Ü-B-E-R-R-A-S-C-H-U-N-G!!!

Die Schwiegermutter ist wieder – und diesmal geht es ans Eingemachte. Eigentlich hatte ich nie vor einen zweiten Teil von „Schwiegermutter inklusive“ zu schreiben. Doch während der Sommerferien überkam es mich plötzlich und ich hatte jede Menge Ideen, wie man das Schwiegermutter-Drama zu einem würdigen Ende bringen könnte. Inspiriert wurde ich dabei auch von vielen Rezensionen zum ersten Teil „Schwiegermutter inklusive – Einen Mann gibt es selten allein“, die sich gewünscht hätten, dass die Schwiegertochter mal so richtig zurückschlägt. Ich kann versprechen, im zweiten Teil „Schwiegermutter inklusive – Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ tut Schwiegertochter Mira genau das. Obwohl sich der Kampf gegen die übermächtige Schwiegermutter nicht leicht gestaltet. Aber lest selber!

Zum Start des zweiten Teils gibt es beide Bücher übrigens zum Preis von jeweils nur 99 Cents! Also, auch wer „Schwiegermutter inklusive“ noch nicht kennt, jetzt zugreifen, lesen, sich köstlich amüsieren und freuen, dass die eigene Schwiegermutter so schlimm doch gar nicht ist.

Zum Warmlesen hier eine Textprobe von Teil Zwei „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“:

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Prolog

„Schatz, wir sollten uns einen Crosstrainer kaufen!“
Mit diesem schlichten Satz läutete mein Mann den Anfang vom Ende unserer Ehe ein. Natürlich wusste ich das nicht, als Rigoletto ihn aussprach. Was ich jedoch wusste, als ich erstaunt von meinem Buch auf- und meinen Ehemann ansah, war, dass die Metamorphose vollendet war: Rigoletto hatte sich in seine Mutter verwandelt. Oder besser gesagt: in ihr männliches Gegenstück.
Sein Wunsch nach einem Fitnessgerät war so unwirklich, dass er von Ingrid, meiner seit Jahren auf den Fidschi-Inseln verschollenen, aber immer noch tief verhassten Schwiegermutter, hätte stammen können. Rigolettos sportliche Aktivitäten hatten sich in der Vergangenheit darauf beschränkt, die Spiele seines Lieblingsfußballvereins im Bezahlfernsehen zu schauen, bei Toren vom Sofa aufzuspringen und „Meine Jungs!“ zu brüllen. Danach hatte er sich wie eine dicke Kartoffel zurück in die Kissen fallen lassen, mit einer Hand zur Bierflasche und mit der anderen in die Chipstüte neben sich gegriffen. Leicht atemlos pflegte er dann in das zuvor von störenden Kindern und Ehefrauen geräumte Wohnzimmer hinein zu erklären: „Ich bin so aufgeregt, ich habe richtig Herzklopfen.“
Ich vermutete derweil, dass das Herzklopfen eher von der nicht unerheblichen Anstrengung, seinen massiven Körper aus den Tiefen des Sofas hoch zu wuchten, rührte. Denn mein einstmals gutaussehender, schlanker Göttergatte hatte über die Jahre ungefähr 30 Kilo zugenommen und war nun mindestens so dick wie seine Mutter. Genaue Zahlen waren mir nicht bekannt, da Rigoletto sich regelmäßig im Badezimmer einschloss, wenn er sich sonntagmorgens auf die Waage stellte. Für gewöhnlich kam er danach mit unzufriedenem Gesicht aus dem Bad, warf mir vor, ich würde zu „fettig“ kochen und holte sich zur Nervenberuhigung einen Schokoriegel aus dem Süßigkeiten-Fach im Wohnzimmerschrank. Dieses Süßigkeiten-Fach war abschließbar, und Rigoletto war der Alleinherrscher über den Schlüssel, damit die Kinder und ich – allesamt schlank – nicht zu viele ungesunde „Fettmacher“ aßen.
Abgerundet wurde die innerliche und äußerliche Verwandlung meines Ehemanns in die eigene Mutter von seiner Frisur: Rigoletto hatte die Haare immer kurz geschnitten getragen, seit geraumer Zeit jedoch war ihm der monatliche Gang zum Friseur eine zu große Belastung. Lange, wirr gekrauste Haare umrahmten nun sein Gesicht. Es sah aus, als würde er einen überdimensionalen Stahlschwamm zum Auskratzen von Kochtöpfen auf dem Kopf tragen. Wie gesagt, die Metamorphose war perfekt. Es fehlte lediglich die hölzerne Sklavenkette um den Hals, die seine Mutter gerne getragen hatte, um anderen Menschen beim Umarmen damit die Rippen zu zerquetschen.
Manchmal betrachtete ich den Mann, den ich geheiratet hatte, wenn er nachts im Bett neben mir schnarchte, und fragte mich, warum mir zu Beginn unserer Beziehung nie aufgefallen war, was für ein Mensch er wirklich war. Eine der Antworten, die ich fand, war, dass ich so beschäftigt gewesen sein musste, die Attacken seiner fürchterlichen Mutter abzuwehren, dass ich die charakterlichen Schwächen von Rigoletto Hasenbein nicht wahrgenommen hatte. Es war der Treppenwitz meiner eigenen Geschichte: Ich hatte mich im Kampf gegen meine Schwiegermutter um einen Mann aufgerieben, von dem ich später erkennen sollte, dass er es gar nicht wert war.

