Farbwahl

Meine Kinder sind Ferkel. Echte Dreckfinken. Zusammen mit einem Hund, der sich bevorzugt so dicht es eben geht an die Wand stellt, um sich dann an selbiger in die liebste Schlafposition hinunter gleiten zu lassen und dem Berliner Schmuddel-Starkregen-Wetter hat dies dazu geführt, dass unser Flur nur ein Jahr nach dem Einzug nicht mehr Weiß  ist. Er ist auch nicht grau, oder braun. Er ist tiefschwarz, bis zu einer Höhe von ca. 1,20 Meter, darüber wird es etwas besser. Aber nicht viel. Schließlich wurde der Ball ja erfunden, um ihn zunächst draußen nach einem Regenschauer durch den Dreck zu rollen und dann gegen Flurwände zu schmeißen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Flur musste neu gestrichen werden. Diesmal natürlich nicht in Weiß. Als Mutter lernt man ja nie aus. Eine von Natur aus schmuddelige Farbe und abwaschbar sollte es sein. Vor langer Zeit schrieb ich einmal darüber, wie schwer es ist Entscheidungen zu treffen, wenn man zu viel Auswahl hat und da ging es nur um Hundeshampoo. Im Gegensatz zu damals war ich mir diesmal durchaus bewußt, dass ich im Baumarkt eine riesige Auswahl an Farben haben würde, aber was ich dort vorfand übertraf dann doch alle Vorstellungen.

Allein die diversen Farbenmarken drohten mich zu überfordern, von den Farbnuancen will ich gar nicht erst anfangen. Tausende von Farbkarten – teilweise gleich mit mehreren Schattierungen darauf – warteten darauf, von mir unter wahlweise in mit „Tageslicht“ „Glühbirne“ „LED“ oder „Neon“ beleuchtete Kästchen gehalten zu werden. Was die Farbauswahl nochmal vervierfacht, wenn man es genau nimmt.

Nach ein paar Minuten Schnappatmung hatte ich mich soweit beruhigt, dass ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. Dieser lautete: Abgrenzung. Ich ließ die mehrere Kilometer lange Wand mit den gewöhnlichen Farbkarten des kleinen Mannes links liegen und widmete mich ganz einem kleinen Bereich mit der High-End-Premium-Luxus-Feine Leute-Farbenreihe eines bekannten Herstellers. Preis-Leistung sieht anders aus, aber die Auswahl war auf ca. 30 Farben beschränkt und bestimmt würde ein freundlicher Baumarkt-Mitarbeiter später in der Lage sein, mir die Luxus-Farbschattierung, die nicht jeder hat, als ordinäre Baumarkt-Edition anzumischen.

Soweit der Plan. Den ich irgendwann auch umsetzte, davor kam ich aber erstmal aus dem Staunen nicht mehr raus. Denn wer hätte gedacht, dass Wandfarben nicht mehr einfach Wandfarben sind. Sie sind ja soviel mehr. Ein sattes Rot zum Beispiel ist ein „Befreiter Feuervogel“, ein helles Gelb eine „Elfenbein Rebellin“ und Blau ein „Stolzer Wellenreiter“. Sehr lange stand ich vor der „Hüterin der Freiheit“, die so gar nicht meine Farbe war, aber mal ehrlich, wer hätte die nicht gerne im Flur? Wir leben schließlich in gefährlichen Zeiten und man will ja auch politisch ein Zeichen setzen.

Konkurrenz bekam die Freiheitshüterin von rechts, da hing der „Leise Moment“. Welch Verlockung sich vorzustellen, dass es leise im Flur sein könnte, wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen oder wenn der Postbote klingelt, was der Hund vor der neuen Wandfarbe stets mit einem hysterischen Bellkonzert belohnt hat. Die „Dächer von Paris“ kamen natürlich auch in Frage, da wäre ja quasi 2in1 gewesen: Urlaub und neue Flurfarbe.

Was es am Ende geworden ist? Das verrate ich nicht, es ist auf jeden Fall nicht der „Tanz der Sehnsucht“ oder der „Glanz des Sonnenkönigs“. Aber der Flur sieht gut aus. Und vielleicht sollte man auch nicht zu viel in eine Farbe hineininterpretieren. Eigentlich sollen die Flurwände ja nur nicht sofort wieder dreckig werden.

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Farbwahl

  1. 😂wir wohnen seid 7 Monaten in einer bei Einzug weiß gestrichenen Wohnung. Mir war echt nicht bewusst, wie schnell Wände so schmutzig werden 😂😂 aber noch weitere ich mich zu streichen. Besonders in einer bunten Farbe. Ich halte noch am weiß Fest.

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