Liebe, Lügen, ????

Es ist soweit!!! Morgen erscheint mein neues Buch! Es heißt…das wird noch nicht ganz verraten. Ich habe überlegt, dass ich meine lieben Blog-Leser raten lasse. So zur Überbrückung der Zeit (vor allem für mich natürlich, ich könnte ein Hamsterrad gerade gut gebrauchen). Damit es nicht ganz so schwer wird, gibt es das erste Kapitel als Leseprobe und das Cover – natürlich ohne das entscheidende Wort. Also, stimmt fleißig ab und morgen wird das Rätsel gelöst. ???

Leseprobe: 

1.

Jeder hat mal einen schlechten Tag. Außer mir. Ich hatte ausschließlich schlechte Tage. Der kalte, nebelige Wintermorgen, an dem ich vor dem Haus meiner Eltern im sauerländischen Fennentrop stand, war Nummer 10000. Da ich vor kurzem 27 Jahre alt geworden war, sollte die Zahl ungefähr hinkommen.

„Jolande, ein guter Tag zwischendurch wäre schön“, sagte ich zu mir selber, während ich die Kunstholz-Haustür mit schmiedeeisernen Beschlägen betrachtete und mich an einen Strand auf den Malediven oder zumindest in eine Gegend wünschte, die sich nicht durch furchtbare Haustüren und Dauerregen auszeichnete. Leider sah es nicht so aus, als würde sich die Negativbilanz meiner schlechten Tage in nächster Zeit ändern, denn ich gedachte, meine Eltern in wenigen Momenten mit der Nachricht zu beglücken, dass ihre als Marketing-Fachfrau erfolgreiche Tochter, die mit ihrem Traummann in Berlin lebte, mit sofortiger Wirkung wieder bei ihnen einzog.

Der Traummann („Dr. Hagen Hohmann, ein Zahnarzt!“ – O-Ton, einst von meiner Mutter über den Gartenzaun zur Nachbarin geträllert) hatte es als „Krönung“ unserer Liebe angesehen, seiner Sprechstundenhilfe auf dem Behandlungsstuhl ein paar „Füllungen“ zu verpassen. Mein eigener Chef hatte es dagegen nicht als „Krönung“ meines beruflichen Werdeganges angesehen, dass ich die Traummann-Behandlungsstuhl-Sache zum Anlass genommen hatte, ihm und unserem wichtigsten Kunden persönlich mitzuteilen, dass alle Männer „Schweine ohne Hirn, dafür aber mit winzigen Ringelschwänzchen“ seien. Er hatte mich rausgeschmissen. Einfach so. Na gut, im Kündigungsschreiben stand etwas von zu vielen „Krankheitstagen“, aber woher sollte ich wissen, dass der Mann so ein Erbsenzähler war? Außerdem musste ich den Anblick des Traummannes bei der „Behandlung“ der Arzthelferin verarbeiten. Mit einem nichtaufgearbeiteten Betrugstrauma im Herzen wäre ich bestimmt depressiv geworden und früher oder später wochenlang krankgeschrieben worden. Selbstredend hatte mein Chef nicht verstanden, dass ich ihm mit den paar Fehltagen einen Gefallen getan hatte.

Nun stand ich also mit Sack und Pack, sprich meinem einzigen Koffer, vor der scheußlichen Haustür meiner Eltern. Der Ex-Traummann hatte bei meiner – lediglich als Drohung vor der Versöhnung gemeinten – Ankündigung, auszuziehen mit den Schultern gezuckt und darauf hingewiesen, dass die Möbel ihm gehören würden. Ziemlich dumm gelaufen. Für Dr. Hagen Hohmann. War mir doch versehentlich ein Löffel Honig im Schrank hingefallen. Oder genauer gesagt: Der Löffel war in dem Barschrank mit seinen „heiligen“ Whiskys hingefallen, die so alt waren, dass eigentlich Neandertaler sie abgefüllt haben müssten. Oder, um es mit der Präzision eines Zahnarztes zu sagen: Mir waren mehrere Löffel Honig „hingefallen“ – in die zufällig geöffneten Whisky-Flaschen im Barschrank. Wenn der Ex-Traummann mich schon nicht vermisste, sollte er mich wenigstens in Erinnerung behalten.

