Camping-Abenteuer – Teil 2 (mit Beweisfotos!)

Am Wüsten-Lagerfeuer sitzen, Marshmallows rösten, die unendliche Stille geniessen – einfach herrlich. Theoretisch. Praktisch muss man alle drei Minuten mit dem Stuhl umziehen, weil es zu heiß nahe am Feuer ist, wenn neues Holz nachgelegt wird und zu kalt, wenn man zu weit wegsitzt, wenn das Holz abgebrannt ist. Außerdem müssen die vier Familienpackungen („Ach, du hast auch Marshmallows mit?)  mit großem Enthusiasmus von den Kindern gerösteten, klebrig-schmierigen Zuckerbomben alle irgendwie gegessen werden – „Essen darf man nicht wegschmeißen, Mama, sagst du doch immer!“.

Mit der Stille ist es auch nicht weit her, da die Kinder viel Spaß dabei haben, alle paar Minuten laut brüllen „Wir sind Touristen und überfallen euch“ hinter irgendeiner Düne aufzutauchen und meinen ihre Eltern erschrecken zu können. Wir klären sie lieber nicht über die Sache mit den „Touristen“ auf. Auch der Gang aufs „stille Örtchen“ ist nicht wirklich still, da ich so dezent „verschwinde“, dass eine der Freundinnen mein Fehlen nicht bemerkt und die Männer auffordert, die komische Gestalt, die da in den Dünen rumläuft, mit der Taschenauflampe aufzuspüren.

Irgendwann hat alles ein Ende und ich gehe in mein Wüstenbett. Leider muss ich nach kürzester Zeit feststellen, dass ich trotz aller Bemühungen noch lange nicht betrunken genug bin, um den harten, welligen Boden, den Sand im Gesicht und das Schnarchen des Hundes zu ertragen. Ich stehe also erneut auf und trinke mit den anderen noch ein paar Gin Tonics am Lagerfeuer. Endlich bin ich so „blau“, dass ich mir einbilden kann, mein 100% Polyacryl-Schlafsack ohne Reißverschluss sei eine Daunendecke bezogen mit ägyptischer Baumwolle im 5-Sterne-Hotel. Leider liegt die Decke auf einem Karussell und alles dreht sich, was den Einschlafprozess etwas erschwert. Doch irgendwann lange ich sicher im Reich der Träume.

In meinem Traum höre ich eine zarte Stimme, die sagt: „Mama, ich muss auf die Toilette“. Ich ignorieren die Stimme und träume weiter. Der Traum wird nun bedrohlicher und fängt an, mich zu schütteln. „Mama, ich muss mal. Dringend.“ Ich bin gerade dabei zu bemängeln, dass man in der Wüste nicht mal was Schönes träumen kann, als mein Traum den Reißverschluss des Zeltes aufmacht und meckert: „Dann geh ich eben allein und verirre mich!“

Wankend begleite ich die jüngere Tochter, die obwohl es stockdunkel ist, darauf besteht mindestens zwei Dünen zwischen sich und das Zeltlager zu bringen, bevor sie sich erleichtern kann, auf die Toilette. Als wir zurückkommen hat der Hund es sich auf meinem Schlafsack bequem gemacht und weigert sich aufzustehen. Mit roher Gewalt stoße ich das Tier zur Seite. Der Hund ist jetzt hellwach und erinnert sich, dass er ein Wachhund ist und beginnt vorsorglich Bären, Banditen und alles Böse, was in der Wüste lauert, wegzubellen.

Irgendwann ist es morgen und die Sonne geht auf. Wir haben überlebt. Mal wieder. Und mal wieder schwören die Anwesenden sich, nie wieder campen zu gehen. Bis zum nächsten Mal. Aber natürlich nur für die Kinder.

Und hier ein paar Beweisfotos:

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6 Gedanken zu „Camping-Abenteuer – Teil 2 (mit Beweisfotos!)

  1. Wenn ich mich so abgeschossen hätte, würde ich am nächsten Tag Porzellanauto fahren. Gibt es ja in der Wüste nicht, also irgendwo die Dünen düngen. Campen war ich noch nie, aber nach Deiner Schilderung drängt es mich jetzt auch nicht wirklich dazu, es mal auszuprobieren.

    Einen sonnigen Tag brauche ich Dir eher nicht wünschen, den dürftest Du auch so haben. Dann sende ich mal frühlingshafte Grüsse aus Deutschland.

  2. Manchmal darf man ja auch über die Stränge schlagen, so wie es im Englischen heisst: „Let your hair down“. Und den Kindern hat es sicher auch super gefallen, die waren ja am Tag danach auch nicht verkatert.
    Da fällt einem doch der Alltag nachher wieder einfacher, nur schon weil er gemütlicher ist 😉

  3. Also ich für meinen Teil hätte panische Angst vor Touristen!!! 😉
    Und darf man das so ungestraft in die Wüste pinkeln?
    Aber wat mut dat mut eben…

    Na wenigstens war das Wetter gut;-)

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