Mütter-Einkaufs-Mut-mach-Post

Es ist wirklich alles nur eine Phase. Diese Erkenntnis traf mich gestern wie ein Blitz mitten auf dem Westenhellweg in Dortmund. Ich lief mit meinen Mädchen über die Haupteinkaufsstraße der Stadt als mir plötzlich auffiel, dass meine Kinder nicht maulten, nicht ungebremst gegen andere Passanten rannten, nicht alle zwei Meter ein Eis wollten oder auf die Toilette mussten. In den Geschäften benahmen sie sich ebenfalls wie zivilisierte Menschen und nicht wie Eingeborene eines kurz zuvor entdeckten Amazonas-Stammes bei ihrem ersten Besuch in der großen Stadt.

Das war früher anders. Meine Kinder waren Einkaufsterroristen. Während wir so durch die Geschäfte schlenderten fiel mir ein Blogpost ein, den ich vor zwei Jahren geschrieben habe und den ich unten einfach noch mal anhänge, damit er Millionen Müttern Mut macht: Es ist alles wirklich nur eine Phase! Der Einkaufsterror geht vorbei. Und bis dahin geht man am besten in Dubai einkaufen.

Mit Kindern geht man nicht einkaufen. Punkt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Kinder, egal wie gut erzogen (und meine sind natürlich waaahnsinnig gut erzogen), werden in Geschäften zu reißenden Bestien, die eigentlich nur noch mit einem Betäubungsgewehr zu stoppen sind.

Ich gehe trotzdem gerne und oft mit meinen Kindern in Dubai einkaufen. Warum? Wegen der Verkäuferinnen. Die sind auf eine etwas ungewöhnliche Art ausgesprochen kundenfixiert und freundlich in Dubai.

Sagen wir mal, ich gehe mit meinen beiden entzückenden Kindern zu Zara in der Mall of the Emirates. Der Laden ist so groß, dass die Verkäuferinnen aus der Kinderabteilung die aus der Herrenabteilung noch nie gesehen haben. Kunden werden hier generell nicht beachtet, geschweige denn bedient. Außer natürlich, sie haben Kinder unter 10 Jahren dabei. Am besten Mädchen. Also, bedient wird man deswegen noch lange nicht, aber man muss sich um seine Kinder und dass sie den Laden in Schutt und Asche legen keine Sorgen mehr machen.

Zielstrebig lenke ich meine Kinder in Richtung Sommerkollektion. Sofort entdecken die beiden einen Stapel mit rosa Blusen, der ebenfalls sofort umkippt als Kind Nr. 1 die Hand gierig danach ausstreckt. Pflichtschuldig herrsche ich Kind Nr. 1 an, dass es nichts anfassen soll und stapele die Blusen mehr schlecht als recht wieder auf. Derweil hat Kind Nr. 2 die Gelegenheit genutzt, sich sämtliche Ketten, die am Ständer neben den Blusen hängen, umzutun und heillos zu verknoten. Kind Nr. 2 wird ebenfalls angeherrscht und während ich noch versuche den Kettenknoten zu entwirren, reißt Kind Nr. 1 an einem langen, diesmal gelben, Satinkleid und schreit durch den ganzen Laden „das ist aber schön, Mama, das will ich haben!“

Die ersten Leute sind nun auf uns aufmerksam geworden und ich weiß, jetzt kann es nicht mehr lange dauern bis die Rettung kommt. Und tatsächlich einen umgekippten Stapel T-Shirts später („ich wollte nur deine Größe raussuchen, Mama“) erscheint die erste Verkäuferin auf der Bildfläche. Aber nicht, um mir lebenslängliches Hausverbot zu erteilen. Nein, sie hebt Kind Nr. 1 hoch, das in der Zwischenzeit eine der rosa Blusen übergezogen hat und mit den zu langen Ärmeln so durch die Luft fuchtelt, dass ein weiterer Stapel Kleidung auf der Erde verstreut wird.

„Ist die aber süß,“ strahlt mich die Verkäuferin an. Ich lächele verlegen zurück und schäme mich ein bisschen, weil ich den unentwirrbaren Kettenwust einfach unter einen Rockstapel geschoben habe. Der Verkäuferin ist das herzlich egal, sie strahlt weiter über das ganze Gesicht. Allerdings nicht in meine Richtung, sondern zu meinen Kindern und fragt sie fröhlich: Wollt ihr noch Schuhe dazu anprobieren?“

Wenige Minuten später rennen meine Kinder, zur Freude sämtlicher Verkäuferinnen der Damenabteilung, in Erwachsenenkleidung gehüllt, mit viel zu großen Schuhen und Hüten ausstaffiert und mit Ketten behangen durch Zara. Ich probiere derweil die gesamte Sommerkollektion in Ruhe durch. Ich werde zwar vollkommen ignoriert, aber in diesem Fall ist mir das sehr recht.

Advertisements

9 Gedanken zu „Mütter-Einkaufs-Mut-mach-Post

  1. Ich könnte auch wieder in aller Ruhe shoppen…aber leider hätte ich nur noch am Samstag Zeit und da habe ich keine Lust in die Stadt zu gehen. Darum lebe ich im Moment sehr bescheiden. Arbeiten, mittags Salat, abends zu Hause weiter wursteln, essen, schlafen. Der Lohn bleibt brav auf dem Konto.

  2. Wir hatten in Deutschland (!) eine nette Bedienung in einem chinesischen Restaurant. Nach einem Wutanfall unseres Kleinkindes, weil es nicht mit Stäbchen essen durfte, setzte sie sich auf den Fußboden und spielte mit dem Kind, während wir in Ruhe essen konnten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s