Heftklammern und andere Probleme

Wie meine geneigten Blog-Leser wissen, schreibe ich gelegentlich ein Buch. Oft werde ich gefragt, ob das „schwer“ sei.

„Klar ist das schwer!“, antworte ich dann und mache ein wichtiges Gesicht, man will als Autor schließlich ernst genommen werden. Außerdem machen sich „nicht-schreibende“ Menschen gar keine Vorstellung, wie schwer es wirklich ist ein Buch zu schreiben. Und warum.

Das Problem beim Bücherschreiben sind nicht die Ideen, die Wörter, die Sätze, der Aufbau oder was ein Buch sonst noch so ausmacht. Es sind die Büro-Materialien.

Nachdem ich wochen- oder gar monatelang am Computer vor mich hingeschrieben habe, kommt der große Moment und das Werk soll ausgedruckt werden, um es schwarz auf weiß Korrektur zu lesen. Das ist enorm wichtig, zum einen findet man zahllose Fehler, die einem am Computer nicht aufgefallen sind – und dieser Nulpe von einem Rechtschreibeprogramm auch nicht. Zum anderen merkt man erst, wenn man sich die eigenen Sätze laut vorliest, was für einen Schwachsinn man da unter Umständen geschrieben hat. Selbstverständlich ist an diesem einen wichtigen Tag, der irgendwann über Literatur-Nobelpreis oder nicht entscheiden wird, kein Druckerpapier mehr vorhanden.

Ein hektischer Gang durch die Kinderzimmer bringt keine Erlösung. Man findet zwar haufenweise Papier, allerdings ist jede Seite mit einem kleinen roten Kreis in der Mitte verziert. Manchmal ist es auch ein Quadrat. Oder eine Blume. Oder das Papier hat massive Eselsohren. Oder Wasserflecken.

Es hilft alles nichts. Es muss erst neues Papier besorgt werden, bevor das „Werk“ auf selbiges gebracht werden kann. Die auf Vorrat gekauften 500 Blatt weißes Normalpapier werden sorgsam ins Papierfach des Druckers gelegt und es kann losgehen. Aufgeregt schaut man zu, wie die ersten Seiten aus dem Gerät kommen. Ein echter Gänsehaut-Moment. Leider nur, bis der Drucker anzeigt, dass er neue Tinte braucht und den Dienst wegen Materialmangels einstellt.

Es versteht sich von selbst, dass es für die Tinte, die man braucht, gerade einen Versorgungsnotstand in Dubai gibt und man einen Restposten-Tinte erst findet, nachdem mehrere Einkaufs-Malls durchstreift hat und bereits mit dem Gedanken spielt, einen neuen Drucker anzuschaffen.

Wieder daheim kann es endlich weitergehen. Der Drucker druckt und druckt und ordentlicher Autor, der man ist, heftet man die einzelnen Kapitel zusammen, damit man später kein Blätterdurcheinander hat. Spätestens bei Kapitel Drei sind die Heftklammern alle. Aus Erfahrung schlau geworden, hat man sich für diesen Fall ein Zweitgerät angeschafft. Leider hat die Erfahrung nicht gereicht, dieses ausreichend mit Heftklammern zu bestücken.

Also wieder auf in die Kinderzimmer. Irgendwann hatte man den Blagen doch mal so ein Mini-Heftgerät geschenkt. Wo hat die undankbare Brut das versteckt? Wie durch ein Wunder findet man das Ding und es ist sogar gut mit Mini-Heftklammern gefüllt. Ein echter Segen ist es trotzdem nicht, da man sich den Rest des Tages einen Wolf tackert, um die Mini-Klammern irgendwie durch die teilweise doch dicken Kapitel zu treiben.

Endlich ist man fertig. Das „Buch“ liegt ausgedruckt und kapitelweise zusammengetackert vor einem. Es kann losgehen mit der Korrektur-Phase. Oder auch nicht. In der Schublade des Schreibtisches finden sich mehrere Heftgeräte, Lineale, Loom-Bänder, Radiergummies, Bonbonpapiere, ein Taschenrechner, ein Zirkel, zwei Kinderscheren, drei alte Knöpfe und der Arm einer Barbiepuppe aber keine Stifte. Nicht ein einziger.

