Dich mach ich platt!

Ich habe am gestrigen Abend etwas Furchtbares getan. Tun müssen. Ich habe gebügelt. Ja, die Frage ist berechtigt: Wer macht denn so was? Ich bin fest überzeugt, der Mensch ist nicht zum Bügeln auf die Welt gekommen. Es fängt damit an, dass der Mensch wie geboren wird? Genau: NACKT! Und so ist er auch jahrtausendelang durch die Gegend gelaufen und wäre beim Anblick einer Dampfbügelstation glatt in Ohnmacht gefallen.

Erst im 15ten Jahrhundert haben sich irgendwelche adeligen Tussis mit zu viel Tagesfreizeit überlegt, dass sie ihre puffigen Rüschenblüschen und muffigen, unwaschbaren Tüllkleider gern knitterfrei hätten. Und wer muss das jetzt ausbaden? Ich! Früher hatte man für solchen Schwachsinn wenigstens Personal.

Mir ist nicht klar, wie sich das Bügeln in der modernen Welt überhaupt hat halten können. Wahlrecht für alle, sexuelle Revolution, Emanzipation, Gleichgeschlechtliche Ehe – was hat die Menschheit in den vergangenen Jahrhunderten für Fortschritte gemacht, nur vom Bügelzwang hat sie sich nicht befreit.

Und nicht nur das, es gibt Bügel-Besessene. Letzthin erklärte mir eine Bekannte just in dem Moment, als ich überlegte, sie als Freundin in Betracht zu ziehen, sie bügele Unterhosen und Geschirrtücher. Und Tschüss. Die konnte gar nicht so schnell Hemdenbügeln sagen, wie ich aus der Wohnung raus war. Mit solchen Fanatikern möchte ich nichts zu tun haben. Als nächstes heizt die ihre Dampfbügelstation auf, rennt kreischend über die Straße und droht jeden zu verbrühen, der eine Falte in seiner Hose hat.

Überhaupt, das Wort Bügeln muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. B-Ü-G-E-L-N. Bügeln. Büüüügeln. Prügeln. Sülze. Übel. Bügeln. Wie aus einem Guss. Göbeln passt auch gut dazu. Obwohl es ein Ö hat.

Der geneigte Leser ahnt es: Ich habe gestern Abend zwar gebügelt, aber ich „habe nicht fertig“. Mein Bügelkorb ist wie ein Hermann-Kuchen – ich ziehe oben ein Stück raus und unten wächst was Neues nach. Unheimlich. Da laufen einem beim Bügeln kalte Schauder über den schmerzenden Rücken.

Der Korb ist also noch immer nicht leer, dabei habe ich schon jedes zweite ursprünglich fürs Plätten vorgesehene Kleidungsstück zusammengefaltet und mit einem zuversichtlichen „Das geht schon ohne Bügeln“ in den Schrank gelegt.

Und jetzt fällt mir beim besten Willen nichts mehr ein, was ich noch über das Bügeln schreiben könnte um Zeit zu schinden. Ich bin dann mal Wäsche plätten.

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31 Gedanken zu „Dich mach ich platt!

  1. Guten Morgen, liebe Anne! 🙂
    Es gibt ja sogar einen Wettbewerb, der nennt sich Extrrembügeln.
    Das habe ich vor einiger Zeit mal im TV gesehen.
    Damals habe ich noch überlegt, ob ich meine Schwäbische Tante dort anmelde, die bügelt nämlich für ihr Leben gern.
    Igeln hast Du noch vergessen.
    Ich rolle mich nämlich gerne mal ein, wie ein Igel, wenn es um das Bügeln geht. 😉
    Habe einen schönen Tag!
    Gruß Karen

  2. Liebe Anne, auch wenn Du wahrscheinlich im Spontankoma neben Deinem immervollen Buegelkorb zusammengebrochen bist ( Tischlein deck‘ Dich, Knueppel aus dem Sack und Esel Weiss ich nicht mehr, da integriert sich Dein Waeschekorb doch wunderbar. Vielleicht sollte man die Gebrueder Grimm ausgraben und das Maerchen neu schreiben…), musst Du aber doch zugeben, dass es ein herrluiches Gefuehl ist, sich in gebuegelte Bettwaesche zu legen….
    Nicht, dass das heisst, dass ich meine Bettwaesche buegel, aber ich habe da so verschwommene Erinnerungen…
    Ich wuensche Dir einen schoenen Tag

    • An gebügelte Bettwäsche habe ich nur ganz
      verschwommene Erinnerungen. Bin schon froh, dass meinen Kinder nie aufgefallen ist, dass sie verdammt knitterig in ihrer Schuluniform aussahen…;-)

  3. Lach mich schlapp! Eine meiner liebsten Erinnerungen während meiner Großen Reise (18 Monate durch Asien) ist an einen Morgen in Japan: In dem Hostel in Tokyo wohnten einige Engländerinnen, die Englisch-Unterricht erteilten. Das geht in Japan nicht ohne gebügelte weiße Bluse. Also fand ich an jenem Morgen eine junge Dame vor, die mit verbissenem Gesicht und einem winzigen Reisebügeleisen ihr Blüschen bügelte. Ich schaute eine Weile wie gebannt zu. Dann wandte ich mich mit einem seeligen Lächeln ab: Ich wusste, ich würde für die nächsten 12 Monate nicht bügeln müssen! Ein wahrer Glücksmoment, der mir meine Freiheit, mein großes Reiseglück so richtig bewusst machte!
    Und das mit der gebügelten Bettwäsche ist so lange her, da kann ich mich nicht dran erinnern.
    Danke für die schöne Geschichte! LG Ulrike

