Hamburgaaaaaaaahhh!

Ich werde nie wieder in meinem Leben einen Hamburger essen. Was ganz furchtbar ist, denn Hamburger gehörten einst zu meinen absoluten Lieblingsgerichten. Nicht unbedingt die Hamburger von Fast-Food-Ketten sondern dicke, saftige, medium-gebratene Hamburger mit weichen Brötchen, Tomaten, Salat, Zwiebeln und einer Gurke. Köstlich. Ganz köstlich. Also früher, jetzt wird mir schlecht, wenn ich nur an Hamburger denke. Dabei habe ich seit Wochen schon keinen mehr gegessen. Was passiert ist? Weiterlesen

Telefon-Terror

Ich bin grundsätzlich kein gewalttätiger Mensch, doch gestern wäre ich dem freundlichen Dienstleister von der Telefongesellschaft ganz gerne an die Gurgel gegangen – zum Beispiel mit einem der Kabel aus seinem Köfferchen.

Was den Gewaltausbruch ausgelöst hat? Seine Kollegin aus dem Service-Center. Die hat es sich nicht nehmen lassen, mich im Deutschland-Urlaub sage und schreibe 9 (in Worten NEUN) mal anzurufen, um mich zu fragen, ob sie für den nächsten Tag einen Termin für den kostenlosen Upgrade-Service, der gerade im Wohngebiet durchgeführt werde, mit mir auszumachen könne. Der clevere Leser fragt sich nun natürlich, warum ich denn 9 (in Worten NEUN) mal drangegangen bin? Weil die Dame mit unterdrückter Nummer angerufen hat, natürlich. Sie arbeitet schließlich bei einer High-Tech-Telefongesellschaft und kennt jeden Trick, sich verweigernde Kunden-Schäfchen einzusammeln. Weiterlesen

Was Gesundes, bitte?

Der Aufenthalt in Deutschland kombiniert mit der Olympiade wird langsam zum Problem für die Gesundheit meiner Familie.

Irgendwie hat das tägliche, intensive Sportschauen im Fernsehen bei mir eine gewisse Trägheit ausgelöst. Diese führt dazu, dass ich den Einkauf im Supermarkt aufs Nötigste beschränke: Das Auffüllen der Ritter Sport Olympia-Vorräte für den nächsten Fernsehabend.

Dummerweise wollen meine Kinder aber neben Ritter Sport Olympia auch noch etwas anderes essen. Man stelle sich vor. Meine jüngere Tochter hat mich tatsächlich gestern nach „was Gesundem“ gefragt. Die Kinder von heute, also wirklich.

Ins Restaurant wollen die beiden auch nicht mehr gehen. „Immer nur Schnitzel,“ haben sie gemault, als ich ihnen auf die Frage nach dem „Gesundem“ vorschlug, wir könnten ja essen gehen. Also, ich konnte als Kind von Schnitzel und Pommes Frites nicht genug kriegen. Irgendetwas muss ich falsch gemacht haben bei meinen Kindern.

Obwohl ich ihnen ein ganz kleines bisschen zustimmen muss. Im Geheimen, natürlich. Aber auch mir ist aufgefallen, dass die Restaurants, Landgasthöfe und Wirtschaften im Sauerland vor allem ein Gericht auf der Karte haben: Schnitzel. Dies allerdings in einer Variationen-Vielfalt, die den teilnehmenden Olympia-Nationen Konkurrenz macht.

Jäger-Schnitzel, Zigeuner-Schnitzel, Schnitzel „Wiener Art“, Gourmet-Schnitzel, Schnitzel „Sauerland“, Schnitzel „Westfalen“, Feuer-Schnitzel, Holzfäller-Schnitzel – der Phantasie für Schnitzel-Gerichte im Sauerland sind keine Grenzen gesetzt.

Ich befürchte, wir haben in den vergangenen zwei Wochen mehr Schokolade und Fleisch gegessen als im gesamten vergangenen Jahr. Es sieht so aus, als müsste ich zum Äußersten schreiten und mal wieder selber kochen. Nur, wann? Ich habe keine Vorstellung wie ich auch noch Einkaufen und Kochen in meinem Olympia-Tag unterbringen soll.

Immerhin steht heute das 10 Kilometer Schwimmen der Frauen auf dem Programm. Und das Boxen im Fliegengewicht der Frauen. Das kann ich doch unmöglich verpassen. Von den Kanuten, der Dressur, dem Frauen-Ringen und dem Dreisprung der Männer will ich gar nicht erst anfangen. Ich habe doch frühestens in vier Jahren – bei der nächsten Olympiade – wieder Gelegenheit und vor allem Interesse mir diese Sportarten anzusehen.

Ich befürchte, meine Kinder müssen noch bis Samstag durchhalten. Erst dann bin ich wieder bereit, mich um unsere gesunde Ernährung zu bemühen. Und wer weiß, vielleicht sind sie bis dahin so ausgehungert nach „was Gesundem“ dass ich sie endlich mal dazu kriege, ein paar meiner Lieblingsgemüse zu probieren. Kohlrabi zu Beispiel. Oder Bohnen. Oder Erbsensuppe. Am Ende ist der Entzug der gesunden Ernährung sogar noch zu etwas gut.

