Mein Freund, der Hund

Seit einigen Wochen gehen bei mir im Haus die Handwerker ein und aus. Und selbstverständlich sind auch die Handwerker in Dubai anders als anders wo. Die Herren, die allesamt aus Indien stammen, erscheinen bevorzugt im Rudel (sprich mindestens zu fünft), stehen gerne rum und überprüfen durch intensives Starren den Zustand der Luft im Haus. Natürlich arbeiten sie auch – wenn sie wirklich gar nichts anderes zu tun finden, vermessen sie die Wände fünf Mal nacheinander, um nach fünf verschiedenen Ergebnissen einen Schätzwert zu nehmen.

All dies geschieht allerdings erst seitdem sie die Angst vor der furchteinflößenden Höllenbestie, die bei mir im Haus wohnt, verloren haben. Diese Bestie sieht so aus:

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…und ist ihres Zeichens der Hund. Zugegebenermassen bellt dieser Hund ganz gerne und vor allem laut wenn es an der Tür klingelt, ansonsten ist die größte Gefahr, die von ihr ausgeht eher, dass sie einen zu Tode schleckt – in der Familie ist sie auch als „die Schleckerkönigin“ bekannt.

Nun sagen viele Hundefreunde über ihren knurrenden, die Zähne wetzenden Bello noch just in den Moment, in dem er zuschlägt „der will nur spielen“ und genau deswegen nahm ich die Bedenken der Handwerker ob des Höllentieres neben mir ernst und nahm selbiges bei ihrem ersten Besuch an die Leine. Alle überlebten. Was ich als gutes Zeichen deutete, dass die Herren beim nächsten Mal vielleicht etwas weniger ängstlich sein würden. Waren sie nicht. Zitternd wie Espenlaub warteten sie auch beim zweiten Besuch vor der Haustür bis ich den Hund an der Leine hatte und machten sich dann so dünn sie konnten, um sich an ihr und ihren messerscharfen Fängen vorbeizuquetschen.

Beim dritten Mal begann das Ganze mir auf die Nerven zu gehen, was leider nichts änderte. Die Handwerker sahen den Hund als Ausgeburt des Bösen, den Stellvertreter des Teufels auf Erden, eine zum Töten erschaffende Kreatur oder was auch immer an und wagten sich erst ins Haus, wenn das „Ding“ an der Leine war. Meine Nachfrage, was genau die Leine verhindern könne, wenn das „Böse“ sich wirklich entschließen sollte, Ernst zu machen, blieb unbeantwortet, die Handwerker ängstlich und ich genervt-verzweifelt.

Aber wie das mit der Verzweiflung manchmal so ist, brachte sie mich auf die rettende Idee.

„Sie müssen keine Angst haben“, erklärte ich den Handwerkern ernst, „das ist eine nicht-beißende Rasse, wird extra so gezüchtet“.

Die Männer sahen mich erstaunt an.

„Wirklich?“, fragte einer nach.

„Klar!“, versicherte ich mit dem Brustton der Überzeugung, während eine Welle der Erleichterung durch die Männer zu schwappen schien.

Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen einem Hund und fünf Männern.

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13 Gedanken zu „Mein Freund, der Hund

  1. Hahaha, aus der Perspektive und mit den Fliesen im Hintergrund schaut er aus wie eine ausgestopfte Jagdtrophäe an der Wand. Kein Wunder also, wenn er harmlos ist 😉

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