Cinderella & Ich

Ich gehe mal davon aus, dass der Morgen in den meisten Familien die hektischte Zeit des Tages ist. Man muss sich aus dem Bett quälen, irgendwie so zurecht machen, dass man menschliche Züge hat, Butterbrote für die Schule schmieren, die Kinder antreiben, frühstücken, darauf achten, dass der Nachwuchs nicht komplett dreckig oder unangemessen (ich sage nur, Flip-Flops im Winter) zur Schule geht und schließlich und endlich dem armen Hund irgendwie ermöglichen sich zu entleeren – bevorzugt nicht auf dem Wohnzimmerteppich.

Die Hunde-Erleichterung verbinde ich seitdem wir in Berlin leben damit, die ältere Tochter zur U-Bahn-Station zu begleiten. Die jüngere Tochter muss ich im Anschluss zur Schule fahren, der Berliner Schulgott hat irgendwie gewollt, dass es nur Plätze für die beiden an unterschiedlichen Schulen, die selbstredend maximal weit auseinanderliegen, gab.

Nach ein paar Wochen habe ich den morgendlichen Zeitablauf so perfektioniert, dass die ältere Tochter nicht viel zu früh und die jüngere nicht viel zu spät zur Schule kommen und ich für den Hund trotzdem ein Zeitfenster von satten 17,3 Minuten für seinen Spaziergang freigeschaufelt habe.

Das lief alles ganz prima bis der Hund einen Freund fand, mit dem sie morgens sehr gerne spielt, was Frauchen gerne sieht, denn so bekommt der Hund in den 17,3 Minuten optimale Bewegung – und sie kann ein Schwätzchen halten. Letzteres hat dummerweise den Nachteil, dass Frauchen nicht immer auf die Uhr blickt und mehrmals erst nach 19,6 Minuten wieder zu Hause eintraf. Dies wiederum erboste die jüngere Tochter enorm, die auf keinen Fall zu spät zur Schule kommen will und mich nun sofort auf dem Handy – mehrfach – anruft, wenn die 17,3 Minuten Spaziergangszeit vorbei sind und ich noch nicht wieder auf der Matte stehe.

Gott sei Dank habe ich im Kampf gegen die Uhr einen Verbündeten gefunden: Die naheliegende Kirche. Diese läutet die Glocken jeden Morgen pünktlich um 7.30Uhr  und wenn ich beim letzten Glockenschlag zu Hause bin, wird alles gut.

Ich bin also eine Art moderne Cinderella – oder das, was aus der Guten geworden ist, wenn sie denn jemals Kinder bekommen hat.

 

 

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3 Gedanken zu „Cinderella & Ich

  1. Guten Morgen, liebe Anne! 🙂
    Und die Moral von der Geschicht: Die Kirchen werden zwar in der heutigen Zeit immer leerer, stehen aber doch nicht so ganz umsonst in der Landschaft. 😉
    Habe auch einen schönen Tag. ❤
    Gruß Karen

  2. Und jetzt noch der Prinz. Mit oder ohne Pferd. Wie kriegste den noch in die Geschichte rein? Vielleicht ein Hundefreund oder so ;-D? Tschüss Prinzessin und nen tollen Tag dir! Anne

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