Ich krieg ’nen Föhn…

Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wobei ich feststellen musste, dass  das gar nicht mehr Föhn sondern Haartrockner heißt, als ich mir letzthin ein derartiges Gerät im Versandhandel bestellte. Natürlich wollte ich zunächst den Einzelhandel mit dieser Groß-Anschaffung unterstützen, die Auswahl hat mich allerdings überfordert. „ThermoProtect“, „Ionen-Technologie“, „Style& Go“ und mein absoluter Liebling: „MoistureProtect“ gab es im Angebot – wo ich doch immer dachte, man nutze so einen Föhn um die Feuchtigkeit aus den Haaren rauszukriegen und nicht um sie zu beschützen.

Man könnte also sagen, ich bekam ob der Auswahl im Fachhandel glatt ’nen Föhn und ging schließlich erschöpft, dafür ohne Haartrockner, nach Hause. Dort setzte ich mich an den Computer und recherchierte die neueste Generation der Föhne, um zu sehen, was für das Haar meiner Familie denn nun das Beste ist. Früher war das Leben irgendwie einfacher, als man nur aus den Föhn-Modellen „schwarz“ oder „weiß“ und wenn es hochkam „silber“, dafür alle in bester Salon-Qualität auswählen, konnte.

Leichter war das Leben auch in Dubai, da brauchte man weder Föhn, noch Haartrockner und erst recht keine „Ionen“ oder „Thermoschutz“. Was im Übrigen dazu geführt hat, dass meine Kinder nicht so wirklich wissen, was ein Föhn ist und wozu genau man den braucht. Bei mir – die das alles zwar weiß, aber vergessen hat – führte der verlängerte Dubai-Aufenthalt dazu, die Anschaffung eines Haartrockner trotz sinkender Temperaturen nicht auf die To-Do-Liste zu setzen. Was schnell nachgeholt wurde, nachdem die ältere Tochter am frühen Morgen bei nebligen 2 Grad mit klatschnassen Haaren – die Frisur saß nicht – auf der Straße stand und die Leute uns sehr merkwürdig anschauten. Leider nützte es auch nichts, dass ich die Klimaanlage im Auto auf „tropisch“ stellte, das Kind ging mit nassen Haaren in die Schule und ich warte seitdem auf ein Schreiben vom Jugendamt.

Damit ich selbigem beweisen kann, dass ich keine Rabenmutter bin, musste also schnellstmöglich ein Föhn her. Nach dem vergeblichen Zug durch die Geschäfte wurde ich beim Versandhändler fündig und hielt zwei Tage später unseren Haartrockner der Oberklasse in den Händen. Da ich weder auf „Ionen“ noch auf „Thermo“ und schon garnicht auf „Moisture“ verzichten wollte hat unser Haartrockner jetzt alles, was man sich an Sonderausstattung vorstellen kann. Er ist eine Art Rolls-Royce unter den Fönen und könnte es im neuen Star Wars-Film mit jedem Laser-Schwert aufnehmen.

Für hochgefährlich wenn nicht gar tödlich halten vor allem die Töchter den neuen Haartrockner. Hochbegeistert waren sie nach der Ankunft des Gerätes sofort unter die Dusche gesprungen, um sich danach endlich zum ersten Mal im Leben die Haare zu föhnen. Leider rechneten sie nicht damit, dass das Trocknen von Haaren heiße Luft erfordert.

„Maaaaaaaama!!!! Der Fön brennt!!“, schrie denn die jüngere Tochter auch nach ca. 12 Sekunden Föhnbetrieb auf Höchststufe – sie wäre kein Kind, wenn sie erstmal mit der niedrigsten Stufe begonnen hätte. Besorgt rannte ich zum Kind und erwartete nicht weniger als mit Thermo-Moisture-Ionen-Effekt angereicherte Flammen aus dem Föhn schlagen – die drohten auf das Kind überzugreifen. Doch was sah ich? Nichts. Oder besser gesagt, das Kind mit dem Föhn – ausgeschaltet – in der Hand. „Thermo“, „Maisture“, „Ionen“ – alle noch da, wo sie sein sollten.

„Warum schreist du so?“, fragte ich so genervt, wie es nur Mütter können, die eine Sekunde zuvor noch dachten, das Kind wäre in ernster Gefahr.

„Der Föhn hat mich verbrannt!“, empörte sich das Kind. „Der war voll heiß!“

„Natürlich war der heiß, sonst werden die Haare nicht trocken“, erklärte ich geduldig.

„Ich föhne mich nie wieder!“, sagte das Kind und legte den Föhn zur Seite. „Blöder Föhn!“

Ich schwankte zwischen: „Du musst dich aber föhnen, sonst wirst du krank!“ und „Jetzt habe ich den teuren Föhn gekauft, nun wird sich auch geföhnt!“. Doch dann sagte ich nichts. Man will ja nicht klingen, wie die eigene Mutter. Und die Vorstellung, wie ich dem Kind nach der nächsten Dusche zusammen mit dem Föhn in einem Hinterhalt auflauere und es dann zwangsföhne hat einen gewissen Reiz.

Und bis dahin habe ich die „Thermo-Moisture-Ionen“ alle für mich allein. Ich habe mich schließlich auch acht Jahre lang nicht geföhnt.

 

 

 

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4 Gedanken zu „Ich krieg ’nen Föhn…

  1. Den Töchtern halt zeigen dass man den Föhn nicht gleich so heiss einstellen soll, auch sagen sie sollten ihn weiter vom Kopf weghalten und unbedingt nicht in der Badewanne föhnen, Stromschlag Gefahr!!

  2. Wobei man auch beim hiesigen Klima nicht unbedingt einen Föhn braucht.
    Ich besitze zwar einen, wüsste aber momentan gar nicht zu sagen, wo er ist, weil ich ihn niemals benutze. Ich tänzele auch bei 10 Grad minus morgens mit nassen Haaren aus dem Haus, und das schon seit meiner Schulzeit.
    Gut, bei 10 Grad minus würde ich ein Mützchen aufsetzen, aber ansonsten dürfen sie frei im Wind flattern.

  3. Hihi, hatte letzte Woche das gleiche Erlebnis mit zwei in einer Mennonitenkolonie aufgewachsenen Kindern, die zum ersten Mal Bekanntschaft mit meinem Fön machen konnten. War super, jeder wollte fönen und wenns zu heiß wird, hat meiner einen Kühl-Knopf. Dafür nix mit Ionen und so.

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