Sommer, Sonne, Überraschung!

Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier und daran ändert auch die Hitze in der Wüste nichts. Im Gegenteil. Gerade diese Hitze ist es, die in Dubai zu einem Ritual führt, dass sich jeden Sommer so sicher wiederholt wie die Temperaturen über 50 Grad steigen: Das „Wann-wird-es-dieses-Jahr-eigentlich-Sommer?-Ritual“.

Es beginnt ganz unschuldig Anfang April. Man läuft über die Straße oder durch die Mall, trifft zufällig Nachbarn, Freunde oder Bekannte und wirft sich ein fröhliches: „Ist das Wetter nicht herrlich?“ zu. Und das zu Recht, denn es sind grandiose 26 Grad, die Sonne scheint, ein Lüftlein weht und die Abende sind so lau, dass man nie wieder ins Haus gehen möchte.

Das Gegenüber schließt sich zunächst der strahlenden Sonnenfreunde an, lässt dann jedoch einen kleinen Schatten über das Gesicht huschen und verkündet mit leicht verdüsterter Stimme: „Aber nicht mehr lange. Bald kommt die Hitze!“ Beide Gesprächspartner nicken mit heiter-bis-wolkigem-Gesichtsausdruck und ziehen ihrer Wege.

Ende April geht das Sommer-Ritual in die nächste Runde. Beim Pläuschchen über den Gartenzaun seufzt man einmal tief und sagt: „Schon ganz schön heiß heute, oder?“ Das Gesicht des Nachbarn verdunkelt sich als wäre eine Gewitterwolke darüber gezogen und mit bedeutendem Kopfnicken stimmt er zu: „Ja, letztes Jahr um diese Zeit war es noch merklich kühler!“

Das stimmt auf keinen Fall, wie ein Blick auf den historischen Wettergraphen zeigt, denn jedes Jahr erreichen die Temperaturen in Dubai Ende April die 30-Grad-Marke, aber früher war eben immer alles besser.

„Hoffentlich bleibt es noch ein bisschen erträglich!“ verabschiedet man sich, obwohl man wissen sollte, dass es nicht so sein wird. Und tatsächlich. Spätestens Mitte Mai läuft man am späten Nachmittag schwitzend mit dem Hund durch den Park und stöhnt dem zufällig getroffenen Bekannten knapp, um wertvolle Energie zu sparen, entgegen: „Heiß, was?“

„Ja, aber heute Morgen war es noch ganz wunderbar!“, verteidigt der – fast beleidigt – das Wetter, als könne er so aufhalten, was nicht aufzuhalten ist: Das Ritual steuert so unaufhaltsam wie die Temperaturen seinem Höhepunkt entgegen!

Es ist Anfang Juni und die Temperatur in der Sonne erreicht Werte über 45 Grad, wenn man das Haus verlässt, klatscht einem ein „heißer“ Geist ein warmes, nasses Handtuch ins Gesicht und binnen weniger Sekunden ist man tropfnass. Selbstverständlich ist das der Moment, in dem die jugendliche, nicht-schwitzende Nachbarin frisch aus dem Ei gepellt aus ihrer Haustür tritt.

Und ganz so als würde man nicht schon seit Jahren mitten in der Wüste leben und hätte in den vergangenen Wochen kein Wörtchen übers Wetter verloren sagt man betroffen, überrascht und verzweifelt: „Mein Gott ist das heiß auf einmal!“

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6 Gedanken zu „Sommer, Sonne, Überraschung!

  1. So heiß war es in D die letzten Tage nicht, aber es hat für hier gereicht. Auch zum Kollektiven „ist das heiß“. *g*

    LG Rena

  2. Was euch die Hitze im Sommer, ist dem Schweizer der Schnee im Winter. Wie… Es schneit im November? Unverschämtheit. Da haben wir doch die Winterreifen noch gar nicht drauf! Und überhaupt…. Was fällt diesem Wetter ein, jedes Jahr so überraschend zu kommen? Also echt. Ehrlich mal….

  3. Fünfundvierzig Grad plus und ein Gefühl, als würde einem beim Verlassen des Hauses ein nasses Handtuch ins Gesicht klatschen? Na, da sind wir im Vergleich dazu in der vergangenen und wundervoll sommerlichen Woche hier aber noch recht gut bedient gewesen. 😉

  4. Ich hoffe, die 45 werden wir in diesem Jahr nicht erreichen und wünsche uns einen „verregneten, instabilen“ Sommer wie im letzten Jahr. Ich schwitz‘ bei den aktuellen 30 Grad schon genug. Kannst du denn ohne 2-Liter-Wasserflasche das Haus verlassen?

  5. Ich war vor Jahren mal in Dubai im Urlaub – im August. Der Mann im Reisebüro wollte uns das eigentlich keinesfalls verkaufen, er meinte, wir bekämen Brandblasen…

  6. Herrje, das kann ich mir richtig gut vorstellen. Wir sind in den letzten 14 Tagen 2x in Dubai umgestiegen und hatten auf beiden Strecken das Pech mit dem Bus über das Rollfeld fahren zu müssen. Beim Hinflug waren es morgens um 5.30 Uhr bereits 34 Grad … Mir tun ja besonders die Leute leid, die draußen arbeiten.

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