage des Sex-Shops erinnert, über dem ich vor ein paar Jahren mal gewohnt habe, will ich gar nicht erst anfangen. Lack, Leder, Gummi, Metall – alles da.

Auch gestern ließ ich mich vom reichhaltigen Angebot der Tierhandlung nicht beirren, sondern fragte die Verkäuferin schlicht, ob sie denn wohl auch Hundeshampoo da hätten. Sie hatten. Shampoo, Spülung, Packung für feines, dichtes, wolliges, fettiges oder auch trockenes Hundehaar. Es gab Shampoo mit Aloe Vera, mit Kokosnuss, mit Seidenprotein, mit Ginseng, mit Kürbiswurzel oder auch mongolischem Elefantenhoden. Shampoo fürs Hundebaby und den Hundesenior („Im Alter hat das Hundehaar andere Ansprüche“). Alles da. Und ich mitten drin.

Und jetzt ist der Hund nicht mehr der Ruhepol in meinem Leben – nach 45 schwierigen Minuten hatte ich endlich das – hoffentlich –richtige Shampoo für den Hund ausgesucht. Kann denn nichts einfach mal einfach sein? Immerhin der Hund ist jetzt sauber, sein Fell glänzt und er duftet nach Kokosnuss-Limette. Vielleicht benutze ich das Shampoo demnächst auch mal.

P.S. Ja, ich sehe sie schon eintrudeln, die Kommentare, warum ich den Hund denn nicht einfach mit meinem eigenen Shampoo gewaschen habe? Das frage ich mich jetzt auch. Hinterher ist man immer schlauer.

P.P.S: Es gab auch Katzenshampoo.

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14 Gedanken zu „Der Hund, das Shampoo & Ich

  1. Du kannst auch zu Spinneys gehen, greifst ins Regal und nimmst das Erstbeste.;) Aber der Mensch soll bekanntlich an allem sparen, nur nicht an seinem Hund….

      • LOL – nagut! Wundert mich eh, das Dein Hund sich waschen lässt, meinen spritz ich ab und zu mit dem Gartenschlauch ab, muss mich dazu
        allerdings quasi auf sie draufsetzen und bin danach nass und voller Hundefell – hat was von teeren und federn.

      • Wer hat gesagt, dass mein Hund sich waschen lässt? Zu dritt mussten wir ihn festhalten und ein Kind hat ihr ständig Leckerchen gegeben…;-)..und das alles bei dem tollen Shampoo…undankbare Töle…leider war der Köter vom ständigen Sandrollen so staubig und dreckig, dass Abspritzen allein nix mehr gebracht hätte…;-)

  2. Herrlich, kann Dir aber nur aus tiefstem Herzen zustimmen. Das ganze gibt es auch in Katzenversion, das Futterangebot von Ryoal Canin gleich hier eher einer Psychotherapie und die Saecke werden immer groesser, damit der Hersteller auch alles draufschreiben kann. Beim letzten Mal habe ich tatsaechlich „Futter fuer die reife, sterilisierte, weibliche (ach was) Katze mit langem Fell, die aktiv ist, einen empfindlichen Magen hat und gerne Haarbaelle bricht“gesehen…
    Katzenshampoo habe ich auch schon gesehen, aber fuer Wunder ist unser Dorfpfarrer zustaendig 😉

    • sterilisieren kann man auch männliche Tiere. Kastrieren ist Hode/ Eierstöcke/ Gebärmutter raus-sterilisieren ist Durchtrennen der Samen-/ Eileiter. Ende des Klugsche*sskommentares 😀

  3. Dann kann ich ja froh sein , das ich da wohne wo ich wohne. Für mich ist das beste gerade gut genug , ich habe eine Auswahl an Designerklamotten und stinken darf ich nach Eau de Gänsekacke! 🙂
    Liebe Grüsse Diva

  4. Also mein felliger Hausfreund wird mit Kernseife gewaschen. Ideal, wenn du die in flüssig hast. Der duftet dann zwar nicht nach Blumenwiese, aber a) soll das ein Hund eh nicht, b) ist Kernseife super für die Rückfettung und c) schweineaffengünstig.
    Eigenes Shampoo würd ich nicht empfehlen, da riecht er dann erst recht komisch und so besonders toll für die Hundehaut ist das auch nicht…

  5. Pingback: Farbwahl | Anne Harenberg - Die Wüste & Ich

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