Und plötzlich ist man ganz allein…

So als Mutter ist man ja einiges, aber nie allein. Nicht mal auf dem stillen Örtchen. Zumindest ich nicht. Ich habe nachgezählt, zu Hochzeiten waren wir zu Fünft, wenn ich mal musste: Kind 1, Kind 2, Katze, Hund und ich.

Mag sein, dass andere Mütter es geschafft haben, das stille Örtchen nicht zu einer Art Dorfdisko werden zu lassen, ich habs nicht hingekriegt. Es fing an, als die erste Tochter lernte sich rumzukugeln, plötzlich schien es gefährlich, sie allein irgendwo liegen zu lassen, wenn es pressierte. Also nahm ich sie mit. Als sie krabbeln konnte, krabbelte sie mir entweder von allein hinterher, oder ich nahm sie mit, damit sie nicht wegkrabbelte. Dann kam Tochter Zwei und eins zum anderem. Die begann irgendwann auch zu kugeln und für Tochter Eins war es zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich, dass man als Frau Örtlichkeiten nicht allein aufsucht.

Irgendwann gab es den neuen Hund. Die war ein Baby und wollte nur ungern allein sein. Bis heute ist sie dem Stadium nicht entwachsen. Also folgte sie der Karawane, wenn Frauchen mal musste. Jeglichen Schamgefühls beraubt, fiel es mir gar nicht mehr auf, als der dicke, schwarze Kater sich neugierig unserer kleinen Gesellschaft anschloss. Wer weiß schon, was die da alle treiben auf dem Klo, vielleicht prügeln die sich heimlich, hat er sich wohl gedacht.

Jahrelang ging das so. Dass es Geschäfte gibt, die man am besten hinter geschlossenen Türen tätigt, schien bei uns im Haus niemand zu wissen oder zu interessieren. Bis gestern. Da tat ich mal wieder, was der Mensch halt tun muss. Und plötzlich fiel es mir auf. Ich war ganz allein. Nur der Hund – die treue Seele – lag vor der Badezimmertür. Der Rest der einstmals zu treuen Anhänger? Abtrünnige. Die eine „loomte“ in ihrem Zimmer die zweitausenste Gummiband-Erbeere, die andere saß auf dem Sofa im Wohnzimmer und malte. Der dicke, schwarze Kater schwang irgendwo draußen die Fäuste. Und ich? Ich bin aufgestanden und habe ganz leise die Badezimmertür geschlossen. Daran muss ich mich erst mal wieder gewöhnen.

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8 Gedanken zu „Und plötzlich ist man ganz allein…

  1. Hahahaha, die Badezimmer-Karawane! Guten Morgen und geniesse die Einsamkeit! Wenn es zu schlimm wird brauchst Du ja nur die Tuer aufzumachen…

  2. hihihihi wie wahr, wie wahr, als Mama ist man wirklich selten allein und das Wort Intimsphäre bekommt einen ganz neuen Stellenwert 😉 Und alles zu seiner Zeit, ist diese neu gewonnene „Freiheit“, selbst auf dem stillen Örtchen“ nicht herrlich!
    Einen schönen Start in die neue Woche!
    rosa&limone

  3. Als wir noch in einer Wohnung wohnten, die nur eine Toilette direkt neben der Badewanne hatte, stellte sich bei meinen Kids ein merkwürdiger Pawlowscher Reflex ein: Sobald die Mutter genüsslich in der Badewanne lag, musste die Brut dringend aufs Klo. Und kam da nicht mehr runter. 😉

  4. Sehr schön geschrieben 🙂
    Meine kommen zwar nicht (mehr) mit rein, aber sie haben einen untrüglichen siebten Sinn dafür, wann ich mich gerade auf dem Thron niederlasse. Und ausgerechnet dann stellen sich die weltbewegendsten Fragen, die auf keinen Fall darauf warten können, bis ich fertig bin. „Mamaaa?“ – „Wasssss?!“ – „Mama, kannst du mir am Samstag in drei Wochen, wenn ich zu Pias Geburtstag gehe, bitte Zöpfe flechten?“ – „Grrrrr….Wenn du mich nicht sofort auf dem Klo in Ruhe lässt, rasiere ich dir eine GLATZE!“ (Das letzte denke ich nur^^)
    Schön zu wissen, dass man nicht allein ist 🙂
    LG Schnipseltippse

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