Selbstverständlich dachte ich an Scheidung. Und das täglich. Mehrmals. Doch ich verfolgte den Gedanken nicht weiter. Was einer meiner zahllosen, großen Fehler war, wie sich bald herausstellen sollte. Bis dahin aber wollte ich die zwar nicht heile, aber immerhin existierende Familienwelt unserer beiden Töchter nicht zerstören. Außerdem, so tröstete ich mich, war mein Leben so schlimm gar nicht. Zumindest nicht bis Punkt 18.30 Uhr, wenn sich der Schlüssel in der Wohnungstür drehte, Rigoletto von der Arbeit nach Hause kam, und das Ritual begann: In der folgenden halben Stunde zog mein Ehemann über das von mir gekochte Essen, den Zustand der Wohnung, die Kleidung, Schulnoten und Freunde seiner Töchter her wie ein tosendes Unwetter. Er ließ eine Generalabrechnung folgen mit allem, was schief lief in der Welt, und an dem seiner Meinung nach natürlich ich alleine Schuld trug. Dann kehrte üblicherweise die berühmte Ruhe nach dem Sturm ein, da Rigoletto sich für den Rest des Abends erschöpft von seinem Ausbruch vor dem Fernseher niederließ und niemand mehr reden durfte. Selbstverständlich beanspruchte mein Ehemann – ganz Sohn seiner Mutter – das Sofa für sich allein, der Rest der Familie musste auf den herangeholten Stühlen vom Esstisch sitzen. Was wir selten taten. Die Kinder verzogen sich meist in ihre Zimmer, wo ich von Zeit zu Zeit Asyl suchte, und wir gemeinsam fernsahen. Oder ich saß am Esstisch am anderen Ende des Wohnzimmers und las. Gelegentlich ging ich mit Freundinnen aus.
Ich war alles in allem weit davon entfernt, glücklich zu sein. Aber ich fand mein Leben erträglich. Vor allem, da meine Schwiegermutter aus ihm verschwunden war. Ingrid war vor zehn Jahren mit ihrem zweiten Ehemann auf die Fidschi-Inseln ausgewandert, wo die beiden ein religiöses Massagezentrum betrieben. Zumindest war dies seinerzeit der Plan gewesen. Ob sie ihn je durchgeführt hatte, war nicht bekannt. Das letzte Lebenszeichen meiner Schwiegermutter war eine Weihnachtskarte vor acht Jahren gewesen. Das Motiv, ein verstörendes Bikini-Bild von Ingrid unter Palmen, verfolgte mich in meinen Träumen. Seit der Karte hatte niemand mehr von ihr gehört. Nicht einmal ihr über alles geliebtes „Rigolettolein“. Welcher einerseits zu bequem war, Nachforschungen anzustellen, wo seine Mutter sich aufhalten könnte, andererseits aber auch nicht müde wurde, ihren Verlust in ausschweifenden Erzählungen über ihre Warm- und Gutherzigkeit, ihre Intelligenz und ihren Fleiß zu beklagen. Mehr als einmal war ich versucht, ihm zu erklären, dass seine Mutter eine Hexe sei und auf den Fidschi-Inseln wohl dort gelandet war, wo sie hin gehörte: in einem Kannibalen-Kochtopf. Nicht etwa, weil die Ureinwohner ihr fettes Fleisch begehrten, sondern damit sie endlich die Klappe halte.
Gelegentlich hatte ich sogenannte „lichte Momente“, in denen ich mir selber eingestand, dass ich einfach zu feige und faul war, um Rigoletto zu verlassen. Genau wie ich einst zu feige und faul gewesen war, ernsthaft gegen meine Schwiegermutter aufzubegehren. Oder Rigoletto schon damals zu verlassen. Gründe hatte es schon zu Beginn unserer Ehe genug gegeben: Zum Beispiel, dass mein Ehemann seine Mutter geradezu vergötterte, und es in seinen Augen unmöglich wahr sein konnte, dass sie auch nur eine winzige Teilschuld an den ständigen Streitereien mit mir trug.
Selbst der Gedanke, dass Ingrid inzwischen offenbar für immer aus unserem Leben verschwunden war, half in jenen Momenten wenig, da ich mich der Tatsache nicht ständig verschließen konnte, dass ich dank Rigolettos Verwandlung nicht nur mit seiner Mutter zusammenlebte, sondern nachts im gleichen Bett mit ihr schlief. Ich war vom Regen in die Traufe gekommen.
Mehr als einmal hatte ich bereits meine Koffer gepackt, um meine Ehe zu beenden. Ebenso oft hatte ich die Koffer eine halbe Stunde später wieder ausgepackt und mir mein Leben so schön geredet, dass ich blieb.
Es war die Anschaffung des Crosstrainers, die mich aus meiner Lethargie aufweckte. Wenn ich geahnt hätte, welche Kraft der folgende Kampf gegen meine Schwiegermutter und ihren Sohn mich kosten würde, hätte ich ihn sicher zum Training genutzt.

