Gescheitert

Das Jahr 2015 ist erst wenige Tage alt und doch schon irgendwie vorbei. Der Kampf ist verloren, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. Ich habe kapituliert. Vor einem übermächtigen Gegner. Nein, halt, zwei übermächtigen Gegnern: Schuhen und Gläsern.

Mein einziger Vorsatz für 2015 war, Schuhe und Gläser in meinem Haus unter Kontrolle zu bringen. Doch ich bin gescheitert. Auf der ganzen Linie. Schuhe und Gläser haben zwei mächtige Verbündete: Meine Kinder.

Wo Kind Eins ist, da sind Gläser. Für jeden Schluck, den sie trinkt holt sie ein neues Glas aus dem Schrank. Das Kind hat eigentlich immer Durst. Gelegentlich führt das Ganze so weit, dass sie zum Äußersten schreitet und unaufgefordert die Spülmaschine ausräumt: Glas für Glas. Der Rest bleibt drin.

Als ich am Silvester-Abend nachgezählte – nicht gefühlte – 14 Gläser in die eben erst entleerte Spülmaschine stellte nahm ich mir vor: 2015 bringe ich dem Kind bei, dass man durchaus mehr als einem Schluck aus einem Glas trinken kann.

Selbstverständlich bin ich grandios gescheitert. Die allein in der Küche zur Abwechslung mal nicht weggeräumten 20 Gläser, Tassen und Becher ließen die Tochter so kalt wie ein Gefrierhühnchen als ich sie darauf hinwies. Also versteckte ich alle Gläser, Tassen und Becher. Immerhin war das Kind kurz irritiert. Dann nahm sie sich eine Müsli-Schale, füllte sie mit Wasser, trank einen Schluck und sie ließ sie auf der Küchenablage stehen. Ach ja. Ganz wichtig: Die Behälter müssen randvoll mit Wasser sein, nur dann schmeckt der eine Schluck wirklich gut.

Immer gut, wenn man ein Zweitprojekt hat: Die Schuhe von Tochter Zwei. Die stehen überall, nur nicht im Schuhschrank. Das ist ihr wichtig. Mit ihren sechs Jahren hat sei einen Schuhtick wie einst Imelda Marcos, entsprechend ist der Gang durchs Haus ein Hindernislauf. Am liebsten läuft das Kind nämlich barfuß. Nicht selten entledigt sie sich ihrer Schuhe daher schon in der Garage. Selbstredend bin ich Schuld, wenn ich mit dem Auto drüberfahre.

Da ich bereits ahnte, dass die einfach-liegen-lassen- und die verstecken-Methode ähnlich wie bei den Gläsern nicht nützen würden griff ich zu anderen Maßnahmen: Ich stellte die ganze Familie einen Tag unter Hausarrest. Wer nicht rausgeht, der braucht auch keine Schuhe. Gegen Mittag war klar, ich bin keine Mutter, ich bin ein Narr.

Wie gesagt, 2015 ist noch jung, doch ich bin schon geschlagen. Mir bleibt nur die Hoffnung auf die Zukunft: Ich halte das Gläser-Schuh-Geschehen in unserem Haus bildlich fest und zeige es später meinen Enkeln.

 

 

 

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23 Gedanken zu „Gescheitert

  1. Guten Morgen, liebe Anne! 🙂
    Hm, und wenn Du Deine Töchter die Spülmaschine mal
    ein- und ausräumen lässt, würde sich da die Zahl an Tassen
    und Gläsern nicht automatisch verringern?
    Ist nur so eine Idee von mir…
    Habe einen schönen Tag. ❤
    Gruß Karen

  2. Hahaha, sehr schön. Kommt mir leicht bekannt vor, allerdings nicht ganz so drastisch. Meine große Tochter hat früher gern ihre Kleidung auf den Boden liegen lassen. Ich habe dann angekündigt, beim nächsten mal alles in eine Tüte zu räumen und fort zu tun. Gesagt, getan.
    Sie hat es gar nicht bemerkt. Als sie nach mehreren Wochen endlich mal ein Stück vermisste, fiel mir erst nach langem Überlegen diese Tüte wieder ein. Nur wusste ich nicht mehr, wo ich sie hin getan hatte. Das war vielleicht bescheuert… Nicht mal suchen half. Die ist erst dann aufgetaucht, als wir etwas anderes suchten. 😀

  3. Oh, ich kann Dich so verstehen. Bei uns sind aus diesem Grund die Gläser in den Hochschränken, wo die Kinder noch nicht dran kommen (bzw. nur durch Klettern auf die Theke, wozu sie zu faul sind).
    Daher haben meine Kinder eine andere Lösung gefunden:
    sie holen sich eine Wasserflasche aus der Abstellkammer, trinken einen Schluck und dann bleibt die Flasche offen stehen, weil sie den Schraubdeckel irgendwo hin gelegt haben und spontan vergessen haben, wohin!
    Ergebnis: überall stehen offene Wasserflaschen, die entweder ihre Kohlensäure verlieren, weil sie ja offen sind und dann eh nicht mehr schmecken oder der Hund wedelt die offenen Wasserflaschen auf Boden, Beistelltischen und Stühlen mit seinem dicken Wedelschwanz (und Labradore wedeln immer!) um und die volle (minus ein Schluck) Wasserflasche ergießt sich aufs Parkett!
    Auch nicht besser!
    Ich überlege auch noch an einer Lösung! Du bist also nicht allein!

  4. Für die Gläser habe ich bunte Blümchen-Klips und jeder von uns hatte seine Farbe. So hat jeder sein Glas immer gut erkannt und da wir hier eigentlich nur Wasser trinken, braucht man auch nicht für jeden Durst ein frisches Glas. Das hat prima funktioniert. Die Klipse hatte ich einmal in einem Geschirrladen entdeckt. Kann ich nur empfehlen 🙂

  5. Tochter Nummer Eins erinnert mich an einen schwerstreichen deutschen Großindustriellen, der darauf bestand, dass an seinem Tisch, wenn er zusammen mit erlauchten Gästen in der Bayerischen Staatsoper zu dinieren pflegte, nach jedem Schluck Wein die Gläser ausgetauscht werden mussten. :mrgreen: Kein Scherz, ich habe das selbst miterlebt!

  6. Ach, Du Arme, warum nimmst Du dir auch nur solche Sachen vor? Koenntest Du nicht Nummer eins dazu bringen, das Wasser aus den Schuhen von Nummer zwei zu trinken? Bin auf das Ergebnis gespannt!!!

  7. Familieninternen „Überlieferungen“ zu Folge hatte eine meiner Tanten mal ein ähnliches Problem mit einer meiner Cousinen…diese lies ihre Klamotten überall liegen und hielt die Drohungen meiner Tante, sie würde irgendwann alles in den „blauen Sack“ (großer Müllbeutel) tun und aus dem Fenster werfen für leeres Geschwätz…damit gerechnet hat niemand, dass meine Tante eines schönen Tages tatsächlich mal nen Beutel voll macht und diesen – natürlich gut getimed – genau DANN aus dem Fenster schmiss, als meine Cousine von der Schule nach Hause kam und der konsequenten Umsetzung der Drohung gewahr wurde *hust*. Den Klamotten ist nix passiert – waren ja im Sack und das Fenster nur im 1. Stock – aber wie von Zauberhand räumte meine Cousine danach ihren Kram immer weg…fehlt nur noch ’ne Lösung für die Wasserproblematik…wobei – wie wäre es, wenn ihr nur noch Schnapspintchen hinstellt. Da passt von Haus aus nur ein Schluck rein…

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