Nur eine Kleinigkeit…

Weihnachtsgeschenke. Alle Jahre wieder. Für die ganze Familie. Obwohl jene Familie nach dem letzten Weihnachtsfest übereingekommen ist, dass man im nächsten Jahr auf Geschenke verzichten werde. Nur die Kinder, die kriegen natürlich noch was.

Mitte November geht es los. Die ersten Anfragen trudeln ein, was die Kinder – „wir schenken uns ja dieses Jahr nichts“ – denn gerne hätten. Ideen werden ausgetauscht, dabei immer wieder darauf verwiesen, wie froh man doch sei, dass man sich gegenseitig dieses Jahr nichts schenke.

Irgendwann, es ist mittlerweile Anfang Dezember, wird Vollzug vermeldet: Die Geschenke für die Kinder seien „erledigt“ und ein stress- weil geschenkfreies Weihnachten stehe bevor. Und dann passiert es. In einem kleinen, fast überhörten Nebensatz sagt irgendjemand: „Ich habe eine Kleinigkeit für dich besorgt. Wirklich nichts Besonderes. Du brauchst mir deswegen nichts schenken. Ist ja nur eine Kleinigkeit.“

In Nullkommanichts wird aus „Süßer die Glocken nie klingen“ ein bedrohliches Alarmgebimmel. Eine „Kleinigkeit“ für mich? Dann kriegen anderen doch bestimmt auch „Kleinigkeiten“. Am Ende haben die ebenfalls „Kleinigkeiten“ für alle besorgt. Dann bin ich die einzige, die keine „Kleinigkeiten“ verschenkt sondern ein elefantengroßes, unübersehbares, die Familie für immer zerstörendes „Nichts“ unter den Weihnachtsbaum legt.

Gestritten wird Weihnachten spätestens am 25ten sowieso, aber doch bitte nicht, weil ich keine „Kleinigkeiten“ für alle hatte. Also los in die Mall, „Kleinigkeiten“ kaufen. Ich stehe im ersten Geschäft und mir wird schlecht: Was ist eigentlich eine „Kleinigkeit“? Ein Buch? Ein Stück Designer-Seife? Pralinen? Ein Haus? Ein Pferd? Das neue iPhone? Die überteuerte Tasche, die ich schon immer haben wollte?

Nachfragen bringt nichts. „Nur eine Kleinigkeit, wirklich. Mach dir keine Sorgen. Und kauf mir auf keinen Fall etwas! Wir wollen doch diesen Konsumterror nicht mehr mitmachen.“

Drei Tage später bin ich pleite, am Ende mit den Nerven, die Füße tun weh, aber ich habe es geschafft: Wie der Weihnachtsmann persönlich komme ich beladen mit Säcken voller „Kleinigkeiten“ aus der letzten Mall und kann aufatmen. Die gesamte Familie wird dieses Jahr mit „Kleinigkeiten“, die natürlich keine Geschenke sind, beglückt werden. 98 Prozent davon werden den Weg in den Hausmüll noch vor dem Jahresende finden und selbstverständlich werden wir beschließen, uns im nächsten Jahr „auf keinen Fall etwas zu schenken“.

Das werden wir sogar glauben, bis Anfang Dezember der fast überhörte Nebensatz kommt: „Ich habe eine Kleinigkeit für dich besorgt…..“

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11 Gedanken zu „Nur eine Kleinigkeit…

  1. Guten Morgen!
    Kommt mir auch wieder sehr bekannt vor…
    „Schenkt mir bite nichts zu Weihnachten“, verkündet ein Familienmitglied von
    uns jedes Jahr.
    Wir sollten es wirklich mal machen!
    Auf das Gesicht wäre ich echt gespannt…
    Habe einen schönen Tag. ❤
    Gruß Karen

  2. Du Arme, ich habe Dir uebrigens auch eine Kleinigkeit besorgt, also wirklich nur was ganz ganz kleines, nicht dass Du jetzt noch mal in die Mall musst …. 😉

  3. Naja, da hilft nur eins. Wirklich das Nichts schenken. Dann sind alle so beleidigt, dass sie nächstes Jahr nichts mehr schenken.
    Und nicht mehr mit dir reden.
    Und die Straßenseite wechseln, wenn sie dir begegnen.

    Oder so erleichtert, dass endlich mal einer den Mut hatte, dem Terror ein Ende zu setzen :p

  4. In unserer Familie nehmen wir das „Wir schenken uns nichts“ wirklich ernst. Mein Neffe bekommt einen Am.azon-Gutschein, weil er so viele Hobbies hat, und man nie weiß, welches davon bei ihm grade am aktuellsten ist. Ansonsten gibt’s nix. Für niemanden. 😉

  5. Ich bin gespannt, wie das Experiment in meiner Familie ausgeht. Wir wollen uns nämlich auch nichts schenken. Ich hab‘ ja ein ganz schlechtes Gewissen dabei, aber werde es durchziehen. Auch auf die Gefahr hin, dass die Schnipseltippse recht behält.

  6. Ich habe vier Geschwister und zwei Schwägerinnen. Da die Schenkerei irgendwann aus dem Ruder gelaufen ist haben wir Geschwister (nebst Schwägerinnen) beschlossen, dass wir uns nichts mehr gegenseitig schenken. Es wird sich dran gehalten.
    Mein Ex-Mann hatte mich vor Jahren auch mal gefragt, was ich mir wünsche. ‚Nix‘ war meine Antwort, also habe ich an Weihnachten dann auch wirklich ’nix‘ bekommen. Konsequent.

  7. Wir wichteln in diesem Jahr wieder, wie schon in den letzten Jahren. Wir sind sieben ( Eltern, drei erwachsene Kinder und eine Schiegertochter in spe) alle Namen auf je ein Zettelchen und auslosen. So erhält jeder an Weihnachten nur ein Geschenk, hat aber auch was zum auspacken. Das klappt gut! Ganz ohne Geschenke fänd ich ein wenig traurig, sicher kann man sich selbst genug kaufen, aber unsere Lösung, die ich von einer Freundin übernommen habe, gefällt mir ganz gut
    LG

    Chris

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