Münchhausen auf der Spur

Lügen haben angeblich kurze Beine und so sollte es theoretisch allein optisch ein leichtes sein, einen Lügner zu überführen. Praktisch ist es alles andere als einfach rauszukriegen ob der Ehemann, Freunde, Kinder, Verwandte, der Chef oder wer auch immer einen gerade anlügen.

Wer in Dubai wohnt, kann dies nun ändern. Ein Unternehmen bietet einen drei stündigen Kurs zur Lügenerkennung an. Danach sei der Teilnehmer in der Lage, die Lügen seines Gegenübers anhand dessen Körperhaltung oder Gesichtsausdruck zu erkennen. Und das alles für nur 79 Dirhams oder gerade mal etwas mehr als 15 Euro – ungelogen!

Mal davon abgesehen, dass man ein solches Angebot für eine große Lüge halten könnte, finde ich, der Kurs geht sowieso am Thema vorbei. Viel interessanter als herauszufinden, ob jemand lügt, ist doch warum er lügt. Gut, beim fremdgehenden Ehemann der die Nacht außer Haus verbracht hat, ist klar, warum er lügt. Aber wer hat sich, wenn er einen anderem Menschen beim Lügen ertappt hat, nicht schon mal gefragt, warum hat der mir jetzt diesen Bären aufgebunden?

Für mich zum Beispiel ist es heute ein Rätsel, warum meine ältere Tochter mich vor geraumer Zeit wegen einer Schulaufführung angelogen hat. Wochenlang war sie aufgeregt wegen der Aufführung, bei der ihre ganze Klasse ein Lied singen und jeder einzelne Schüler ein kurzes Gedicht vortragen sollte. Gute Mutter, die ich bekanntermaßen bin, half ich meinem Nachwuchs nachmittags brav beim Auswendiglernen des Gedichtes und des Liedes.

Schließlich kam der große Tag und die versammelte Elternschaft begutachtete in der Aula der Schule die Darbietungen ihrer Sprößlinge. Schließlich war die Klasse meiner Tochter an der Reihe. Die Truppe trällerte fröhlich das eingeübte Lied und verließ dann die Bühne. Leicht enttäuscht nahm ich an, für das mit Mühe auswendiggelernte Gedicht sei die Zeit wohl zu knapp geworden.

Nach der Aufführung traf ich die Lehrerin meiner Tochter beim Rausgehen und gratulierte ihr zu der gelungenen Aufführung.
„Nur schade, dass die Zeit für das Gedicht nicht mehr gereicht hat“, tat ich mein Bedauern, dass mein Kind sein Auswendiglernkönnen nun nicht der Welt hatte präsentieren dürfen.
Die Frau sah mich erstaunt an: „Welches Gedicht?“

Wie gesagt, auch viele Wochen später frage ich mich noch, was genau hat meine Tochter von dieser Lüge gehabt, außer, dass sie ein Gedicht gelernt hat, das sie gar nicht lernen musste?

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6 Gedanken zu „Münchhausen auf der Spur

  1. Hast Du Sie denn mal gefragt? Das würde mich ja auch mal interessieren. Ist ja schon außergewöhnlich deswegen zu lügen. Wenn dann ist es doch eher umgekehrt, das man keine Lust hat ein Gedicht zu lernen und deshalb sagt man muss nichts lernen. Vielleicht hat sie auch einfach was falsch verstanden.
    LG frische Prinzessin

    • Ja, klar habe ich sie gefragt…sie hat nur gegrinst! Meine Vermutung ist, dass sie einfach entdeckt hat, dass man lügen kann und Mama nicht immer sofort merkt, dass man lügt…falsch verstanden hat sie es definitiv nicht, sie hat sich das Gedicht sogar selber ausgedacht…Lügen hin oder her, man muss ihr lassen, kreativ ist sie!!

  2. Mit mittlerweile 11 Jahren Erfahrung im Sektor Schulauffuehrungen kann ich Dir drei Loesungsvorschlaege bieten:
    a) Mama, ich wollte etwas Zeit mit Dir verbringen…(im Fernsehen kam eh gerade nichts Gutes!)
    b) alle lernen ein Gedicht, ich will auch!!
    c) ich habe das falsch verstanden und wollte den Fehler nachher nicht mehr eingestehen, vielleicht merkt sie es ja nicht …
    Lass mich wissen, was Deine Tochter gesagt hat, die Liste laesst sich bestimmt noch erweitern…;-))

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