  4. … ging mir genauso… seither gibts für mich nur noch Weichspüler bügelleicht, das bügelleicht Programm meiner Waschmaschine, Wäsche schön auf Kleiderbügeln aufhängen(schön breit mit Samt überzogen für Hemden und Blusen… nur kein Risiko eingehen, daß ich bei den Schultern was bügeln müsst) und ich schwöre es funktioniert ….. bei fast allem. Das Tischtuch vom letzten Weihnachtsfest werd ich dann ungefähr am 23.12.2014 bügeln. Reicht ja. LG C

    • Oh Gott. Jetzt ist mir Weihnachten verdorben. Und das schon im Juli! Jetzt kann ich bis Heiligabend nur noch an das knitterige Tischtuch ganz unten im Schrank denken…seufz…

  5. Naja. Ich bin also Deine Antagonistin, wenn’s sich ums Bügeln handelt. Ich mag alles glatt (inkl. Gesichtsfalten, ha ha ha) – und ich meine wirklich alles. Wäre schön, dass ich trotzdem kein Leseverbot bekomme 😉

  6. Kübeln passt da auch noch gut zum Wortschatz. Vor allem ist es eine Arbeit ohne Nachhaltigkeit: hat man das Teil gebügelt in den Schrank gelegt ist es mit Sicherheit am nächsten Tag in der Dreckwäsche. Und jetzt gehst du da mal von einem 5 Personenhaushalt aus. …dass ich überhaupt noch Tageslicht sehe.

  7. Ich mag das Abtragen von Bügelwäschebergen auch nicht. Leider aber mag ich es, Blusen zu tragen. Ein unumstößlicher Widerspruch. Leider.
    Der Rest bleibt allerdings ungeplättet.

  8. Bettwäsche bügeln? Unterwäsche bügeln? Oh Gott oh Gott. Hemden bügeln, ok, manchmal muß man das einfach, weil sie zu knitterig sind. Aber den REst muß man doch nur richtig aufhängen, schon wirds schön glatt ohne zu bügeln …

    Ich weiß gar nicht, wo mein Bügeleisen gerade seine Freizeit verbringt …

  9. Isch ‚abe gar kein Bügeleisen…
    Nein, im Ernst, ich besitze kein Bügeleisen. Trage ich Kleidungsstücke, die nach Waschen und Trocknen glatt sind, bin ich glatt gewandet. Trage ich Kleidungsstücke, die eher knittern, bin ich knitterig, da kenn‘ ich nix. 🙂

  10. Ich bügle seit langem schon „a la minute“ – was dringend gebraucht wird bzw. als Dienstkleidung angezogen werden muss, kommt unters heisse Eisen, alles andere wird geflissentlich ignoriert. 😉

    • Seufz, das würde ich auch gerne machen, aber mit zwei Mädchen läuft es bei „a la minute“-Bügeln darauf hinaus, dass es erst Geschrei gibt, weil das T-Shirt nicht da ist und ich trotzdem den ganzen Tag bügele….;-)

    • Das wäre mein Traum, leider bin ich so unbegabt beim Bügeln, dass ich mich aufs Eisen und die Klamotten konzentrieren muss, sonst ist hinterher eine Hand ab, oder schlimmer, ein Kinder-T-Shirt verbrannt….;-)

  11. Ganz praktisch gesehen – (ich mag Bügeln auch nicht..): ein gutes Dampfbügeleisen (am Besten mit einer Station) und die Wäsche nicht voll schleudern, nur halb.. dann im Trockner „antrocknen“ und noch warm und feucht aufhängen (Blusen auf Kleiderbügeln, den Rest möglichst faltenlos). So kommt man zumindest sehr oft ums Bügeln rum und wenn man doch mal Shirts oder Blusen bügeln muss geht es wesentlich schneller! 😉

  12. Hihihi ich verweigere dss bügeln auch. Hab zwar alle nötigen Utensilien da werden aber kaum benutzt. Danke an Weichspüler und Wäschetrockner. Tischdecken hab ich nur zwei und die brauchen mich gebügelt werden. Lediglich mein eines Sommerkleid will geglättet srin. Ich sag selbst Schuld. Dann wird es jeden Sommer einmal getragen und dann gewaschen und für nächstes Jahr hin gehängt. Hihihi einmal bügeln im Jahr schaff ich grad so

  13. Kicher.. ich habe mich gerade schlapp gelacht. Und musste Deinen Post direkt meinem Göttergatten vorlesen. Ich persönlich, habe das Bügeln schon vor Jahren abgeschafft und sollten meine Kinder irgendwann einmal ihre Sachen gebügelt haben wollen, schenkt ihnen bestimmt das Christkind ein Bügeleisen zu Weihnachten.. lach!!

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