1.

„Schatz, wir sollten uns einen Crosstrainer kaufen!“
Ich sah erstaunt vom meinem Buch hoch und hinüber zu meinem Ehemann, der wie ein gestrandeter, aufgedunsener Wal auf dem Sofa lag. Ein bisschen roch er auch so, da er, um morgens länger schlafen zu können, nur noch gelegentlich duschte. Zur Abwechslung hatte Rigoletto den Fernseher an diesem Abend auf lautlos gestellt und hielt sein Laptop auf dem Schoss. Ich hatte bis dahin vermutet, dass Rigoletto seine monatlichen Drohbriefe an das Wasserwerk, die Stadtverwaltung und den Stromversorger geschrieben hatte, weil diese es wagten, Geld für ihre Leistungen zu verlangen. Eine Angewohnheit, die er ebenfalls von seiner Mutter „geerbt“ hatte, die jeden, der ihr eine Rechnung schickte, für einen Parasiten der unerträglichen Wohlstandsgesellschaft, in der sie leben musste, hielt. Offensichtlich war meine Annahme falsch gewesen, und Rigoletto hatte stattdessen Fitnessgeräte im Internet verglichen.
„Ich denke, der Masterburner 8000 wäre das Richtige für uns“, fuhr Rigoletto fort und stopfte sich ein paar Chips in den Mund.
„Warum?“
Ich war an Rigolettos schwachsinnige Anschaffungen gewöhnt, spätestens seitdem er einem Sitzrasenmäher aus dem Sonderangebot des Baumarkts nicht hatte widerstehen können, obwohl wir in unserem Mini-Garten keinen Rasen hatten. Aber ein Crosstrainer? Ich hatte den Wutanfall meines Ehemannes noch vor Augen, als er in unserem letzten Familien-Urlaub im Harz feststellen musste, dass sich unsere Ferienwohnung im ersten Stock ohne Aufzug befand.
„Warum?“ Rigoletto verengte seine Augen zu Schlitzen, wie er es von seiner Mutter als Drohgebärde übernommen hatte, und sagte mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete: „Weil der Masterburner 8000 ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Außerdem bietet das Gerät über 100 verschiedene Einstellungsmöglichkeiten und Programme. Der Abnehm-Erfolg ist garantiert. Darum!“
„Du willst abnehmen?“, fragte ich verblüfft nach und fügte im Geiste an: „Aber warum denn, mein Häschen? Du bist doch schön so, wie du bist. Und die Anschaffung einer Lastenwaage wäre bestimmt eine sinnvollere Alternative als ein Crosstrainer.“
„Ja, ich will abnehmen. Dank deiner Sahnesoßen bin ich in den letzten Jahren etwas rundlich geworden. Ich möchte wieder besser aussehen“, erklärte Rigoletto mir würdevoll. Hätte er nicht im gleichen Moment seine Hand erneut in die Chipstüte gesteckt – wohlmöglich hätte ich ihm geglaubt.
„Wenn du meinst“, sagte ich resigniert und wandte mich meinem Buch zu. Wenn Rigoletto sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, wurde es gemacht. Die Anschaffung des Crosstrainers war beschlossene Sache, egal ob ich mich dagegen wehrte oder nicht.