Wissend, dass man vor kurzem erst zehn neue Kugelschreiber gekauft hat, geht es wieder mal in die Kinderzimmer. Dort findet man Buntstifte in allen Farben, aber keine Kugelschreiber. Die haben die Kinder offenbar mit in die Schule genommen. Warum auch immer. Gut, dann muss das Buch halt mit Buntstift korrigiert werden. Man versucht sich zu überzeugen, dass das kein Drama ist. Leider ist es doch eins, denn alle Buntstifte sind konsequent abgebrochen und es gibt im ganzen Haus keinen Anspitzer. Immerhin weiß man jetzt, warum die Kinder die Kugelschreiber mit in die Schule genommen haben.

Es gibt nur noch eine Lösung: Wütend und wild entschlossen geht es in den nächsten Supermarkt, wo man Büro-Materialen für die nächsten 100 Jahre einkauft, damit so etwas nie wieder passiert. Ausgestattet als müsste man eine 384-bändige Enzyklopädie ohne Computer verfassen kann es endlich losgehen und das „Werk“ kann korrigiert werden.

So schwer ist es also wirklich ein Buch zu schreiben. Damit das nur alle mal wissen. Was keiner weiß, ist dagegen, was mit dem Büro-Materialien-Vorrat bis zum nächsten Buch passiert. Wie die Socken im Trockner ist alles wieder verschwunden, wenn man das nächste Buch ausdrucken und korrigieren will.

 

 

 

 

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14 Gedanken zu „Heftklammern und andere Probleme

  1. Hier verschwindet auch immer das Bueromaterial – und findet sich im Kinderzimmer wieder, das scheint also normal zu sein.. eigentlich koennte ich mein Materiallager gleich da einrichten….Was bitte macht der Arm einer Barbie in Deiner Schublade? 😉

  2. Bei uns werden zwar keine Bücher ausgedruckt, aber das Phänomen kenne ich trotzdem. Immer, wenn eins der Kinder etwas wichtiges für die Schule braucht. Ein weiterer Brocken auf den steinigen Weg zum Ausdruck ist die Wlan-Verbindung. Die geht nämlich immer genau dann nicht, wenn man UN-BE-DINGT sofort jetzt gleich augenblicklich zack-zack ein Referat ausdrucken muss.

    • Mein Schreibtisch steht in meinem Schlafzimmer…als Erziehungstotalversagerin habe ich offenbar auch noch verpasst, meinen Kindern beizubringen, dass mein Schlafzimmer nicht ihres ist…;-)

      • *ggg* Vielleicht sehen sie es nicht als Dein Schlafzimmer sondern als ihr Büro. Kann man ja mal verwechseln, wenn ein Schreibtisch drin steht, nicht? 😉 Bei Erziehungsfragen denke ich mir immer: erstmal besser machen und dann über andere lachen. Von daher… kein Kommentar.

        Aber ich möchte doch mal loswerden, dass ich es bewundernswert finde, wie Du trotz Deiner Kinder, die logischerweise Deine Zeit in Anspruch nehmen, und Deines Haushaltes so kontinuierlich schreibst und publizierst. Hut ab!

  3. Ach, du druckst deine Romane zum Korrekturlesen aus? Das werde ich bei meiner aktuellen „Baustelle“, einem historischen Roman, auch machen. Wenn er denn je fertig werden wird, denn das ist teilweise schon eine harte Nuss, die ich da zu bearbeiten habe. 😉
    Liebe Grüße!

  4. Hm, bei mir ist es ja eher die mangelnde Zeit um weiterzuschreiben, bzw will ich abends nicht noch rumsitzen und liegend ein Buch schreiben ist mühsam….Du müsstest dir einen Tresor für dringende Bürodinge anschaffen!

  5. Nach Lesen des Artikels habe ich noch auf den finalen Satz gewartet, dass der Verlag angerufen hätte, ob man das Werk nicht in der Rohfassung in 3 Kopien per Post zusenden könne. Also wieder raus mit den Heftklammern :-), kopiert, eingetütet, Briefmarken vergeblich gesucht, also zur Post, die zu hat, und und und.

    Mehr Erfolg beim nächsten Druck
    wünscht Erhard Schrebb und empfiehlt, solch einen Gesamt-Vorgang als Projekt anzusehen.
    Ich habe selbst schon ähnliche Erfahrungen wie die beschriebenen bei einem wichtigen Kunden-Angebot gemacht und kam dann zur Überzeugung, dass mir so etwas nur einmal im Leben passieren sollte.

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