Die Weihnachts-Geister, die ich rief

Es ist noch nicht mal Anfang Dezember und „Last Christmas“ hängt mir schon zu den Ohren raus. Leider bin ich an meinem Unglück selber Schuld. Ich habe zwei besessene Weihnachtslieder-Freaks großgezogen – man könnte auch sagen, die Geister, die ich rief, sind außer Kontrolle geraten.

Alles begann vor drei Jahren. Da war die ältere Tochter sechs Jahre alt und es lagen 5,5 Weihnachten mit Rolf, seinen Freunden und der Weihnachtsbäckerei hinter mir. Wer jemals in der Weihnachtszeit in der Nähe von Kleinkindern war, weiß wovon ich spreche. Da, wenn es um Kinder geht, bekanntlich alles nur eine Phase ist, dachte ich mir vor drei Jahren, es sei an der Zeit den Weihnachtsliederhorizont des Nachwuchses ein wenig zu erweitern und das Ende der weihnachtlichen Rolf-Phase einzuläuten.

Unbedarft spielte ich ihnen also „Last Christmas“, „Do they know it’s Christmas time“ und „Driving home for Christmas“ vor. Mit mäßigem Erfolg. Das ist man als Mutter gewöhnt, steter Tropfen höhlt den Stein. Vor zwei Jahren machten ich einen weiteren Versucht. Erfolg erneut eher überschaubar. Immerhin, die Weihnachtsbäckerei machte „nur“ noch 90 Prozent der gespielten Weihnachtslieder aus.

Letztes Jahr dann der Durchbruch. Weihnachtsbäckerei gelegentlich, ansonsten wurde – „Oh du Fröhliche“ – gehört, was Mutter in den CD-Spieler tat. Schön war es. Friedlich. Besinnlich. Genau richtig. Wenn ich geahnt hätte, was dieses Jahr passiert, hätte ich Weihnachten letztes Jahr am 26. Dezember abends für abgeschafft erklärt.

Es begann Anfang November.
„Mama, können wir eine CD mit Weihnachtsliedern für das Auto machen?“, fragte die große Tochter.
„Klar, mein Schatz, eine wunderbare Idee“, lautete meine begeisterte Antwort. Ich Narr.
Nach fast 10 Jahren mit Kindern hätte ich wissen müssen, was kommt. Und bedenken müssen, dass wir jeden Tag mindestens eine Stunde auf dem Weg zur Schule und zurück gemeinsam im Auto verbringen.

Zwar haben 15 Weihnachtslieder ihren Weg auf die CD gefunden, aber kaum war sie abspielbereit ging es los:

„Mama!!!! Ich will im Auto Nummer 4 hören!“, kreischt Tochter Eins, wenn ich nur den Autoschlüssel anschaue.
„Danach hören wir Nummer 6!!“, tönt Tochter Zwei sofort hinter her.
„Dann wieder Nummer 4!!
„Dann aber nochmal Nummer 6“.
„Du bist voll blöd, mit deiner Nummer 6, Nummer 4 ist viel besser.“
„Mama, die hat gesagt ich bin voll blöd, können wir dafür im Auto die ganze Zeit Nummer 6 hören???“

„Stille Nacht“ geht irgendwie anders. Bin mittlerweile in einem Stadium angelangt, wo ich überlege, bis Weihnachten das Haus nicht mehr zu verlassen. Schule wird eh überbewertet.

Ach ja, für alle, die es nicht ahnen: Nummer 4 ist „Do they know it’s Christmas time“ und Nummer 6 ist „Last Christmas“.

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19 Gedanken zu „Die Weihnachts-Geister, die ich rief

  1. Guten Morgen!
    Nun freue Dich doch: Nach Weihnachten liegen wieder 11 Monate Schonfrist vor Dir.
    Wobei dann ist wieder „Bibi & Tina“ angesagt. 😉
    Aber auch da kann ich Dich trösten, Irgendwann ist auch das vorbei…
    Bereite Dich schon mal auf die Boy Groups vor!
    Habe einen schönen Tag. ❤
    Gruß Karen

  2. Ich will Nummer 6 hören, das habe ich zuletzt im September im Radio gehört, als die ersten Weihnachtsplätzchen in den Supermärkten im Regal standen 😉

  3. Wie wär es mit Demokratie: Mama will Nr. 3 hören, der Hund Nr. 7 und der Kater Nr. 10 … (Vielleicht noch schnell einen Wellensittich und einen Hamster anschaffen und ins Auto verfrachten?)

  4. Ich sag da ja immer: „Mädels, ich brauche meine Hände zum Autofahren!“ Damit hat sich das dann erledigt. Aber wenn es nach meinem Hühnerhaufen ginge, würden sie auch noch zum Einschlafen Weihnachtslieder hören… Ansonsten gilt bei uns: selber singen. Das erschöpft sich wesentlich schneller. Allerdings hört es sich trotzdem so an wie bei Dir: „Lass uns die Weihnachtsbäckerei singen.“, „Oh ja, aber danach noch das andere!“, „Oh nö, das ist doof, lieber noch einmal die Weihnachtsbäckerei! Los Mama, spiel die Weihnachtsbäckerei!“. Du bist nicht allein 😄… Ob unser Klavier schon jammert und bald umziehen möchte? Ich hoffe es verträgt noch ein paar Gebäcklieder…

  5. „Last Christmas“ habe ich Anfang August (!!!) dieses Jahres gehört, das hat an einem sehr, sehr frühen Sonntagmorgen ein nicht mehr nüchterner Nachtschwärmer gegröhlt, der unter meinem geöffneten Schlafzimmerfenster vorbei getorkelt ist…

  6. Wir haben aus dem Grund mal Walkmanner eingeführt … dann war Ruhe im Auto – bis die Süßen anfingen, laut mitzusingen … natürlich jede ihr eigenes Lied. Gebracht hat es nur die Erkenntnis, nicht in musikalische Erziehung zu investieren. 🙂

  7. Als meine Töchter im Grundschulalter earen, hatten sie beide Flötenunterricht. In der Adventszeit spielten sie von morgens bis abends alle Weihnachtslieder, die sie konnten – es waren 4 !!! – in Endlosschleife. Ab dem 2ten Advent waren wir Eltern reif für die Klappse. Nicht dass sie schief und falsch spielten, nein, es ist das fürchterliche Piepsen der Blochflöte.
    Bis heute kann ich keine Blockflöten mehr ertragen, da rollen sich mir die Zehennägel auf.
    Irgendwann stiegen die Mädels um auf Keyboard, das hatte wenigstens Kopfhöreranschluss.

  8. Ich hätte bitte gerne „Last Christmas“. Das passt nämlich wie die Faust auf’s Auge oder die Kugel ins Herz zu meinem MiniKrimi-Adventskalender, der morgen auf meiner Seite startet. Vielleicht hast du ja mal Lust, reinzuschauen? Du weißt ja, Bert Brecht hat gesagt, dass man Aggressionen am besten abbaut, indem am im Theater anderen beim Morden zuschaut 🙂 Also – halte durch und komm gut durch die X-Mas-Time! Marie! mariebastide.wordpress.com

  9. Die Frage war bei mir gerade: Oh, ist Last Christmas zweimal auf der CD? Aber gut, Do they know ist auch nicht schlecht 😉

    Tja, Shuffle Modus an und gut ist. Und vielleicht noch einen CD-Wechsler mit 6-10 CD ins Auto bauen. So kann man dann doch etwas Abwechslung haben …

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