Gestärkt!

Mit viel Glück habe ich es gestern Nachmittag geschafft – ich bin im Besitz der letzten fünf Tafeln Ritter Sport Olympia, die im örtlichen Supermarkt erhältlich waren. Ich musste zwar sämtliche bei Olympia gesehenen Judo-Griffe anwenden, um eine andere Kundin zu Boden zu werfen, die im gleichen Moment ins Ritter Sport-Regal greifen wollte, aber was soll’s. Im Auto kam mir kurz der Gedanken, dass die Arme vielleicht eine ganz andere Ritter Sport-Schokolade wollte…Gott sei Dank wohne ich ja nicht immer hier.

Die erste Tafel ist mittlerweile verspeist und ich fühle mich gestärkt für den nächsten sportlichen Fernseh-Tag – sind ja jede Menge Traubenzucker und andere gesunde Sachen in der olympischen Schokolade. Und köstlich noch dazu! Jetzt muss die Franzi nur noch wieder so ein tolles T-Shirt anziehen und der Tag ist perfekt. Dank Franzi und der roten Nase auf ihrem T-Shirt sind die Suchanfragen für meinen Blog nämlich in unglaubliche Höhen geschossen…

Rote Karte für den Hund

Der Hund hat sich als Couchgenosse für die deutschen Spiele bei der Fußball-EM disqualifiziert. Komplett und ohne Chance auf ein Relegations-Spiel.

Erst hat der dumme Köter mit seinem freudigen Schwanzgewedel, dass er ausnahmsweise mal zu Frauchen aufs Sofa durfte, mein Glas umgeschmissen. Während ich damit beschäftigt war, die Schweinerei und die Scherben aufzuwischen, hat das gerissene Biest – der Schwanzwedel-Unfall war offensichtlich sorgsam geplant – sich über die Erdnuss-Flips hergemacht. Derweil hat oben ein Kind angefangen zu plärren. Als das endlich Ruhe gegeben hat und ich wieder runterkam, hatte der Hund sich in voller Länge auf dem Sofa ausgestreckt. Kein kleiner Hund, übrigens, also kein Platz mehr für mich. Geschnarcht hat das Viech auch noch.

Aber nicht mit mir. Mittlerweile war die erste Halbzeit vorbei und ich habe den Hund mit roher Gewalt runtergeschmissen, um wenigstens die zweite Halbzeit in Ruhe genießen zu können. Was ich auch getan habe – in gewisser Weise. Ich bin so fest eingeschlafen, dass ich nicht mal gemerkt habe, dass der Hund die meisten Erdnuss-Flips wieder von sich gegeben hat. Auf die deutsche Fahne, die noch vor dem Fernseher lag, weil ich dann doch zu faul war, sie über selbigem aufzuhängen.

Das nächste Spiel seh ich mit einem anderen „Freund“ – wedelt nicht, schmeißt nichts um, frisst nicht, redet nicht dazwischen, schnarcht nicht und kann im Zweifelsfall die Kinder beruhigen. Ich hoffe nur, die liefern das Unique Hug me Pillow, bevor die EM zu Ende ist. Leider gibt es das nicht in Schwarz-Rot-Gold.  Aber sonst….

Die dunkle Seite der Macht

Der Erfinder der Fernbedienung – Eugene Polley – ist gestern gestorben. Das ist traurig, aber da der Gute 96 Jahre alt war nehme ich an, es kam nicht so ganz unerwartet. Total unerwartet für mich waren dagegen die Überschriften einiger Nachrichten-Portale zu seinem Tode. Der Tenor war: Ohne Eugene Polley gäbe es den gemütlichen Fernsehabend nicht. Ernsthaft? Vielleicht war das bei anderen Leuten so, in unserer Familie sorgte die Fernbedienung allein dafür, dass an gemütliche Fernsehabende nicht zu denken war.

Mein Bruder und ich nannten sie ehrfurchtsvoll „Die Macht“ und wer sie hatte, der hatte, genau „die Macht“ über den Verlauf des Fernsehnachmittags bzw. -abends. Jeden Tag war es das gleiche Spiel: kaum waren wir von der Schule nach Haus gekommen, begann der Wettlauf: Wer würde zuerst im Wohnzimmer sein und sich „die Macht“ sichern? Meine Lieblingstage waren Dienstag und Donnerstag, da hatte mein Bruder direkt nach der Schule Tennisstunde und ich konnte ohne Gegenwehr „die Macht“ an mich bringen.

Nun war es nicht so, dass wir den ganzen Nachmittag hätten Fernsehen dürfen, frühestens ab 17.30 Uhr erlaubte meine Mutter, dass wir die Glotze anstellten. Bis dahin galt es für den Machthaber, die Fernbedienung durch raffiniertes Verstecken oder am Leibe tragen bloß nicht wieder zu verlieren.

