„Stempeln“ gehen auf Arabisch – Ein Drama in 4 Akten – Akt 2: Vor dem Außenministerium

„Stempeln“ gehen auf Arabisch – Ein Drama in 4 Akten – Akt 1: Das Zettelchen braucht Stempel

Des Dramas zweiter Teil: Einlass in das Außenministerium finden – dauert 3 Tage.

Tag Eins: Ich fahre die Kinder zur Schule und mache mich auf den Weg nach Bur Dubai zum Außenministerium. Ich bin bester Laune, denn ich finde den Weg ohne Probleme, was in einer Stadt ohne Straßennamen und mit täglich neuer Verkehrsführung nicht selbstverständlich ist. Leider ist der gar nicht mal so kleine Parkplatz des Außenministeriums bereits um 8.30 Uhr so überfüllt, dass man wegen der in dritter und vierter Reihe geparkter Autos gar nicht erst drauffahren kann. Ich fahre ein paar Mal um den Parkplatz herum, suche nach Alternativen und gebe schließlich auf, da zwei Verkehrspolizisten mit gezückten Bußgeldbescheiden auf der Suche nach Opfern die gesamte Gegend patroullieren.

Tag Zwei: Ich fahre die Kinder etwas früher zu Schule und bin um 8 Uhr am Außenministerium. Der Parkplatz ist total überfüllt, aber befahrbar. Viermal warte ich brav an einer Parklücke während das andere Auto ausparkt, um den Parkplatz dann an einen aus dem Hinterhalt hervorschießenden Drängler zu verlieren. Sonst eher nicht der mutige Typ, mache ich mir zwei Todfeinde, als ich ohne Rücksicht auf Verluste in die Parklücke fahre, die mir zusteht. Von meinem Erfolg motiviert winke ich den beiden fröhlich zu, als ich aussteige.

Mein Triumph ist von kurzer Dauer. Die Schlange vor der „Stempel-Station“ des Amtes ist so lang, dass man nicht mal erahnen kann, wo der Eingang ist. Ich warte eine halbe Stunde, in der sich nichts tut und erkenne, dass ich auch an diesem Tag nichts ausrichten werde.

Tag Drei: Ich bin auf einer Mission und setzte die Kinder mitten in der Nacht vor dem noch geschlossenen Schulgelände ab, verspreche ihnen, dass alles gut wird und fahre zum Ministerium. Um 7.30 Uhr fahre ich auf den leeren Parkplatz. Mein Glücksgefühl wird etwas getrübt, da die „Stempel-Station“ erst um 8 Uhr aufmacht. Misstrauisch beäuge ich den Eingang: Keine Schlange. Nichts. Niemand.

Gut, denke ich. Heute ist mein Tag. Um 7.50 Uhr gehe ich zum Eingang, um zu verhindern, dass sich jemand vor mir anstellt. Ein freundlicher Sicherheitsbeamter betrachtet mich von oben bis unten und lässt mich dann wissen: Kein Einlass.

Ich betrachte den Mann von oben bis unten und bin versucht zu fragen, ob er eine Bratmeise habe. Ich tue es nicht, sondern frage höflich nach, ob das Ministerium zu habe – was dummerweise die fehlende Schlange erklären würde.

Nein, nein, sagt der Mann, die Stempel-Station mache in wenigen Minuten auf, aber ich dürfe wegen meiner Kleidung nicht hinein. Ich betrachte mich selber von oben bis unten, kann aber keinen Fehler entdecken. Ich trage ein langärmeliges Kleid, das züchtig bis über die Knie geht. Eigentlich vollkommen Dubai-konform.

„Keine Kleider und wenn dann bodenlang“, lässt mich der Sicherheitsbeamte nun wissen. Mein Gesichtsausdruck verrät offenbar meine wuterfüllte Fassungslosigkeit und der Mann holt seinen Chef, der sich nur widerwillig von seiner Zeitung und seinem Morgenkaffee trennt. Dieser bestätigt das Urteil seines Untergebenen.

Es ist Tag Drei der Aktion „Aussen-Stempel“, ich habe einen Parkplatz, es gibt keine Schlange und ich bin nicht bereit, aufzugeben. Ich durchwühle das Auto und finde vier Strickjacken bzw. Pullover die die jüngere Tochter, auch genannt das Messie-Kind, trotz meiner täglichen Ermahnungen, endlich ihren Plunder aufzuräumen, im Auto „vergessen“ hat. Das gute Kind. Schnell knote ich mir aus ihren Anziehsachen eine Art Decke, die ich mir um die Beine schlinge und mit einem ebenfalls im Auto liegenden rosa Geschenkbank notdürftig befestige.

Ich freue mich, dass mir schon seit Jahren nichts mehr peinlich ist und gehe in meinem Aufzug erneut zum Sicherheitsbeamten, der seinen Augen kaum traut und sofort seinen Chef holt.

„Bodenlang, wie gewünscht“, lasse ich die beiden wissen und stapfe ins Gebäude. Die beiden tuen gut daran, mich nicht aufzuhalten.

Und so geht es im Ministerium weiter: Akt 3 – Wie ich als einziger Mensch im Außenministerium sprach. Demnächst auf diesem Blog.

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11 Gedanken zu „„Stempeln“ gehen auf Arabisch – Ein Drama in 4 Akten – Akt 2: Vor dem Außenministerium

  1. Guten Morgen, liebe Anne! 🙂
    Und da dachte ich immer, nur die Deutschen sind so bekloppt…
    Ich lerne aber nie aus und merke: Es gibt immer noch eine Steigerung. 😦
    Hast Du Dir denn nun schon wenigstens Dein bodenlanges, schwarzes Kleid ausgesucht?
    Vielleicht mit passendem Kopftuch dazu und vor allen Dingen: Keine Schuhe mit hohen Absätzen…
    Habe trotzdem einen schönen Tag. ❤
    Gruß Karen

  2. Ich traue mich kaum, mir vorzustellen, wie Du ausgesehen hast…Du erinnerst Dich hoffentlich noch an das ungeschriebene Gesetz, dass man immer in diesen Momenten seinem Traummann begegnet???

  3. Hahahaaa…. Ich weiss genau, wie du ausgesehen hast. So wie meine Töchter morgens im Ramadan, wenn sie einfach irgendwas anziehen, womit sie beten können 😀
    Herrlich! (Wenn auch erstaunlich. Ich dachte, in Dubai wären sie lockerer, vor allem wenn es um Europäer geht.)

  4. Pingback: “Stempeln” gehen auf Arabisch – Ein Drama in 4 Akten – Akt 3: Im Außenministerium | Anne Harenberg - Die Wüste & Ich

  5. Pingback: “Stempeln” gehen auf Arabisch – Ein Drama in 4 Akten – Akt 4: Der Übersetzer | Anne Harenberg - Die Wüste & Ich

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