Ein Jahr? Ein Jahr!

Kann es wirklich sein, dass wir seit einem Jahr in Deutschland leben? War das nicht erst gestern, als ich mit Hund und dickem, schwarzen Kater ins Flugzeug gestiegen bin? Nein, es ist wirklich ein Jahr her – ein Blick auf das alte Flugticket und den dicken Stapel Papier, den es braucht, um einen Hund und eine Katze aus Dubai in die EU zu importieren, bestätigen, was der Blick auf den Kalender mich zuvor nur vermuten ließ – fast genau auf den Tag vor einem Jahr sind wir in Berlin gelandet.

Viel ist in diesem Jahr passiert, so viel, dass ich darüber doch tatsächlich vergaß, verdrängte und verschob, was ich so alles auf diesem Blog eigentlich hatte berichten wollen über die letzten Wochen in Dubai und die ersten in Berlin. Vielleicht gelingt das in der Zukunft wieder besser, vielleicht auch nicht, aber heute ist heute und gerade heute war die Erinnerung an den „Heimflug“ mit acht Pfoten so präsent, dass ich diese Erinnerung hier und jetzt aufschreibe.

Eigentlich begann der „Heimflug“ mindestens drei Monate vor dem echten Abflug, da zu diesem Zeitpunkt die Hundeflugbox Einzug in unser Wohnzimmer hielt. Der Hund musste schließlich an seinen ganz speziellen „Platz“ im Flugzeug gewöhnt werden, was mit viel Leckerchen und gutem Zureden auch gelang. Nicht gelingen wollte es mir dagegen, in den gesamten drei Monaten einmal durch mein Wohnzimmer zu gehen, ohne mich an dem Monstrum zu stoßen – ein großer Hund braucht eben eine noch viel größere Flugbox. Irgendwann hatte das beige Ungetüm neben dem Sofa dann aber auch etwas Tröstliches, das begab sich an dem Tag, an dem auch der dritte potentielle Vermieter einer Übergangswohnung in Berlin uns wegen den Tieren absagte und ich mich damit tröstete, dass wir dann eben mit der ganzen Familie für einige Zeit in der Box leben würden – groß genug war sie allemal.

Irgendwann gesellte sich zu der Hundebox die Katzenflugbox und während mein Wohnzimmer immer voller wurde, wurde das Bankkonto immer leerer. Diverse Zertifikate, Ex- und Importpapiere, Gesundheitszeugnisse und ähnliches mussten bezahlt werden. Nicht bezahlen dagegen durfte ich die „Tickets“ für die Tiere, das gehe erst am Flughafen direkt vor Abflug, wenn klar sei, dass sie auch wirklich mitdürften, klärte mich der freundlich Herr von KLM auf.

Jeder, der sich nun fragt, wie ich auf die grandiose Idee gekommen bin, mit zwei Tieren über Amsterdam nach Berlin zu fliegen, dem sei gesagt, dass es keinen Direktflug von Dubai nach Berlin gibt (ein Skandal!) und die Holländer als einzige so nett sind, die Tierchen als Übergepäck und nicht als Fracht mitzunehmen, wodurch man viele hundert Euro spart.

Leider scheinen die Holländer aber auch ein gewisses Faible für Nervenkitzel zu haben, da mein freundlicher KLM-Berater für den Transit in Amsterdam genau eine Stunde Zeit eingeplant hatte. Meine zarte Nachfrage, ob das mit zwei Tieren „im Gepäck“ denn überhaupt zu schaffen sei, wurde müde belächelt und mit einem bestimmten „wenn die Kollegen in Amsterdam sagen, das geht, dann geht das“ beantwortet. Natürlich habe ich ab dem Zeitpunkt vor Sorge keine Nacht mehr geschlafen und wenn ich denn mal kurz eingenickt gewesen sein sollte, wurde ich sofort von Albträumen geplagt, wie meine Tiere in Amsterdam auf der Suche nach mir über das Rollfeld irren, nachdem sie den Anschlussflug im Gegensatz zu mir verpasst hatten. Alternativ sah ich mich über das holländische Rollfeld auf der Suche nach Hund und Katze irren, die derweil in Berlin vom Tierschutz übernommen wurden.

Gott sei Dank war die Transitzeit nicht das einzige Problem, auf das ich mich in Sachen „Tiertransport“ konzentrieren konnte und so beschloss ich, während meiner schlaflosen Nächte doch lieber darüber zu grübeln, wie man einen dicken, schwarzen Kater, der nach spätestens 45 Sekunden Autofahrt aus jeder ihm möglichen Körperöffnung „schießt“ wohl durch einen 45-minüten Autotransport zum Flughafen und einen 6-stündigen Flug kriegt, ohne dass er und seine Box danach als biologische Waffe eingesetzt werden können.

So viel sei vorneweg gesagt, Kater und Box kamen sauber in Berlin an – die 48 Stunden, in denen der Kater vor Abflug nichts zu fressen gekriegt hat, werde ich aber in diesem Leben nicht mehr vergessen. Die Nachbarn im Umkreis von  500 Metern wohl auch nicht. Nicht vergessen werden viele Passagiere wahrscheinlich auch den Moment, an dem zwei Flughafenangestellte kurz vor Mitternacht am Abflugtage versuchten, die gigantische Hundebox – samt Hund darin – auf das Kofferband zu stellen, um sie zu wiegen. Ein unmögliches Unterfangen und auch das Band für übergroße Gepäckstücke reichte nicht aus.

Immerhin kann ich jetzt von mir sagen, dass ich die Katakomben unter dem Dubai-Flughafen kenne, da ich durch selbige – samt Hund in Box auf Rollwagen -geschleust wurde, um schließlich an einem geheimen, verwunschenen Ort eben jenen Hund samt Box auf einer Lastenwagen zu wiegen, aber nur, um ihn dann doch – sehr zum Leidwesen der Flughafenangestellten – zu befreien. Dummerweise hatte sich herausgestellt, dass die Box auch durch den dort befindlichen Riesen-Metalldetektor nicht passte und schnell mal auseinander gebaut werden musste. Ich begann zu ahnen, warum die anderen Fluglinien Tiere lieber als Fracht mitnehmen.

Irgendwann war die Box gescannt, der Hund auch und es war Zeit ihm einen letzten Drücker zu geben, bevor er – wieder in seiner Box – von einem Herren davongerollt wurde. Der Kater war zuvor schon von seinem „Flugbegleiter“ übernommen worden und es war an der Zeit, die Tier-Tickets zu bezahlen. Zu diesem Zeitpunkt war ich ein menschliches Wrack. Hatte ich den bisherigen Tier-Transport dank unzähliger Adrenalinschübe geschafft, fiel nun die erste Anspannung von mir ab und ich überlegte kurz, ob ich zum Duty-Free gehen und mir eine große Flasche Hochprozentiges gönnen sollte. Ich tat es nicht, was ich im Verlauf der Nacht noch bitter bereuen sollte….Fortsetzung folgt.

 

 

 

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4 Gedanken zu „Ein Jahr? Ein Jahr!

  1. Pingback: Der letzte Tag | Anne Harenberg - Die Wüste & Ich

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