Sommer, Sonne, Eis und Schnee

Sommerferien. Juhu! Nicht mehr mitten in der Nacht aufstehen, um Pausenbrote und Frühstück vorzubereiten und mit dem Hund noch vor Schulbeginn spazieren zu gehen. Sommerferien. Oh Gott! Die Kinder sind den ganzen Tag zu Hause.

Zu allem Überfluss ist Ramadan und alle Restaurants haben tagsüber zu, da die Muslime im Fastenmonat erst nach Sonnenuntergang essen dürfen. Erwachsene, egal welcher Religion sie angehören, lassen sich besser in der Öffentlichkeit nicht beim Essen erwischen. Ein längerer Ausflug in die Mall bietet sich eher nicht an. Kino ebenfalls nicht, das ist für die Kinder ohne Popcorn unvorstellbar.

Vielleicht ein Besuch im Wasserpark, überlege ich. Wäre praktisch, bei dem Wetter. Die Temperaturen erreichen tagsüber locker 45 Grad und die beliebten Bilder von Menschen, die Spiegeleier auf ihren Autohauben braten geistern durchs Internet. Dummerweise darf man während des Ramadans tagsüber auch nicht in der Öffentlichkeit trinken. Plötzlich sind mehrere Stunden Wasserpark nicht mehr ganz so verlockend, es sei denn natürlich, man liebt den Geschmack von heimlich im Pool getrunkenen Chlorwasser.

Wir schleppen uns schon in den ersten Ferientagen mühevoll von Stunde zu Stunde, den Kindern ist langweilig, ich bin genervt. Dann, ohne Vorankündigung sind die Kinder verschwunden. Ich höre nur Kichern und leises Singen. Eine Stunde später taucht die ältere Tochter auf und sagt den meist gefürchteten Satz jeder Mutter nach „Ich habe Durchfall und es nicht mehr bis zur Toilette geschafft!“:

„Mama, wir haben eine Show für dich vorbereitet.“

Es ist unmöglich nachzuzählen wie viele Stunden ich in den letzten Jahren damit verbracht habe, die Eigenproduktionen meiner Kinder zu bestaunen, die für gewöhnlich aus nachgekrähten Liedern und unbeholfenen Tanzeinlagen – natürlich auf keinen Fall im Rhythmus der Musik – bestehen.

Doch die Inszenierung, die ich diesmal zu sehen bekommen ist etwas Besonderes. Und das nicht nur, weil ich von den Künstlern in den Garten gebeten werde, wo ich sofort das Gefühl habe, man habe mir ein nasses, warmes Handtuch ins Gesicht geklatscht, so hoch ist die Luftfeuchtigkeit. Oder weil meine Kleidung binnen weniger Sekunden durchschwitzt ist und ich vor lauter Hitze keine Luft mehr zu bekommen scheine. Oder weil der Hund, der sonst stets an meiner Seite weilt, im klimatisierten Wohnzimmer geblieben ist, da er sein eigenes Überleben offensichtlich über die Treue zu mir stellt. Ein schlaues Tier. Nein, es ist vor allem das Lied, das mein Nachwuchs bei 45 Grad im Schatten zum Besten gibt und das im krassen Gegensatz zur uns umgebenden Wüstenkulisse steht: „Ich lass los“ aus dem Film die Schneekönigin.

Die Aufführung gipfelt, untermalt von den schlappen Bewegungen zweier schwitzender Kinder mit hochroten Köpfen, in der Textzeile: „Die Kälte, sie ist nun ein Teil von mir!“

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7 Gedanken zu „Sommer, Sonne, Eis und Schnee

  1. Filmen, filmen, alles filmen! Wenn Sie dann mit 18 Jahren Dein Auto beschlagnahmen wollen hast Du perfektes Material, um dem entgegenzuwirken. Und dann erst wird die Kaelte ein Teil von Ihnen werden 😉

    • Ja, wenn sie 18 sind und dem ersten Freund (ich weiß, reines Wunschdenken, der kommt wahrscheinlich mit 13 ins Haus) die Sichtung des alten Materials angeboten wird, dann habe ich etwas in der Hand…;-)

  2. Eben, die Drohung, daß Du es auf Youtube veröffentlichst………Für die nächsten Jahre hast Du erstklassiges Erpressungsmaterial.

    Ansonsten geht es mir genauso, die Kinder seit 5 Tagen zu Hause und 2 ganze Monate stehen mir noch bevor………..

    • Das Problem ist, die ältere Tochter wünscht sich nichts mehr als einen Youtube-account, wo sie alle möglichen Filmchen von sich einstellen kann…so komm ich nicht weiter…;-)

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