Der Schatten in meinem Baum

Frühstück im Garten. Die Temperaturen sind wunderbar, die Kinder haben Ferien. Das Leben ist schön. Ich trinke entspannt meinen Kaffee, als ich einen Schatten durch einen Baum huschen sehe. Einen großen Schatten.

„Das kann nicht sein“, denke ich mir und wende mich wieder meinem Kaffee zu.

Da wieder. Ein riesiger Schatten huscht durch den ebenfalls riesigen Baum, der neben dem Haus steht.

„Was ist das?“, sage ich leise zu mir selber und schaue etwas genauer hin. Ich sehe einen Mann in fremdländischer Beutelhose, der sich wie ein Affe von Ast zu Ast schwingt. Sandokan trifft Herrn Nilsson.

Mmh. Ich denke gerade: „Was macht Herr Sandokan in meinem Baum?“, als selbiger ein riesiges Brotmesser aus seinem Gurt zieht und damit herumfuchtelt.

Jetzt wird mir doch ein wenig flau in der Magengegend. Ich sehe den Hund an, der treuherzig zurückschaut. Von der Seite ist keine Hilfe zu erwarten. Ich stehe vorsichtig auf, damit Herr Sandokan nicht merkt, was ich vorhabe und versuche, wie eine Katze langsam in die Küche zu schleichen, um die Polizei zu rufen.

Da! Oh mein Gott, was war das? Ein fürchterliches Geräusch, eine Art grausames Krachen, erfüllt den Garten. Mit allem Mut, den ich aufbringen kann, schaue ich durch das Küchenfenster nach draußen. Herr Sandokan säbelt mit seinem Brotmesser an den Ästen des Baumes herum. Der erste, fulminante Ast liegt bereits auf meiner Terrasse.

Da fällt es mir wieder ein. Ich hatte den Gärtner am Vorabend gefragt, ob er vielleicht bei Gelegenheit die beiden riesigen Bäume im Garten, deren Wurzeln alles zerstören, fällen könne. Offensichtlich kann er. Wäre schön, wenn er mir gesagt hätte, dass „gelegentlich“ am nächsten Morgen um 7.14 Uhr bedeutet.

Puh. Ich gehe zurück in den Garten und begrüße Herrn Sandokan freundlich. Die „Säge“, die er in der Hand hält, ist tatsächlich nur wenig größer als mein Brotmesser. Baumfällen auf arabisch.

Baumfällen auf arabisch

Herr Sandokan

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14 Gedanken zu „Der Schatten in meinem Baum

  1. Man ist das der Wahnsinn bei dir ;-)! Morgens um 7 sogar schon! Der Typ ist ja wohl endcool……brauch ich keinen 50iger Jahre Sandokahnfilm mehr anzuschauen……hahahaha!!! I love Dubai sooooooooo sehr!!!!!! GlG Anne

  2. Puh! Mir wäre bestimmt das Herz stehen geblieben vor Schreck! Davon unabhängig: Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz gibt’s anscheinend nicht, oder? Das sieht doch sehr abenteuerlich aus, wie der Gärter da an dem Baum herumsäbelt.

    • Ne, Sicherheitsmaßnahmen gibt es nicht, darum kann man auch Abends um halb sechs sagen „Ich will die Bäume nicht mehr“ und am nächsten Morgen um kurz nach Sieben geht es los….ist immer eine Frage des was ist richtig: Was in Europa manchmal übertrieben wird, wird hier untertrieben….

  3. Jetzt habe ich mir das Messer mal in der Vergroesserung angesehen. Das Ding muss ja unglaublich scharf sein… Mach bloss keinen Quatsch beim Bezahlen 😉

  4. Hmm, da stimmt aber wirklich etwas nicht… Bei uns hieß „gelegentlich“ eigentlich immer „in ca. 1 Jahr nach der 28. Erinnerung“.

    Liebe Grüße Karin

  5. Nix „Baumfällen auf arabisch“! Genau so ein Säglein hab ich auch und fälle damit Bäume wie bei dir im Garten. Zugegeben, mein Nachbar schaut dann auch immer etwas komisch! Der nennt aber auch zwei schnuckelige Kettensägen sein Eigen……
    Chris

  6. Pingback: Plagen | Anne Harenberg - Die Wüste & Ich

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