Passiv-aggressiv

In Dubai gibt es den ein oder anderen aggressiven Autofahrer – Hupkonzert, Drängeln, Lichthupe, alles gerne genommen. Natürlich bin ich ganz anders. Sehe ich einen Drängler, verstecke ich mich sofort auf der ganz rechten Spur, ich fahre nie zu schnell und in fast 7 Jahren in Dubai habe ich noch nicht mal ein Ticket für falsches Parken bekommen. Eigentlich rechne ich täglich damit, dass Scheich Mohammed persönlich bei mir anklopft und mir eine Medaille umhängt.

Denn wie alle anderen, sieht auch er nur das Äußere meines Autos. Was im Innenraum passiert, ist eine andere Geschichte. Da werden die anderen –aggressiven – Autofahrer von mir aufs Übelste verflucht, beschimpft und verdammt. Aber immer nur gemurmelt, natürlich, ich würde ja nie schreien.

So auch gestern mal wieder, als ich mit den Kindern nach dem Schwimmen noch schnell beim Supermarkt in unserem Wohngebiet fuhr, um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Dies war schnell erledigt, das Verlassen des total überfüllten Parkplatzes dagegen gestaltete sich schwierig.

Es begann damit, dass rechts und links neben meinem kleinen, himmelblauen Hyundai zwei gigantische, schwarze Ozeantanker geparkt hatten. Es war ein bisschen wie aus einem engen, dunklen Tunnel ausparken. Was nicht vereinfacht wurde durch die Tatsache, dass es gegen die Ehre aller anderen Autofahrer zu verstoßen schien, mich rauszulassen. Stoßstange an Stoßstange fuhren sie an mir vorbei.

Gott sei Dank habe ich für solche Gelegenheiten eine Lösung gefunden. Millimeter für Millimeter fahre ich langsam aus der Parklücke, bis der „point of no return“ erreicht ist: Der himmelblaue Popo meinen Autos ist so weit aus der Parklücke raus, dass das nächste Auto mich vorlassen muss. Dachte ich zumindest und hat bis gestern auch immer geklappt. Der Porschefahrer, der sich meinem Autopopo zügig näherte, sah das wohl anders und fuhr so nah an mich ran, dass gar nichts mehr ging: Er kam nicht vorbei und ich nicht raus.

„Fahr da weg, du Blödian“, murmelte der Bierkutscher in mir und ließ ein dezentes: „So, ein Ar…“ folgen.

Plötzlich hörte ich meine ältere Tochter vom Rücksitz schluchzen. Ein Blick zurück der irritierten Mutter offenbarte Tränen in ihrem Gesicht.

„Was ist jetzt schon wieder“, fragte ich leicht gereizt nach, da sich die Parksituation immer noch nicht aufgelöst hatte.

„Ich habe dich gefragt, ob ich eine schöne Stimme habe“, schluchzte die Tochter, die seit kurzem im Schulchor singt, verzweifelt, „und du hast gesagt: Nein, du Ars…!“

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7 Gedanken zu „Passiv-aggressiv

  1. Das arme Kind, die Zukunft eh schon ruiniert, weil sie nicht auf die Praesidenten-Toechter-Super-Schule darf, nun auch die Gesangskarriere im Ansatz zerstoert.
    Das sind Momente, die ich liebe: im Auto eingekeilt, an der Stossstange klebt ein Porsche mit eingebauter Vorfahrt und auf der Rueckbank muss man psychologische Schadensbegrenzung betreiben..
    Ich wuensche dir einen schoenen Tag..

  2. Sieh es einfach praktisch: Dieter Bohlen wird sie nie beleidigen können. Und beim Singen strengt sie sich nun noch mehr an.
    Bin mir sicher: Ein guter Keks kann in diesem Alter die Wunden noch heilen. Und ein netter Spruch. 😉

  3. LOL
    Unter Deinem Beitrag war/ist ein Video, auf dessem Teaser-Bild ein blondes Mädchen auf einem Autositz zu sehen ist. Ich dachte, das sei ein Film von Deiner Tochter – singend – und klickte es an.
    Ich glaube, es ist doch nicht Deine Tochter, außer sie hat schwarze Klebestreifen auf ihren Nippeln und Du fährst im schnellen Tempo über eine holprige Strecke.

    kichernd,
    Pfundi

  4. Du hast mein herzliches Mitgefühl, was die Situation auf der Straße oder eben dem Parkplatz betrifft. Scheinbar ist das im Süden immer so. Man sollte mal untersuchen, womit das zusammenhängt.

    Deine Tochter ist hoffentliich mit Beteuerungen und notfalls einer kleinen Bestechung davon zu überzeugen gewesen, dass sie nicht gemeint war. 😉

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