2.

Zwei Wochen später stand der Masterburner 8000 wie ein Mahnmal gegen zu kleine Behausungen in unserem Schlafzimmer. Bei seinem Wunsch nach einem Crosstrainer hatte mein abnehmwütiger Ehemann vergessen, dass der Keller überfüllt und unsere Wohnung kein Palast mit Extra-Fitnessraum war. So stand der Masterburner in dem schmalen Durchgang zwischen Bett und Schrank, und schon für normalgewichtige Menschen war es nicht einfach, sich an ihm vorbei ins Bad zu quetschen. Für XXL-Rigoletto war es unmöglich. Was ihn nicht störte, sondern anspornte.
„Wir haben den Masterburner angeschafft, um abzunehmen. In drei Wochen passe ich da locker durch!“, erklärte er sieges- und abnehmgewiss.
Ich hatte mir das laute Loslachen über die Aussagen meines Mannes im Laufe unserer Ehe abgewöhnt, musste mich diesmal allerdings zum Fenster wegdrehen, um mein Grinsen vor Rigoletto zu verbergen. So wie ich meinen Mann kannte, war es wahrscheinlicher, dass in Deutschland die Monarchie wieder eingeführt würde, als dass er auf dem Masterburner seine Speckrollen abtrainieren würde.
Doch dieses Mal überraschte Rigoletto mich. Jeden Morgen und jeden Abend absolvierte er ein 30-minütiges Trainingsprogramm. Aus ungeklärten Gründen schien es ihm dabei wichtig, seine Bemühungen ausschließlich in meinem Beisein durchzuführen. Wenn ich morgens aufwachte, stand er bereits auf der Maschine, und erst, wenn ich abends zu Bett ging, war für ihn die Zeit fürs zweite Tagestraining gekommen. An Schlaf war nicht zu denken, da Rigoletto bei jedem Atemzug grunzte, als wolle er in einen Wettstreit mit den Tennisspielern in Wimbledon treten. Außerdem schwitzte er so stark, dass ich bei seinem ersten Training befürchtete, die Decke sei undicht und ein leichter Sommerregen falle aufs Bett. Erstaunlicherweise war der Schweißregen nicht das Schlimmste an Rigolettos Bemühungen, sich vom Sumo-Ringer in Superman zu verwandeln.

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22 Gedanken zu „Ü-B-E-R-R-A-S-C-H-U-N-G!!!

      • Heute werde ich tagsüber versuchen noch einmal Schwiegermutter inclusive zu lesen.
        Wenn es sein muss quer, nur um schon einmal wieder an das Thema zu kommen.
        Wie gesagt, heute Abend lade ich mir dann das neue Buch runter. 🙂
        Die neue Rezension wird allerdings wieder einige Tage dauern.
        Gruß Karen

    • Sind allerdings nur knapp 100 Seiten geworden….das reicht gerade für die Mittagspause. Aber ich wollte nicht die ganze Schwiegermutter-Geschichte noch mal aufrollen, sondern wirklich nur das Finale schreiben. Viel Spaß beim Lesen!!!! Lg,Anne

      • Na egal, und eigentlich gut, weil sonst hau ich mir wieder die Nacht um die Ohren. Grins, weil einmal angefangen ist weg legen einfach so gut wie unmöglich.
        LG Steffi

    • Lies aber auf jeden Fall den ersten Teil zuerst, die beiden Teile bauen aufeinander auf und der zweite Teil ist nur richtig lustig, wenn man weiß, was die Schwiegermutter sich vorher alles geleistet hat…;-). Viel Spaß beim Lesen!

  1. Das hätte mich aber auch sehr gewundert, wenn dem ersten Teil kein zweiter gefolgt wäre. 😉
    Ich habe beim Lesen grade mit dir gelitten, denn ich weiß ebenfalls sehr gut, wie sich der ehemalige Traummann im Laufe der Jahre in einen wandelnden Albtraum verwandeln kann.

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