Wir warten aufs…Essen

Seit sieben Jahren lebe ich in Dubai und die Stadt kann mich immer noch überraschen. Wie letztens, als ich mit meinen Kindern am Abend in die Dubai Mall gefahren bin und geradezu gespenstische Szenen im Food Court erlebt habe.

Zur Zeit ist Ramadan, was bedeutet die muslimischen Bewohner der Stadt fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und alle anderen machen mit – zumindest in der Öffentlichkeit. Was Nicht-Muslime in den eigenen vier Wänden tun, ist ihre Sache, aber sobald sie auf die Straße gehen, wird eine Strafe fällig, wenn sie sich tagsüber beim Essen oder Trinken erwischen lassen.

Mir persönlich war der Ramadan in den letzten Jahren ziemlich egal, da er mitten in die Sommerferien fiel und wir für gewöhnlich bereits in Deutschland waren. Dieses Jahr jedoch begann der Ramadan schon Ende Juni und die beiden Töchter und ich weilen vor Ort.

Wobei „weilen“ das falsche Wort ist, ein „lang“ gehört davor. Wir langweilen uns. Wie schon vor ein paar Tagen beschrieben, ist es nicht ganz einfach sich bei 45 Grad im Schatten und gleichzeitigem Ess- und Trinkverbot außer Haus zu beschäftigen.

Fahren wir doch mal abends in die Mall, dachte ich mir daher, dann können wir nach dem „Fastenbrechen“ Essen gehen. Gesagt, getan und wir erlebten ein ganz besonderes Schauspiel.

Sonnenuntergang ist im Juli gegen 19.15 Uhr. Doch bereits um 18.30 Uhr bilden sich lange Schlangen vor den Restaurants in der Dubai Mall. Ich laufe mit den Töchtern noch ein wenig durch die Mall, gegen 19 Uhr gehen wir zum Food Court in der ersten Etage. Dieser ist bereits voll besetzt, alles Fast-Food-Ketten sind geöffnet, auch hier lange Schlangen. Es herrscht dennoch eine gespenstische Stille. Ich kaufe den Töchtern einen Hot Dog, einen Sitzplatz finden wir nicht. Alle Tische sind besetzt mit schweigenden Menschen, die ihr bereits vor sich stehendes Abendessen anstarren.

Wir stellen uns an eine Ecke, die Töchter fangen ungeniert an zu futtern (Kinder müssen nicht fasten) und bekommen den ein oder anderen sehnsuchtsvollen Blick zugeworfen. Endlich, um 19.16 Uhr erklingt die Stimme des Muezzins, der das Abendgebet und damit das Ende des Fastens einläutet. Doch von dem Gebet, das über Lautsprecher in der gesamten Mall übertragen wird, ist schnell nichts mehr zu hören. Der Geräuschpegel steigt von Null auf Hundert, überall wird gelacht, geredet und vor allem gegessen.

Was jedoch am meisten verwundert: Höchstens ein Viertel der Anwesenden sind Muslime. Der Rest der Food-Court-Besucher hätte sich daheim längst satt essen können.

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5 Gedanken zu „Wir warten aufs…Essen

  1. Wie krass! Ich hatte glatt eine Gänsehaut, denn das mit der gespenstischen Ruhe klingt echt unheimlich. Und ich kann mir kaum vorstellen, wie seltsam das erst ist, wenn man es selbst erlebt. Nur gut, dass es dann vorbei war, als sie endlich essen druften.

    Liebe Grüße, Carmen

  2. Jajajaja…..genauso haben wir das auch erlebt und uns fast schlapp gelacht. Manchmal sind wir einfach zum Trinken oder Essen auf die Großraumundmegasaubertoiletten in der Dubai Mall gegangen und haben uns unter den Wänden das Futter und die Getränke durchgereicht. Hat was total Verschwörerisches ;-)))). Nur nicht Knistern……die Toilettenfrau könnt´s hören und den Sherrif rufen! GlG Anne

  3. Gruselig…Ich habe gestern mit einem Maedchen Deutsch gelernt. Nach einer halben Stunden konnten wir uns kaum noch unterhalten, Weil ihr Magenknurren so laut war..Ramadan in Italien!!!

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