„Stempeln“ gehen auf Arabisch – Ein Drama in 4 Akten – Akt 1: Das Zettelchen braucht Stempel

Ich brauche ein Dokument aus Deutschland in Dubai. Klingt einfach, ist es aber nicht. Der Prozess ist so langwierig und kompliziert, dass es einfacher sein dürfte auf den Mond zu fliegen, dort Leben zu finden und eine neue Menschenform zu erschaffen.

Es fängt damit an, dass das Dokument von einem Notar in Deutschland beglaubigt werden muss. Kein Problem, schnell gemacht. Nur leider hat der arme Notar seine lange und bestimmt teure Ausbildung ganz umsonst gemacht, denn nun muss das zuständige Landgericht erst mal bestätigen, dass der gute Mann es richtig gemacht hat. Und es überhaupt machen durfte.

Jetzt muss das Zettelchen, mittlerweile versehen mit jeder Menge hübscher Stempel zur Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland. Die soll prüfen, ob es Notar und Landgericht wirklich gibt. Und sowieso. Irgendwann prangt ein weiterer wichtiger Stempel auf dem Zettel und er macht sich per Kurier auf die Reise nach Dubai.

Wer meint, der Zettel sei nun einsatzfähig, der könnte falscher nicht liegen. Das Dokument, vorsorglich bereits in Englisch verfasst, muss nun ins Arabische übersetzt werden. So aus Prinzip und zur Wahrung der arabischen Sprache – es kann nichts Gutes sein, dass jeder in Dubai Englisch spricht.

Selbstverständlich kann das nicht irgendein Übersetzer machen, es muss ein beim Gericht zugelassener Übersetzer sein. In den tiefsten Tiefen des alten Stadtteils Deira mache ich einen solchen Übersetzer mit der Hilfe eines Freundes ausfindig. Am Telefon wirkt es nicht wirklich so, als würde der Mann nur ein Wort Englisch sprechen, aber ich war früher in der Schule im Schriftlichen auch immer deutlich besser als im Mündlichen.

Während der Übersetzer den per Email zugesandten Inhalt des Zettelchens – hoffentlich – übersetzt, schnappe ich mir das Original, um derweil den noch notwendigen Stempel vom Außenministerium der Emirate auf das Zettelchen stempeln zu lassen. Dieses vermeintlich simple Unterfangen wird drei Tage in Anspruch nehmen.

Was passierte und warum ich nur als „Gammlerin von Dubai“ Einlass im Ministerium fand, folgt morgen im zweiten Akt von „Stempeln gehen auf Arabisch – Ein Drama in vier Akten“

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12 Gedanken zu „„Stempeln“ gehen auf Arabisch – Ein Drama in 4 Akten – Akt 1: Das Zettelchen braucht Stempel

  1. Und ich dachte, nur in Deutschland gibt es solche Erbsenzähler.

    Selbst wenn Du jetzt alles gemacht hast, was gewünscht wird, finden sie bestimmt noch ein Haar in der Suppe. Drücke Dir die Daumen, dass es nicht endlos wird und freue mich auf die Fortsetzung.

  2. Och, das unterscheidet sich bis jetzt aber nicht unbedingt von dem erforderlichen Prozedere, wenn es um ein ausländisches Dokument zur Verwendung in einer deutschen Behörde geht. Mal sehen, ob es steigerungsfähig ist. 🙂

  3. Bin ja mal auf den zweiten Akt gespannt! Und falls es Dich troestet, dass Generalkonsulat Mailand kennt auch keine Gnade 😉

  4. Pingback: “Stempeln” gehen auf Arabisch – Ein Drama in 4 Akten – Akt 3: Im Außenministerium | Anne Harenberg - Die Wüste & Ich

  5. Pingback: “Stempeln” gehen auf Arabisch – Ein Drama in 4 Akten – Akt 2: Vor dem Außenministerium | Anne Harenberg - Die Wüste & Ich

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