Dramatisch waren die Tage, an denen einer von uns die Fernbedienung in seinen Besitz gebracht und an einem scheinbar sicheren Ort versteckt hatte und dann kam der andere und fand sie. Ich habe das Gebrüll immer noch in den Ohren und sämtliche Gliedmaßen schmerzen bei der Erinnerung an die nachfolgenden Kämpfe. Furchtbar auch, wenn man mal kurz auf Toilette ging und vergaß, „die Macht“ mitzunehmen. Oder man beim Abendessen – zu unserem Leidwesen niemals vor dem Fernseher – „die Macht“ für eine Sekunde aus den Augen ließ und weg war sie. Selbstverständlich war der Unterlegene im „Machtgefüge“ auf keinen Fall mit der Programmwahl des anderen einverstanden und schmollte den Rest des Fernsehtages.

Für meine Eltern kann von gemütlichen Fernsehabenden also auch keine Rede gewesen sein. Erstens mussten sie den ganzen Nachmittag die Streitereien ertragen, dann bis mindestens 21 Uhr das Programm der Kinderwahl sehen und dabei auf die Muffel-Miene eines ihrer Kinder blicken. Ich rechne es ihnen hoch an, dass sie niemals nachgegeben haben und ihren Kindern den Wunsch nach einem Fernseher im eigenen Zimmer erfüllt haben.

Eugene Polley möge in Ruhe ruhen, danken kann ich ihm beim besten Willen nicht für seine Erfindung. Obwohl, immerhin hatten mein Bruder und ich so immer einen guten Grund zum Streiten. Hätte er die Fernbedienung nicht erfunden, hätten wir uns bestimmt was anderes gesucht.

Meine Puppen & Ich

Gestern Nachmittag war ich mit den Kindern mal wieder in der Mall. Während die Beiden um irgendetwas stritten – wenn sich gar nichts anderes findet, streiten sie sich auch gerne mal um die Luft, die die eine der anderen bösartig weg atmet – betrachtete ich die kleinen Stände, die im Gang zwischen den Geschäften aufgebaut sind. Bloß nicht zuhören ist meine Devise in solchen Situation.

Da fiel mein Blick auf etwas Unglaubliches. Puppen, die nach der Vorlage eines echten Menschen gefertigt werden, aber sonst aussehen wie Barbie-Puppen. TIM oder „This Is Me“ heißen die Dinger und werden von einer Firma in Dubai hergestellt.

Was für ein Mist, dachte ich und ausnahmsweise waren meine Kinder – die beim Anblick der Puppen natürlich sofort angerannt kamen und sich jede gierig eine Puppe grabschten – sich mal einig:

„Das ist ja gar keine echte Barbie,“ krähte die Eine und zog verächtlich an den braunen, kurzen Haaren einer Puppe.

„Die hat ja keinen Busen,“ schrie die Andere, die gerade eine männliche Puppe in der Hand hielt. „Und die ist blöd angezogen.“

Ich blickte verschämt neben mich, um sicher zu gehen, dass das Vorbild der Puppe nicht in der Nähe stand. Der Verkäufer nutzte die Gelegenheit, mich über die Puppen aufzuklären. Dank einer revolutionären Technik sei es nun möglich Fotos als drei-dimensionale Daten zu speichern und diese in eine Puppe zu verarbeiten, die genau so aussieht wie man selbst. Aha. Hatte ich erstens nicht verstanden und fand die Puppen zweitens immer noch blöd.

Wir gingen weiter und die Kinder stritten weiter, als mir plötzlich auffiel, dass so eine Puppe vielleicht doch gar nicht so schlecht ist. Je länger ich darüber nach dachte, desto mehr Nutzungsmöglichkeiten fielen mir ein. Zum Beispiel mit Puppen, die aussehen wie meine Kinder:

–       Tochter Eins kommt zwei Stunden vor Tochter Zwei aus der Schule. Die Zeit könnte sie nutzen, auf die Puppe ihrer Schwester wie auf eine Vodoo-Puppe mit Nadeln einzustechen und so Aggressionen abzubauen. Bestimmt würde es dann später weniger Streit geben

–       Ich könnte beide Töchter-Puppen statt der Echten an den Tisch setzen und ihnen in Ruhe einen Vortrag über gutes Benehmen halten. Da hätte ich wenigstens ansatzweise das Gefühl, dass mir mal jemand zugehört hat.

–       Die Töchter-Puppen könnten dann auch mit mir zusammen Abendessen und ich könnte mir einbilden, mit zivilisierten Menschen am Tisch zu sitzen, während die echten Töchter endlich ihren Willen kriegen und vor Fernseher essen können wie die wilden Tiere.

–       Auf Urlaubsfahrten würde ich auch nur noch die Puppen mitnehmen und wunderbare, ruhige, streitfreie Familienferien verbringen. Die echten Töchter können ja mal drei Wochen meine Schwiegermutter zur Verzweiflung treiben.

Und die Krönung des Ganzen: Ich könnte die Puppen den Kindern zum Geburtstag schenken. Ein Geschenk für mich auf ihre Kosten!