Aber zurück zu meinen Eltern. Obwohl sie mich abgöttisch liebten, war ich nicht sicher, wie sehr sie sich über meine Rückkehr freuen würden. Im Falle meines Vaters würde ich es auch nicht herausfinden, seine Konversationsbeiträge beschränkten sich seit Jahren auf zwei Sätze: „Ich hole mir ein Bier“ und „Ich gehe in meinen Hobbykeller“. Wie in jeder guten Ehe, machte meine Mutter dies wett und redete ständig. Mein Rückzug in den Schoß der Familie würde ihr Gesprächsstoff für sämtliche Mahlzeiten, Friseur- und Supermarktbesuche bis Weihnachten liefern. Wir hatten Februar, und doch schwante mir, der Satz „Ein Glück, das Kind ist wieder da!“ würde nicht in ihren Monologen vorkommen.

„Da ist ein Schatten an der Haustür! Das sind bestimmt die Zeugen Jehovas! Endlich gibt es die auch im Sauerland! Ich mache auf und ziehe ihnen den großen Regenschirm über die Rüben!“, keifte plötzlich eine schrille Stimme hinter der Haustür.

Natürlich. Oma Irmgard. Die hatte ich geflissentlich verdrängt. Nicht vergessen, denn es war ausgeschlossen, Oma Irmgard zu vergessen. Hinter der Tür hörte ich, wie sie mit ihrem Rollator gegen den kleinen Tisch am Eingang fuhr. Meine Mutter liebte diesen Tisch, Oma Irmgard hasste ihn. In der Familie liefen mehrere Wetten, wie lange der Tisch den ständigen Rollator-Attacken noch standhalten würde. Meine Großmutter lebte bei meinen Eltern seit Opa Kurts Herz vor vielen Jahren vor der täglichen, in Butter ausgebratenen 500-Gramm-Portion Bauchspeck kapituliert hatte und er sich die Blumen von unten ansah. Oma Irmgard hatte am Tag der Beerdigung erklärt: „Endlich bin ich frei!“ Und auch sonst hatte sie keine Zeit damit vergeudet, die trauernde Witwe zu spielen. Im Gegenteil, sie hatte sich von allen gesellschaftlichen Konventionen befreit und war eine verlässliche Quelle des Fremdschämens für ihre Familie geworden.

Oma Irmgard war 73 Jahre alt, sah aber keinen Tag jünger als 86 aus. Sie war so schrumpelig wie eine Walnuss von innen und so dünn und klein, dass sie ihre Kleidung in der Kinderabteilung kaufen musste. Da ihr das neumodische Zeug der Jugend von heute nicht gefiel, war sie vor ein paar Jahren dazu übergegangen, sich jedes Frühjahr mit Kommunionskleidern aus dem Ausverkauf einzudecken. Diese färbte sie wahlweise in knallrot, himmelblau oder anderen Bonbonfarben ein. Einmal in der Woche ging Oma Irmgard zum Friseur und ließ sich ihre Haare in Löckchen legen, die mit so viel Haarspray zementiert wurden, dass das Ozonloch nach ihrem Ableben von allein zugehen dürfte.

Oma Irmgard sammelte Holzfiguren aus dem Erzgebirge, für die sie mein ehemaliges Kinderzimmer als „Museum“ nutzte. Als ich das letzte Mal zu Hause gewesen war, hatten auf dem Nachtisch neben meinem Bett Sandmännchen, Osterhase und Rotkäppchen einträchtig nebeneinander gestanden, als wären sie in ein Gespräch über den Weltfrieden vertieft. Hatte ich bereits erwähnt, dass ich mich in schwierigen Situationen gerne auf unwichtige Details konzentrierte? Ich seufzte tief, erinnerte mich daran, dass ich keinen Job, keine Wohnung, keinen Traummann und damit keine Wahl hatte. Dann klingelte ich.

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17 Gedanken zu „Liebe, Lügen, ????

  1. Ist schon so gut wie gekauft! Ich liebe Deinen Humor! Das Buch kann ich super als Reiselektüre gebrauchen wenn es am Montag endlich mal wieder nach Dubai geht 🙂
    Viele Grüße aus dem 4 Grad kalten Koblenz!

  2. Gerade mal ein Kapitel gelesen und schon suechtig, das liegt bestimmt am Zahnarzt.. oder an der Oma in den Kommunionskleidern… Ich freue mich schon auf die Lektuere…

  3. Das liest sich ja richtig putzig. Gefällt mir sehr.
    Ab morgen kann man’s käuflich erwerben? Das werde ich dann wohl machen.
    Ich muss zwar erst noch einen kleinen Stapel ungelesener Bücher abarbeiten, aber dein Buch kann ja trotzdem schon mal auf meinem Phone rumdümpeln, es wird ja nicht welk in der Zwischenzeit. 😉

  4. Klingt sehr vielversprechend. Gibt es das nur als e-book oder auch in der altmodischen Papierform? Ob der Einzelhandel hier im Ort das Buch auch führt, wird sich zeigen. Hoffentlich.

    LG

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